Nazis und die Meinungsfreiheit

Tue, 28 Oct 2008 01:57:50 +0000

Vorweg: Bitte entweder den ganzen Beitrag lesen, oder garnicht erst weiterlesen. Ich versuche mich kurz zu fassen, sodass es nicht zu viel Zeit kostet, alles zu lesen – einzelne Teile könnten eventuell missverständlich sein.

Lange habe ich mir jetzt überlegt, ob ich diesen Artikel hier schreiben soll, und wie ich ihn schreibe. Nun, da das Thema mir sehr wichtig erscheint (und es gerade zufällig sogar zu einem jüngeren Vorfall passt), schreibe ich ihn doch.

Vorgeschichte kurz und knapp: Ich habe mir dieses Youtube-Video angesehen. Es geht um eine abgedrehte Mutter, die privaten Nazi-Kult betreibt, und deren Tochter ihre Tapeten mit Nazi-Symbolen und Nazi-Verwandtem schwachsinn vollgeschmiert hat. Schauts euch einfach an.

Die erste Stelle, die mir negativ auffiel: ab 0:40 werden Leute (darunter die Frau) befragt, was sie stört, und ob sie zufrieden mit der Regierung sind. Antwort sinngemäß: “Natürlich nicht, sonst könnten wir ja sagen, was uns stört”, und etwa bei 1:02 hört man den Satz “Das können wir nicht sagen, weil das verfassungswidrig ist”. Man kann es den Leuten wirklich nicht verübeln, dass sie unzufrieden sind, scheinbar sind sie alle Sozialhilfeempfänger, eher der Unterschicht zuzuordnen, und Straßenreinigung ist jetzt auch nicht unbedingt jedermanns Traumberuf. Was man ihnen verübeln könnte, wäre ihre politische Gesinnung – doch die dürfen sie nicht äußern.

Gehen wir ein wenig weiter nach hinten. Etwa bei 5:56 fragt der Reporter etwa “Wollen Sie bestreiten, dass es im dritten Reich millionenfachen Mord an Juden gab?”, Antwort: “Das darf ich nicht”. Was die Frau sich denkt, dürfte jedem klar sein. Davor wird die Frau mit den Malereien ihrer Kinder konfrontiert und legt dar, warum sie sich selbst als Nationalen Sozialisten bezeichnet.

Triumphierend wird am Ende des Films kundgetan, Britta J’s Leben im Neonazi-Kosmos zeige erste Risse, sie wollte z.B. unerkannt bleiben.

Ich finde daran nichts erfreuliches, ich sehe diese ganze Reportage nicht als Triumph, sondern als Armutszeugnis der Demokratie. Diese Leute sehen sich in einer Opferrolle, und sie halten den Nationalsozialismus für ihren Ausweg. Für diese Leute ist der Holocaust offenbar kein historischer Fakt, sie haben also keinen Grund, der Vergangenheit nicht nachzusehnen. Und alles was unsere Demokratie für sie übrig hat ist, sie mit einem Haufen Gesetzen, die die Freiheit der Meinungsäußerung einschränken, mundtot zu machen, sodass sie sich noch mehr der Opferrolle zuordnen können.

Hier passt – wie so oft – mal wieder gut ein Zitat von Benjamin Franklin: Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety

Wir geben die Freiheit auf Äußerung unserer Meinung auf, um die Sicherheit zu haben, dass Nazis ihre Ideologie nicht verbreiten können. Das hat bisher ganz gut funktioniert – bisher ging es den meisten Leuten auch noch einigermaßen gut. Außerdem hatten wir bisher das Glück, dass die deutschen Nazis erheblich dümmer waren, als deren Pendants in anderen Ländern. Doch die NPD ist im kommen, und ich persönlich denke, sie wird auch so schnell nicht mehr gehen – und das trotz aller Gesetze, die dies eigentlich verhindern sollten.

Deutschland mag historisch bedingt hier einige Schwierigkeiten haben, aber das Konzept “Unterdrückung” funktioniert nicht mehr. Es mag verboten sein, öffentlich den Holocaust zu leugnen, aber das hält einen Menschen, der nicht glaubt, dass der Holocaust stattgefunden hat, nicht davon ab, seine Meinung im privaten Umfeld, oder unter Gleichgesinnten, zu verbreiten.

