Gestern las ich in Fefe’s Blog diesen Artikel. Fefe’s Blog ist – nunja, wie soll ich sagen – gegenüber allem „kritisch“ eingestellt, manchmal ein wenig überspitzt, aber eigentlich sehr zu empfehlen (vor Allem, wenn man an neue Nachrichtenquellen kommen will), und es ist nur ein Zufall, dass ich ausgerechnet in diesem Blog zur jetzigen Zeit entsprechende Beiträge finde, auf die ich mich beziehen kann.
Im verlinkten Artikel fiel mir besonders eine Stelle negativ auf: „Weniger als fünf Prozent der Franzosen gehen regelmäßig in die Kirche. Wenn ihr mich fragt sind das noch 5% zu viele.“ Das ist eine sehr radikale Meinung, die sich darauf beschränkt, dass es nur die katholische Kirche gibt, und dass jedes ihrer Mitglieder unkritisch gegenüber der Obrigkeit und in gewissem Sinne „böse“ ist.
„Wenn ihr mich fragt sind das noch 5% zu viele.“ – dieser Satz erinnert mich so an das aktuelle CSU-Geblubber bezüglich der Linkspartei, von Wegen 5% sind 5% zu viel, und meiner Meinung nach sind beide Meinungen im gewissen Sinne äquivalent schwachsinnig, und basieren im Wesentlichen auf Vorurteilen.
Man kann eine gewisse hinterweltlerische Ader der katholischen Kirche wirklich nicht leugnen, dennoch fußt sie auf einem Fundament, das eigentlich gut ist. Die katholische Einstellung zu Präservativen und Schwangerschaftsabbruch, die im genannten Artikel erwähnt werden, entspringen keiner „bösen“ Überzeugung, sondern – soweit mir das bekannt ist – der Überzeugung von einem sehr hohen Stellenwert menschlichen Lebens. Das heißt nicht, dass ich deren Einstellung gut finde, aber ich finde, sie verdient wenigstens eine etwas tiefere Reflexion, bevor man über sie lästert.
Wie dem auch sei. Was hier – wie so oft – vergessen wird, ist, dass der Katholizismus nur eine christliche Glaubensrichtung ist, eine von vielen. (Es soll sogar Christen geben, die nicht die CSU wählen.) Eigentlich sollte jenem Blogger dies bekannt sein, verlinkt er doch selbst einen Artikel, in dem es indirekt um einige Kontraste zwischen evangelischer und katholischer Kirche geht. Außerdem beschränkt sich der Begriff „Kirche“ meines Wissens nicht unbedingt auf das Christentum. Aber wie dem auch sei.
Man findet – wenn man das gesamte Christentum über einen Kamm schert – sehr viele Kritikpunkte, sehr vieles, was in der Vergangenheit falsch war, sehr vieles, was heute noch eigentlich inakzeptabel ist. Und natürlich einen Haufen Fundamentalisten, und die sind leider nicht alle friedlich. Andererseits findet man auch – wenn man die gesamten Atheisten über einen Kamm schert, und selbst, wenn man die Gleichgültigkeitsatheisten weglässt – ebenfalls sehr viele Kritikpunkte, sehr vieles, was in der Vergangenheit falsch war (ich erinnere nur mal an einige kommunistische Regimes), sehr vieles, was heute noch inakzeptabel ist, und natürlich einen Haufen Radikale, und die sind leider auch nicht alle friedlich. Will sagen: Wenn man sich auf „Christ oder Atheist“ bzw. generell „Theist oder Atheist“ beschränkt, also „Gott oder nicht Gott“, vereinfacht man die ganze Sache grob.
Meiner Meinung nach lösen die „fünf Prozent weniger Kirchgänger als fünf Prozent“ keine Probleme, ich vermute eher, einige Probleme würden lediglich durch neue Probleme ersetzt werden. Die Probleme der Menschheit lassen sich durch „einen Gott weniger“ nicht lösen. Die Menschen werden irgendein anderes Ideal finden, an dem sie festhalten, und es werden sich auch hier radikale Strömungen bilden, da kann das Ideal so nobel sein, wie es will. Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott, um es mit den Worten von Martin Luther zu sagen.