In einer Zeit der intensivierten industriellen Landwirtschaft, der Zucht, der Gentechnik, und überhaupt einer Zeit in der es auf jede Frage eine Antwort zu geben scheint, und für jedes Problem, abgesehen von den Trivialen, eine Lösung gibt, eine Zeit, in der der Mensch alles zu konntrollieren scheint, außer sich selbst, in einer Zeit, wo die belebte Natur sich scheinbar willenlos der Gier des Menschen untergeordnet hat, wo sich Landwirte sorgen machen, dass ihre Pflanzen von gentechnisch veränderten Pollen verseucht werden, und wo es möglich ist, Pflanzen zu züchten, die sich autonom nicht mehr vermehren können sollen – da begegnet mir ein kleiner Hoffnungsschimmer – da strotzt eine kleine Tomatenpflanze neben meinem Brutblatt, im selben Blumentopf, den Widrigkeiten der Welt.
Ich habe Fotos gemacht, leider ist das Folgende das Beste – die Kamera meines Handys ist wie gesagt nicht die Beste:

Das hellere Grün ist die Tomatenpflanze, das dunklere ist mein (zusammengefallenes aber noch intaktes) Brutblatt. Manch einer mag sich fragen, was an diesem Bild, und allgemein dieser Tatsache, so erbauend sein soll. Tomatenpflanzen sind etwas, was man für relativ wenig Geld im Frühling in jeder guten Gärtnerei bekommt. Und diese Tomatenpflanze wird wohl, wenn sie überhaupt länger überlebt, nie früchte tragen, und wenn doch, dann nur sehr kleine, vermutlich werden diese auch nicht viel fruchtfleisch enthalten, und kaum genießbar sein. Aber darum geht es nicht. In unserem Garten und der Gartennähe gibt es nur gekaufte Tomatenpflanzen, die meisten davon können kaum unter natürlichen Bedingungen Nachkommen haben, soweit ich das mitbekommen habe. Diese Pflanze ist von selbst dort gewachsen. Ich habe sie nicht explizit dorthin getan, ich weiß nichtmal, woher sie kommt. Ich habe ein paar Theorien. Der Topf stand eine Zeit lang im Außenbereich, möglicherweise aß jemand Tomaten, und verlor ein Stück mit einem Samenkorn. Oder möglicherweise labte sich eine Schnecke an einer der Tomaten in benachbarten Gemüsegärten, und entschloss sich danach, meinen Blumentopf aufzusuchen, um dort ihren Abfall zu hinterlassen, der mit unverdaulichen Kernen gespickt war. Wie auch immer es passiert ist, es ist auf natürlichem Wege passiert. Kein Mensch hat aktiv versucht, dort Tomaten zu vermehren.