Ich frage mich, wäre es nicht besser, wenn man dieses, und viele andere Dinge, auch öffentlich sagen dürfte? Wieso darf der Staat mir zum Beispiel eine historische Meinung aufzwingen? Bitte nicht falsch verstehen, dieser Punkt ist sicher für einige Leute schwierig zu verstehen – ich will nicht behaupten, den Holocaust hätte es nicht gegeben, ich will es aber behaupten dürfen. Ich möchte die Wahl haben, mich dann über die Hintergründe informieren, und mich dann für das richtige entscheiden. Es gibt doch genügend historische Belege. Soll heißen, anstatt einem Menschen Gefängnis aufzubrummen, der den Holocaust leugnet, wäre es doch eventuell besser, ihn mit den historischen Fakten zu konfrontieren, um dann seine Meinung zu ändern, anstatt seinen Willen zu brechen.

Gleiches gilt für alle anderen verfassungsfeindlichen Aussagen. Die Demokratie ist nicht einfach so entstanden, sie ist mit einer Ideologie verbunden, die man teilen muss, um in ihr leben zu können, und diese Ideologie ist wiederum aus Erfahrung entstanden, und diese historische Erfahrung muss man kennen, um die demokratische Ideologie teilen zu können, und um diese zu kennen, muss man sie lernen – und zum Lernen gehören auch Fehler. Wir haben also die Wahl zwischen einem System, das versucht, jedem Menschen die demokratische Grundideologie aufzuzwingen, oder einem System, das versucht, jedem Menschen die demokratische Ideologie näher zu bringen, und ihn davon zu überzeugen, ohne ihn zu zwingen. Letzteres ist erheblich schwieriger, und die Gefahr besteht, dass sich eine andere Ideologie durchsetzt. Aber ist ein System nicht eigentlich erst dann wirklich legitim, wenn diese Gefahr besteht, wenn es also Alternativen gibt, die die Mehrheit ablehnt?

Fazit dessen, was ich eigentlich sagen wollte: Anstatt Nazis (und Andere) Mundtot zu machen, kann man sie meiner Meinung nach nur durch eine inhaltliche Auseinandersetzung wirklich langfristig bekämpfen. Denn solch eine Auseinandersetzung führt die Nazi-Ideologie zwangsläufig ad absurdum. Mundtot machen kann die Verbreitung einer Ideologie nur verlangsamen – eine ihnaltliche Auseinandersetzung, die in den Köpfen der Menschen ankommt, kann die Ideologie auslöschen.


So dann wählen wir mal einen Präsidenten…

Wed, 22 Oct 2008 15:39:51 +0000

Dass die Linke jetzt unbedingt einen eigenen, aussichtslosen Präsidentschaftskandidaten aufstellen musste, nunja, das finde ich vergleichsweise sinnfrei. Das ist meiner Meinung nach eine politische Trotzreaktion. Ich denke, die Linke überschätzt ihren Einfluss hier – klar, sie kann eine große Wählerschaft um sich scharen, dafür, dass sie wirklich noch nicht lange existiert, aber ihr momentaner Einfluss ist wohl auch durch die momentane Unzufriedenheit der Bevölkerung getrieben, das mag momentan ein guter Aufhänger sein, und wenn die anderen Parteien so weitermachen, wird die Linke bestimmt irgendwann mal an der Regierung teilhaben, aber wenn sie dann erstmal in einer Regierungs-Koalition ist, wird sich zeigen, wie viel dahinter steckt. Als Störpartei in der Opposition mag sie vielleicht ganz gute Dienste leisten, aber man hat ja gesehen, was mit anderen Störparteien so alles passiert ist, wenn sie in die Regierung kamen *keine Namen nenn*.
Jedenfalls frage ich mich, was sie dazu treibt, einen Kandidaten aufzustellen, bei dem sowieso von vorne herein klar ist, dass er es nicht schafft. Lieber hätten sie doch Schwan mehr entgegenkommen sollen, also das aus ihrer Sicht kleinere Übel wählen.
Aber darum soll es mir garnicht gehen. Das ist deren Entscheidung.

