Wehrpflicht und Studiengebühren

Sat, 09 Aug 2008 00:59:09 +0000

Gleich vorweg: Ich möchte mich entschuldigen, dass ich es mir nicht verkneifen kann, politische Aussagen zu machen. Es ist nur, dass das, was ich gerade eben gelesen habe, so evokatorisch ist, dass ich es einfach hier verbreiten muss.

Spiegel Online schreibt, dass ein Zivildienstleistender seine ersten zwei Semester Studiengebühren nicht zurückverlangen darf (allerdings nicht in letzter Instanz, ich hoffe mal, der kommt durch).

Erstmal ein kleiner Exkurs zu Studiengebühren: Jeder zahlt so… sagen wir mal 1000 Euro Studiengebühren im Jahr (Studentenwerksbeiträge, etc., wollen wir mal nicht mitzählen, dann müsste das ziemlich gut hinkommen). Wikipedia meint, “Im Wintersemester 2006/2007 waren an deutschen Hochschulen 1.974.932 Personen immatrikuliert”. Ich bezweifle, dass diese Zahl sich erheblich erhöht hat, ich denke mal, sie wird eher runtergegangen sein. Sagen wir mal es sind rund zwei millionen. Wenn zwei Millionen Studenten jeweils 1000 Euro jährlich bezahlen, dann sind das… Insgesamt zwei milliarden Euro pro Jahr an Studiengebühren. Zwei Milliarden… Hm… Wie war das noch gleich? Diese Zahl habe ich doch schon mal irgendwo gelesen…

Achja richtig: Münch(e)ner Kommunalwahl 2008… Grüne… Da sah ich ein Wahlplakat… Da ging es um den Transrapid.

Von 0 auf 400 in 2 milliarden Euro
[Quelle:
http://www.gruene-muenchen.de/
- bitte deren Lizenzbedingungen beachten]

Es scheint sich also um keinen Betrag zu handeln, der für die Regierung (alleine in Bayern) unerschwinglich ist. Und ich bezweifle irgendwie, dass nicht das selbe in noch größerem Maße für die WirtschaftTM gilt – sprich die Unternehmen, die in erster Linie von gut ausgebildeten Fachkräften und erstklassiger Forschung profitieren. Aber ich bin lieber ruhig, bevor irgendwer noch auf die Idee kommt, die Studiengebühren so sehr zu erhöhen, dass der Betrag wirklich beträchtlich wird, aber dann würden wohl die bösen Studenten ihre Anzahl so sehr dezimieren, dass das wieder nicht funktioniert. Naja, man wird sehen.

Was ich von Wehrpflicht halte… Nun, nicht viel. An mir selbst ging dieser Kelch Gott sei Dank vorbei. Das heißt aber für mich noch lange nicht, dass sich dieses Thema damit erledigt hat. Ich will es mal so ausdrücken: Ich kenne viele Leute – manche sagen, der Zivildienst bzw. die Bundeswehr hätten irgendwie ihren Horizont erweitert, und sie würden auf keinen Fall darauf verzichten wollen – die Mehrheit ist aber anderer Meinung, und hätte lieber gleich Studiert. Die Leute, die nicht gleich Studieren wollten, aber ausgemustert wurden, machten häufig ein Freiwilliges Soziales Jahr. Das sei jedem Erlaubt. Mag sein, dass ich die falschen Leute kenne, aber ich denke doch irgendwie, man hat ein Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit, und dieses wird einem durch Wehrpflicht für fast ein Jahr genommen.

Das muss man sich mal vorstellen: Studierwillige, oder auch ausbildungswillige Personen werden gezwungen mit ihrer Ausbildung erst später anzufangen, oder sie gar zu unterbrechen, weil man es nicht schafft, das System ohne die billigen Sklaven aufrecht zu erhalten. Andererseits habe ich zumindest häufig zu genau der Zeit Jugendliche meines Alters gesehen, die bisweilen noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss hatten, keine Ausbildung machten, nur “herumlungerten”, und dennoch nicht zu ebendieser Zwangsarbeit rekrutiert wurden. Es ist sicher bei einem so großen Volk wie dem Deutschen Volke schwierig, ein System zu schaffen, das in jedem einzelnen Fall “gerecht” ist, aber ich fände zum Beispiel ein Modell der Form “wer für einen bestimmten Zeitraum keine Ausbildungsstelle findet, der kann verpflichtet werden” sinnvoller, wenn man unbedingt dabei bleiben will – immerhin kann die Bundeswehr auch eine Perspektive sein – und vielleicht dann gerechterweise nach dem Dienst eine Bevorzugung durch die Ausbildungsstellen, z.B. durch eine gesetzliche Quote, etc. Aber eigentlich bin ich für die Abschaffung der Wehrpflicht und des Zivildienstes.

Nunja, aber nun zurück zum Anfang. Ich sagte ja, der Artikel sei evokatorisch. Nunja, der Grund ist folgender: Ich fragte mich, wie es denn sei, wenn man zur Sklavenarbeit gezwungen wird, genau ein Jahr, bevor das Bachelor-System eingeführt wurde. Man kann sich dann nicht mehr in einen Diplomstudiengang einschreiben. Ich persönlich finde das Diplom-System erheblich besser als das Bachelorsystem, insb. finde ich die Lehrqualität des Erstgenannten erheblich besser, ich möchte das jetzt hier aber nicht genauer Diskutieren, jedenfalls stellte sich mir die Frage, ob man dann Anspruch auf einen Diplomstudiengang hat – immerhin kommt man ja nur deshalb nicht in einen solchen hinein, weil man gezwungenermaßen warten musste. Soweit ich weiß ist hier die Antwort ein klares Nein – man hat keinen Anspruch auf einen Diplomstudiengang. “Offiziell” sind ja beide Studientypen äquivalent. Was Realität ist interessiert ja kein Schwein. Man nimmt also einem Menschen das Recht auf Selbstbestimmung. Jeder Ausgemusterte kann sich aussuchen, ob er vielleicht noch ein Jahr wartet, auf Bachelorstudiengänge, oder noch schnell einen Diplomstudiengang nimmt. Und obiger Artikel hat irgendwie eine ähnliche Struktur wie diese Frage.

Jedenfalls verstehe ich in diesem Zusammenhang die Engstirnigkeit des Gesetzgebers nicht, den paar Studenten, die das wirklich betrifft – so viele sind es ja wohl nicht – kann man doch das Geld zurückgeben. Ich meine, das haut es nun wirklich nicht raus, und die haben schon genug gelitten. Naja, Gemeinnutz geht vor Eigennutz…


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