Vorweg: Bitte entweder den ganzen Beitrag lesen, oder garnicht erst weiterlesen. Ich versuche mich kurz zu fassen, sodass es nicht zu viel Zeit kostet, alles zu lesen – einzelne Teile könnten eventuell missverständlich sein.
Lange habe ich mir jetzt überlegt, ob ich diesen Artikel hier schreiben soll, und wie ich ihn schreibe. Nun, da das Thema mir sehr wichtig erscheint (und es gerade zufällig sogar zu einem jüngeren Vorfall passt), schreibe ich ihn doch.
Vorgeschichte kurz und knapp: Ich habe mir dieses Youtube-Video angesehen. Es geht um eine abgedrehte Mutter, die privaten Nazi-Kult betreibt, und deren Tochter ihre Tapeten mit Nazi-Symbolen und Nazi-Verwandtem schwachsinn vollgeschmiert hat. Schauts euch einfach an.
Die erste Stelle, die mir negativ auffiel: ab 0:40 werden Leute (darunter die Frau) befragt, was sie stört, und ob sie zufrieden mit der Regierung sind. Antwort sinngemäß: “Natürlich nicht, sonst könnten wir ja sagen, was uns stört”, und etwa bei 1:02 hört man den Satz “Das können wir nicht sagen, weil das verfassungswidrig ist”. Man kann es den Leuten wirklich nicht verübeln, dass sie unzufrieden sind, scheinbar sind sie alle Sozialhilfeempfänger, eher der Unterschicht zuzuordnen, und Straßenreinigung ist jetzt auch nicht unbedingt jedermanns Traumberuf. Was man ihnen verübeln könnte, wäre ihre politische Gesinnung – doch die dürfen sie nicht äußern.
Gehen wir ein wenig weiter nach hinten. Etwa bei 5:56 fragt der Reporter etwa “Wollen Sie bestreiten, dass es im dritten Reich millionenfachen Mord an Juden gab?”, Antwort: “Das darf ich nicht”. Was die Frau sich denkt, dürfte jedem klar sein. Davor wird die Frau mit den Malereien ihrer Kinder konfrontiert und legt dar, warum sie sich selbst als Nationalen Sozialisten bezeichnet.
Triumphierend wird am Ende des Films kundgetan, Britta J’s Leben im Neonazi-Kosmos zeige erste Risse, sie wollte z.B. unerkannt bleiben.
Ich finde daran nichts erfreuliches, ich sehe diese ganze Reportage nicht als Triumph, sondern als Armutszeugnis der Demokratie. Diese Leute sehen sich in einer Opferrolle, und sie halten den Nationalsozialismus für ihren Ausweg. Für diese Leute ist der Holocaust offenbar kein historischer Fakt, sie haben also keinen Grund, der Vergangenheit nicht nachzusehnen. Und alles was unsere Demokratie für sie übrig hat ist, sie mit einem Haufen Gesetzen, die die Freiheit der Meinungsäußerung einschränken, mundtot zu machen, sodass sie sich noch mehr der Opferrolle zuordnen können.
Hier passt – wie so oft – mal wieder gut ein Zitat von Benjamin Franklin: Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety
Wir geben die Freiheit auf Äußerung unserer Meinung auf, um die Sicherheit zu haben, dass Nazis ihre Ideologie nicht verbreiten können. Das hat bisher ganz gut funktioniert – bisher ging es den meisten Leuten auch noch einigermaßen gut. Außerdem hatten wir bisher das Glück, dass die deutschen Nazis erheblich dümmer waren, als deren Pendants in anderen Ländern. Doch die NPD ist im kommen, und ich persönlich denke, sie wird auch so schnell nicht mehr gehen – und das trotz aller Gesetze, die dies eigentlich verhindern sollten.
Deutschland mag historisch bedingt hier einige Schwierigkeiten haben, aber das Konzept “Unterdrückung” funktioniert nicht mehr. Es mag verboten sein, öffentlich den Holocaust zu leugnen, aber das hält einen Menschen, der nicht glaubt, dass der Holocaust stattgefunden hat, nicht davon ab, seine Meinung im privaten Umfeld, oder unter Gleichgesinnten, zu verbreiten.
Ich frage mich, wäre es nicht besser, wenn man dieses, und viele andere Dinge, auch öffentlich sagen dürfte? Wieso darf der Staat mir zum Beispiel eine historische Meinung aufzwingen? Bitte nicht falsch verstehen, dieser Punkt ist sicher für einige Leute schwierig zu verstehen – ich will nicht behaupten, den Holocaust hätte es nicht gegeben, ich will es aber behaupten dürfen. Ich möchte die Wahl haben, mich dann über die Hintergründe informieren, und mich dann für das richtige entscheiden. Es gibt doch genügend historische Belege. Soll heißen, anstatt einem Menschen Gefängnis aufzubrummen, der den Holocaust leugnet, wäre es doch eventuell besser, ihn mit den historischen Fakten zu konfrontieren, um dann seine Meinung zu ändern, anstatt seinen Willen zu brechen.
Gleiches gilt für alle anderen verfassungsfeindlichen Aussagen. Die Demokratie ist nicht einfach so entstanden, sie ist mit einer Ideologie verbunden, die man teilen muss, um in ihr leben zu können, und diese Ideologie ist wiederum aus Erfahrung entstanden, und diese historische Erfahrung muss man kennen, um die demokratische Ideologie teilen zu können, und um diese zu kennen, muss man sie lernen – und zum Lernen gehören auch Fehler. Wir haben also die Wahl zwischen einem System, das versucht, jedem Menschen die demokratische Grundideologie aufzuzwingen, oder einem System, das versucht, jedem Menschen die demokratische Ideologie näher zu bringen, und ihn davon zu überzeugen, ohne ihn zu zwingen. Letzteres ist erheblich schwieriger, und die Gefahr besteht, dass sich eine andere Ideologie durchsetzt. Aber ist ein System nicht eigentlich erst dann wirklich legitim, wenn diese Gefahr besteht, wenn es also Alternativen gibt, die die Mehrheit ablehnt?
Fazit dessen, was ich eigentlich sagen wollte: Anstatt Nazis (und Andere) Mundtot zu machen, kann man sie meiner Meinung nach nur durch eine inhaltliche Auseinandersetzung wirklich langfristig bekämpfen. Denn solch eine Auseinandersetzung führt die Nazi-Ideologie zwangsläufig ad absurdum. Mundtot machen kann die Verbreitung einer Ideologie nur verlangsamen – eine ihnaltliche Auseinandersetzung, die in den Köpfen der Menschen ankommt, kann die Ideologie auslöschen.
Verfasst von dasuxullebt 