Mir geht es mehr um die Berichterstattung eines Interviews bei Spiegel Online. Der Titel lautet ‘Linker Präsidentschaftskandidat Sodann: “Ich will immer noch den Sozialismus aufbauen oder so was Ähnliches”‘. Wer diesen Titel liest, ist erstmal schockiert – ja, auch ich war schockiert, denn das Wort “Sozialismus” ist einfach mit zu vielen negativen Eindrücken verbunden, als dass man es so einfach verwenden soll, gerade, wenn man aus der Linken kommt, die ja eh schon ihren Ruf als SED-Nachfolgerpartei hat. Erster Eindruck also: Sodann hätte besser aufpassen sollen.

Nun, als ich aber das Interview gelesen habe, wurde mir klar: Man muss den Satz in seinem Zusammenhang sehen, da hat er eine ganz andere Bedeutung. Ansonsten sind nämlich die Sachen, die Sodann sagt, garnicht so schlecht. Insbesondere wird klar, dass er die Verfassung achtet, er befürwortet sogar, dass sie eine der fortschrittlichsten Verfassungen ist.

Das richtet sich jetzt nicht gegen Spiegel Online, denn auch in anderen Presseeinrichtungen musste dieses Zitat als aufhänger herhalten. Ich fände es halt schön, wenn die Presse mehr darauf achten würde, objektiv zu sein, und dafür zu sorgen, dass sich dem Leser nicht Anfangs ein falsches Bild aufdrängt.

Ich selber reiße auch gerne Sachen aus dem Zusammenhang, aber ich erhebe auch nicht den Anspruch auf seriösen Journalismus.


Flashplayer 10

Sun, 19 Oct 2008 00:52:45 +0000

Gerade habe ich den Flashplayer 10 installiert… Und oh Wunder… Er Kackt nicht ab und bringt Firefox nicht zum freezen, er läuft wunderbar flüssig, ist schneller und verbraucht scheinbar weniger Speicher als bisher, so kommt es mir jedenfalls vor…

Wenn ich das mit meinem heutigen Versuch vergleiche, die ZDF Mediathek – die ich ja dafür loben muss, dass sie auch VLC unterstützen will – zum Laufen zu kriegen… Oder generell allen Streams, die mplayer angeblich unterstützen will.

Das VLC Plugin lässt Firefox mehr oder weniger grundsätzlich Abstürzen, das MPlayer-Plugin zeigt grundsätzlich nur ein “(no video)” an… Das mag an irgendeiner Fehlkonfiguration liegen, ich weiß allerdings nicht an welcher, ich habe im Moment auch keine Zeit und Lust, irgendetwas daran zu ändern. Viele der Streams, die VLC und MPlayer – wenn ich ihnen die URL’s direkt übergebe – abspielen können, können die Plugins nicht abspielen, es liegt also wohl nicht an den Formaten.

Wie gesagt, es kann sein, dass die Software falsch konfiguriert wurde, der Punkt ist aber: Es geht auch anders – der Flash Player kann es doch auch. Eine Software wie der Flash Player mag so proprietär sein, wie sie will, sie hat den Vorteil, dass sie Funktioniert. Nicht uneingeschränkt freilich – ich wollte z.B. mal permanent den Soundserver Jack laufen lassen, so ziemlich alle freien Applicationen haben es mehr oder weniger Störrisch letztendlich unterstützt, der Flashplayer ließ sich – selbst mit ALSA-Jack-Treiber – nicht dazu bringen.

Der Punkt ist: Das ist eine eher seltene Konfiguration. Genauso wie vieles Andere, was man an MPlayer vielleicht rumwerkeln kann. Der “normale” User möchte eine einfache Software, die auf Anhieb funktioniert – und selbst Leute, die sich auch mal durch einige Duzend Manpages wühlen, sind froh, wenn etwas “einfach geht”. Eine gute Standardkonfiguration, die in den meisten Fällen funktioniert, und nur in wenigen Spezialfällen, oder bei Sonderwünschen, nachkonfiguriert werden muss – aber dann auch nachkonfiguriert werden kann. Das ist es, was gute Software meiner Meinung nach ausmachen würde. Allerdings…

Die gute Standardkonfiguration passt nicht so gut zum Paradigma der freien Software, wo oft einfach nur Gefrickelt wird, während die Konfigurierbarkeit nicht so wirklich gut zur Closed Source Welt passt. Andererseits siegt im Web wohl eher die Mehrheit, und die interessiert sich nunmal eher selten für die Herkunft ihrer Software – und da bei der Mehrheit der Flashplayer “einfach so” funktioniert, ist es kein Wunder, dass er sich so schnell durchgesetzt hat, und auch kein Wunder, dass er sich immer weiter durchsetzt.

