Ich habe einen Briefkasten. Da steht drauf “Bitte keine Werbung”. Gut, die örtlichen Pizzalieferdienste hat das nie gestört. Zu den Pizza-, Gyros-, und Dönerdiensten hat sich diese Woche auch der Politlieferdienst gesellt: Die Grünen mit einer Broschüre und einer Postkarte, auf denen die Wahlkreiskandidaten vorgestellt wurden. Man merkt, dass die Grünen schnell aber sicher ins gelbliche verwelken: Man muss es ja nicht übertreiben, dieses Elaborat etwa mit Bio-Kartoffelstempeln und Bio-Tintenfischtinte auf aus Bioeier-Kartons selbstgeschöpftem Recyclingpapier drucken, aber vollfarbiges Hochglanzpapier wirkt nicht so richtig umweltfreundlich…
Den Vogel abgeschossen haben aber andere: Da blicken mich die Grimassen der Herren Gysi und Lafontaine an. Hochglanzpostkarte. Mein erster Gedanke: Woher hat diese doch als eher als wirtschaftsfeindlich bekannte Partei soviel Geld? Was wollen die damit in einem Studentenwohnheim? Was haben die für komische Kopfbedeckungen? Der Herr Gysi mit einer russischen Fellmütze, schaut etwas abgelenkt und der Herr Lafontaine kaut auf seiner Zunge rum und trägt eine Sowjetische Militärmütze. Im blutrot gefärbten Hintergrund ein Monument mit Hammer, Sichel, Stern… wie man sich das halt so vorstellt.
Hinter den Linken stehen Kommunisten
Politik macht man nicht mit Links!
(Achtung, Spar-Wortwitz!). Sonst nichts mehr. WTF? Findet man auch hier
Auf der Rückseite ganz klein:
Deshalb: Am 28. September beide Stimmen für die CSU
CSU – näher am Menschen
Junge Union Bayern
Warum jemand statt den Linken ausgerechnet die CSU und nicht etwa eine der zahlreichen anderen Parteien wählen soll, steht da nicht.
Die sogenannte “Junge Union” versucht also irgendwie den Großen Bösen Bolschewik wieder aus dem Wandschrank zu holen, damit konnte man früher ja so gut Leute erschrecken (JAAHAA das waren früher noch Zeiten). Nur schade, dass das genau die nicht interessiert, die die Linken wählen. Dazu muss man auch wissen: Die Ältesten von denen (mit 35 fliegt man aus der JU) waren 16, als die Mauer fiel.
Nun, auch die Partei ihrer Papis kann ja keine überzeugenden Gründe nennen, warum man sie wählen soll, wie mein Kollege schon festgestellt hat. Ok, einen gabs: dass wir der CSU den Sommer und die Sonne zu verdanken haben. Ist ja zugegebenermaßen auch sehr schwer, die Beseitigung eines Missstandes zu versprechen, den man quasi selbst (mit)verschuldet hat, da man seit einem halben Jahrhundert in der Landesregierung ist.
So, das Beste kommt noch: ein schwarzweißes Hochglanz-Faltblatt mit den JU-Lokalkandidaten (mit Ach und Krach noch in der JU: 31 und 35) und einem Präservativ in metallisch schwarzer Verpackung mit einem – schwarzen – unsauber ausgeschnittenen Aufkleber: “Innere Sicherheit – In Jeder Beziehung.” Marke “Rilaco Schwarz”. Offensichtlich von Hand mit Klebefilm auf die Karte klebt. Dieses Engagement würde man sich von einigen ihrer Kameraden wünschen: “Tüten” kleben.
Hat ein Kondom irgendetwas mit einer konservativen Partei zu tun? Außer der ersten Silbe? Oder mit Innerer Sicherheit? Ok, Seehofer hätte eins gebrauchen können. Dann wäre er aber vor der Wahl schon Ministerpräsident geworden. Und dann hätte er jetzt zurücktreten müssen. Oder auch nicht, so wie der grad in den Medien hochgejubelt wird. (Das Bild zum Artikel Augsburger Allgemeinen ist dafür unfreiwillig bezeichnend.)
Aber derart Heuchelei kennt man ja, da will sich jetzt eine ansonsten erzkonservative JU bei den “progressiven Studenten” anbiedern. Im dämliche-Wortspiele-erfinden sind sie aber sehr engagiert, das muss man ihnen lassen.
Werde meinen Vorschlag fürs nächste Mal einreichen: “Innere Sicherheit – Jetzt mit Gratisgutschein zur optischen und akustischen Wohnraumüberwachung. Sodass auch die Polizei Ihren Spaß hat. Schicke einfach eine SMS mit “Paradies” an die Kurzwahl 1-9-8-4. Oder an irgendjemand.”
Die JU scheint noch weniger Würde zu besitzen als ihre Vaterpartei. Früh übt sich…
Verfasst von dieentelebt 