Was ich damit sagen will… Wenn man wirklich was ändern will, dann muss man Alternativen bieten, die auch wirklich Gleich- oder Ähnlichwertig sind. In diesem Zusammenhang hört man z.B. gerne von GNash, das versucht, Flash zu Klonen… Nunja. Es konnte mal Youtube-Videos abspielen, soweit ich mich erinnern kann. Ist jedenfalls nicht besonders Innovativ. Dann SVG, Scalable Vector Graphics, mit Scriptierbarkeit… Wenn man sich mal die Langsamkeit anschaut, halte ich auch das eher für einen Scherz. Und Java… Nunja, wenn sich mal jemand die Mühe machen würde, eine Java-VM zu schreiben, die schneller startet, und trotzdem Stabil ist, und vielleicht nicht mehr ganz so viel Speicher defaultmäßig reserviert, wäre das vielleicht die beste Möglichkeit, da man hier schon eine ziemlich große Bibliothek und einen relativ weit entwickelten Standard hätte – aber so wird das nix. Das Einzige, was zumindest das Problem mit Videos mittelfristig lösen könnte, ist meiner Meinung nach der geplante Support von Ogg Theora unter Firefox 3.1 … mal sehen.


Eine üble Geschmacklosigkeit aus der Mensa

Tue, 14 Oct 2008 18:45:14 +0000

Heute in die Mensa stand eine freundliche junge Dame vom Studentenwerk und drückte jedem, der sich nicht wehren konnte, ein kostenloses Eis in die Hand.

Tolle Sache, dachte ich, hab das dann nach dem Essen aufgemacht und reingebissen. Uargh… Kaum hatte ich die Orange-Rosane Fettglasur berührt, fährt es mir durch meine Geschmacksknospen: Lösungmittel und Zahnpasta. Und ein kleinwenig Frucht-Kaugummi. Widerlich. Dem Geschirrrückgabeband nach zu urteilen war ich wohl nicht der einzige mit dieser Meinung. Im Dienste der Wissenschaft habe ich dann den Überzug abgeschält und das Innere probiert, das war dann harmloses “Eis mit Vanillegeschmack”

Auf der Packung standen Nährwertangaben für auf 5- bis 10-jährige Kinder, offensichtlich die Zielgruppe. Der Film Indiana Jones und der Kristallschädel (auf der Packung erwähnt) ist freigegeben ab 12. Marketing Fail? Es grenzt schon an Kindesmissbrauch, sowas zu “verfüttern”. Gerade wenn der Geschmackssinn sich gerade noch bildet. Da muss sich dann niemand wundern, wenn viele von ihnen später einen absolut verdorbenen Geschmack haben, und dieses Zeug auch noch wollen. Nun, das scheint wohl aber auch Absicht zu sein. Es gibt ja einen Haufen derart übersüßter und überaromatisierter Fertigprodukte für Kinder. Wo käme denn die “Lebensmittel”-Industrie hin, wenn ihre Konsumenten die Qualität ihrer Lebensmittel Produkte mit bloßem Geruchs- und Geschmackssinn beurteilen könnte?

Ich wundere mich auch jedesmal wieder über sog. Apfelaromen in “Apfelstrudelkeksen”, “Apfel”-Schorlen und dergleichen. Das schmeckt nach allem möglichen, aber ganz bestimmt nicht nach Äpfeln.

Wer entwirft solche Produkte eigentlich?


M wie Microsoft

Mon, 13 Oct 2008 00:33:41 +0000

Gerade gelesen: Winzigweich will eine neue Programmiersprache auf den Markt bringen. Und wenn ich den dortigen Artikel richtig deute, wird es sich wohl um ein C++-Derivat handeln. Bestimmt total innovativ, so mit noch mehr Syntax-Konstrukten, die es noch schwieriger machen, einen Compiler zu schreiben, und noch mehr sinnlosen Erweiterungen, die man mit weniger Anstrengung besser hinbekommen hätte – aber ich will mal nicht voreilig sein – was allerdings in Anbetracht der Erwähnung einer Verbindung mit einem “visuellen Design-Tool” schwer fällt. Naja. Man wird sehen. Bisher nur Vorurteile, aber ich bezweifle ehrlichgesagt, dass da viel Anderes dabei rauskommen wird.

Was mich wundert, ist, dass es noch kein XSLT-Derivat gibt, das Datenbankanbindung und Pseudo-C++-Objektorientierung hat. Wäre doch mal an der Zeit. Und am Besten gekoppelt mit einem System zur Codetransformation per DOM – das darf dann natürlich nur mit JavaScript gehen. Warum es noch keinen Processor gibt, der XSLT als Assemblersprache benutzt, also Nativ unterstützt, frage ich mich sowieso – Intel XSLT oder so.

Wie dem auch sei, es gibt durchaus neuere Sprachen, deren Existenz mich erfreut, weil sie eventuell echte Probleme lösen, und vielleicht sogar Innovationen oder wenigstens neue Einsichten bieten.

Denn bei all der Technik darf man nicht vergessen: Alle Programmiersprachen, ja, sogar alle (realen) Computer, sind nur Werkzeuge zur Zeichenkettenmanipulation, auch wenn diese teils sehr komplexe und bizarre Formen annehmen kann.


Linus Torvalds bloggt

Sat, 11 Oct 2008 22:30:07 +0000

Ich wollte nur sagen, Linus Torvalds bloggt. Achja, und wusstet ihr schon, dass Linus bloggt?. Übrigens geht Linus Torvalds unter die Blogger. Man sollte dazu bemerken, dass Linus bloggt. Und das Wichtigste: Linus Torvalds Bloggt. Nicht vergessen!


Nachtrag zu: “Wie viel Würde hat die CSU eigentlich noch?”

Sat, 11 Oct 2008 16:23:02 +0000

Ich hatte ja vor einiger Zeit geschrieben, dass das evangelische Sonntagsblatt eine CSU-Wahlwerbung abgedruckt hat. Ich habe denen dann einen Brief geschrieben, in dem ich relativ unverblümt gesagt habe, was ich davon halte.

Nun, anscheinend habe ich dem Sonntagsblatt unrecht getan – sie sind anscheinend dazu verpflichtet, Wahlwerbungen von allen demokratischen Parteien abzudrucken. Das heißt, wenn die SPD, oder die Grünen es gewollt hätten, hätten sie da auch ihre Wahlwerbung dringehabt, so wie ich es verstanden habe. Freilich haben diese Parteien – so viel man sie auch kritisieren kann – anscheinend doch noch eine Minimalwürde, und erkennen, dass es nicht passt.

Andererseits hoffe ich, dass die Selbigen es beim nächsten Wahlkampf nicht verpassen werden, ebenfalls in dieser Zeitung zu inserieren. Freilich hätte ich mich über jede andere Wahlwerbung ebenfalls empört, wenn die Zeitung allerdings verpflichtet ist, diese abzudrucken, ist es denke ich besser, von verschiedenen Parteien zu hören, als nur von einer – es ist letztlich meiner Meinung nach eine christliche Pflicht, sich politisch soweit man kann zu informieren.


Exzellenzinitiative

Sat, 11 Oct 2008 00:38:25 +0000

Ich halte von der Exzellenzinitiative der LMU München soweit ich davon bisher mitbekommen habe nichts, unter Anderem wohl, nachdem die wesentliche Maßnahme von der ich weiß, ist, dass an der LMU ein paar Lehrstühle auf Dauer gepwnt werden sollen, und Gelder umverteilt werden, und ich mir denke, die LMU hat aufgrund der Tatsache, dass sie so ist, wie sie ist, ihren Status bekommen, warum sollte man sie also umstrukturieren, aber das ist eine vorläufige, nicht fundierte Meinung von mir.

Fundierter klingt da schon der folgende Artikel, den ich gerade gelesen habe, der sich auf die Uni Karlsruhe bezieht – sicherlich kann man ihn zumindest Teilweise auch auf München anwenden, aber selbst wenn nicht, eine sehr interessante Rechnung:
http://www.danisch.de/blog/2008/10/10/exzellenzinitiative-als-rohrkrepierer-warum-schliest-man-die-uni-karlsruhe-nicht/


Peter Singer, Jim Mason: Eating – Versuch einer Rezension

Thu, 09 Oct 2008 23:26:29 +0000

Es ist kaum zu glauben… so ein diches Buch habe ich schon lange nicht mehr komplett durchgelesen… “Eating” von Peter Singer und Jim Mason (von Letzterem weiß ich sonst nichts, ich Ungebildeter). Peter Singer kenne ich sogar schon aus dem Religionsunterricht, er scheint sehr umstritten aber auch sehr wichtig zu sein. Er hat viele radikale Meinungen, aber letztlich sind alle Meinungen nachvollziehbar und Logisch – das heißt für mich, ich teile nicht alle seine Ansichten, von denen ich bisher gehört habe, aber ich kann sie alle nachvollziehen, und finde es eigentlich gut, dass es einen Menschen gibt, der nachvollziehbar argumentiert, auch bei philosophischen Themen.

In genanntem Buch wird auf verschiedene Aspekte des Essens eingegangen. Gleich am Anfang wird klargestellt, dass es sich nicht um eine Ernährungsberatung für gesunde Ernährung handeln soll. Danach werden drei Familien vorgestellt, mit verschiedenen Essgewohnheiten, als da wären “The Standard American Diet” (die normalen amerikanischen Ernährungsgewohnheiten), “The conscientious omnivores” (die gewissenhaften Allesfresser), “The Vegans” (die Veganer). Dann wird darauf näher eingegangen, und die Ursprünge der verschiedenen Lebensmittel werden verfolgt, man erfährt einiges über Formen der Intensivtierhaltung und Massenproduktion, über Bio-Produkte und deren Vor- und Nachteilen, Fairtrade, über andere Formen der Ernährung, z.B. die lokavore Ernährung, und – was ich besonders interessant fand, weil es mir neu war – den Freeganismus, alles wird von mehreren Seiten begutachtet, die Autoren nennen zwar ihre Meinung, aber sie lassen genügend Raum, um sich seine eigene Meinung zu bilden – gerade das finde ich erstaunlich, ob Umweltverschmutzung, Tierquälerei durch Massentierhaltung, Kontroversen über die Leidensfähigkeit von Tieren, das Buch versucht immer, beide Seiten zu sehen. Erst am Ende geben die Autoren klar ihre Meinung preis.

Es wird auch darauf eingegangen, dass viele normale Leute sich bestimmte teuerere Produkte nicht leisten können, obwohl sie ethisch korrekter wären. Es wird nicht nur auf Tierschutz und Tierrechte gezielt, sondern auch z.B. auf Arbeiterrechte und Entlohnung, und Umweltverschmutzung, nicht nur durch Abgase, sondern auch durch Fäkalien von Tieren.

Im Grunde ist vieles aus diesem Buch nichts komplett neues für mich, und dementsprechend vermutlich auch nicht für die meisten anderen Leute, aber wie weitreichend die Konsequenzen der Entscheidung, welche Nahrungsmittel man zu sich nimmt, sein können, hat mich teilweise wirklich schockiert.

Etwas schade – aber verständlich – ist, dass viele Informationen sich auf die USA beziehen.

Ich finde das Buch sehr empfehlenswert, auch für Leute, die nicht ihre Ernährung radikal umstellen wollen, sondern vielleicht nur interessiert sind, woher ihr Essen kommt.


Und wenn du denkst, es geht nicht mehr würdeloser, kommt von irgendwo die JU her.

Wed, 08 Oct 2008 09:00:14 +0000

Ich habe einen Briefkasten. Da steht drauf “Bitte keine Werbung”. Gut, die örtlichen Pizzalieferdienste hat das nie gestört. Zu den Pizza-, Gyros-, und Dönerdiensten hat sich diese Woche auch der Politlieferdienst gesellt: Die Grünen mit einer Broschüre und einer Postkarte, auf denen die Wahlkreiskandidaten vorgestellt wurden. Man merkt, dass die Grünen schnell aber sicher ins gelbliche verwelken: Man muss es ja nicht übertreiben, dieses Elaborat etwa mit Bio-Kartoffelstempeln und Bio-Tintenfischtinte auf aus Bioeier-Kartons selbstgeschöpftem Recyclingpapier drucken, aber vollfarbiges Hochglanzpapier wirkt nicht so richtig umweltfreundlich…
Den Vogel abgeschossen haben aber andere: Da blicken mich die Grimassen der Herren Gysi und Lafontaine an. Hochglanzpostkarte. Mein erster Gedanke: Woher hat diese doch als eher als wirtschaftsfeindlich bekannte Partei soviel Geld? Was wollen die damit in einem Studentenwohnheim? Was haben die für komische Kopfbedeckungen? Der Herr Gysi mit einer russischen Fellmütze, schaut etwas abgelenkt und der Herr Lafontaine kaut auf seiner Zunge rum und trägt eine Sowjetische Militärmütze. Im blutrot gefärbten Hintergrund ein Monument mit Hammer, Sichel, Stern… wie man sich das halt so vorstellt.

Hinter den Linken stehen Kommunisten

Politik macht man nicht mit Links!

(Achtung, Spar-Wortwitz!). Sonst nichts mehr. WTF? Findet man auch hier
Auf der Rückseite ganz klein:

Deshalb: Am 28. September beide Stimmen für die CSU
CSU – näher am Menschen
Junge Union Bayern

Warum jemand statt den Linken ausgerechnet die CSU und nicht etwa eine der zahlreichen anderen Parteien wählen soll, steht da nicht.
Die sogenannte “Junge Union” versucht also irgendwie den Großen Bösen Bolschewik wieder aus dem Wandschrank zu holen, damit konnte man früher ja so gut Leute erschrecken (JAAHAA das waren früher noch Zeiten). Nur schade, dass das genau die nicht interessiert, die die Linken wählen. Dazu muss man auch wissen: Die Ältesten von denen (mit 35 fliegt man aus der JU) waren 16, als die Mauer fiel.
Nun, auch die Partei ihrer Papis kann ja keine überzeugenden Gründe nennen, warum man sie wählen soll, wie mein Kollege schon festgestellt hat. Ok, einen gabs: dass wir der CSU den Sommer und die Sonne zu verdanken haben. Ist ja zugegebenermaßen auch sehr schwer, die Beseitigung eines Missstandes zu versprechen, den man quasi selbst (mit)verschuldet hat, da man seit einem halben Jahrhundert in der Landesregierung ist.

So, das Beste kommt noch: ein schwarzweißes Hochglanz-Faltblatt mit den JU-Lokalkandidaten (mit Ach und Krach noch in der JU: 31 und 35) und einem Präservativ in metallisch schwarzer Verpackung mit einem – schwarzen – unsauber ausgeschnittenen Aufkleber: “Innere Sicherheit – In Jeder Beziehung.” Marke “Rilaco Schwarz”. Offensichtlich von Hand mit Klebefilm auf die Karte klebt. Dieses Engagement würde man sich von einigen ihrer Kameraden wünschen: “Tüten” kleben.
Hat ein Kondom irgendetwas mit einer konservativen Partei zu tun? Außer der ersten Silbe? Oder mit Innerer Sicherheit? Ok, Seehofer hätte eins gebrauchen können. Dann wäre er aber vor der Wahl schon Ministerpräsident geworden. Und dann hätte er jetzt zurücktreten müssen. Oder auch nicht, so wie der grad in den Medien hochgejubelt wird. (Das Bild zum Artikel Augsburger Allgemeinen ist dafür unfreiwillig bezeichnend.)
Aber derart Heuchelei kennt man ja, da will sich jetzt eine ansonsten erzkonservative JU bei den “progressiven Studenten” anbiedern.  Im dämliche-Wortspiele-erfinden sind sie aber sehr engagiert, das muss man ihnen lassen.
Werde meinen Vorschlag fürs nächste Mal einreichen: “Innere Sicherheit – Jetzt mit Gratisgutschein zur optischen und akustischen Wohnraumüberwachung. Sodass auch die Polizei Ihren Spaß hat. Schicke einfach eine SMS mit “Paradies” an die Kurzwahl 1-9-8-4. Oder an irgendjemand.”
Die JU scheint noch weniger Würde zu besitzen als ihre Vaterpartei. Früh übt sich…


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