Ich muss sagen, ich verlinke diese Seite äußerst ungerne, und das meiste, was ich dort lese, entstammt entweder Standardargumenten, die man bei jedem Dorftrottelfest finden wird, ist eine klare Verdrehung von Tatsachen, mit einer eigenen Ideologie verbunden, oder schlichtweg Schwachsinn. Trotzdem kann ich zu dem neuesten Artikel auf
Oekologismus.de nicht schweigen. In letzter Zeit sieht man immer mehr speziesistische Ergüsse auf diesem Blog, und es geht häufiger an die Grenzen des guten Geschmackes.
Sich an der Blog-Diskussion zu beteiligen liegt mir fern, da ich mir denken kann, welche Klientel diesen Blog liest. Ich hoffe aber, zumindest ein Trackback meines Artikels kommt dort an.
Vorweg: In diesem Artikel bündele ich Wissen das ich selbst habe, und Wissen, das ich recherchiert habe, allerdings kann ich – wie bei allen anderen Artikeln auch – nicht auf deren Korrektheit und Vollständigkeit garantieren, genausowenig kann ich für alles Quellen angeben. Wenn mich jemand auf Fehler aufmerksam machen will, gibt es dafür die Kommentarfunktion.
Es geht um den Artikel „Bio-Schweine? Nein, danke!„. Ein Bio-Bauer schildert dort seine Probleme mit der Bio-Haltung von Tieren. Dass ökologische Landwirtschaft nicht ohne Tücken ist, ist bekannt. Beispielsweise gibt es Belege, dass Legehennen in Freilandhaltung an bestimmten Leiden öfter erkranken, als Legehennen in Käfighaltung. Jedenfalls wird dort wiederum der ein Artikel auf welt.de verlinkt. Nun, was ich von Welt Online nach einigen Artikeln, die ich da schon gelesen habe, halte, möchte ich jetzt nicht sagen (nur soviel: neben der Bildzeitung ist sie das einzige Feed, das ich bisher aufgrund des Inhaltes aus meinem Feedreader gelöscht habe).
Einerseits frage ich mich, inwieweit die Oekologismus.de-ler dieses Interview überhaupt gelesen haben. Andererseits bezweifle ich auch ein wenig das Interview selbst. Welt-Online-Niveau halt.
Ich weiß, wie Schweine im Normalfall gehalten werden: In einem eher dunklen Stall mit kleinen Fenstern, hinter großen Stahlstangen, unter denen meistens eine Steinwanne ist, in der sie ihr Futter bekommen. Meistens eng zusammengepfercht. In dem Interview wird zwar was anderes behauptet, aber ich komme aus einem Bauernkaff, und ganz ehrlich, so einen Stall, wie sie dort beschreiben, habe ich noch nie gesehen.
Aus dieser Haltungsform haben sie auch den Ruf, dreckig zu sein. Schweine sind es – wie ich aus dem Biologieunterricht weiß – von Natur aus gewohnt zu wühlen, und behalten die Wühlbewegung bei, was natürlich in so einer Fresswanne nicht unbedingt „hygienisch“ aussieht. Außerdem weiß ich von einem Praktikum in einem Tierheim, dass Wildschweine (und auch andere Schweinearten) z.B. ihren Kot immer nur in einer Ecke ihres Geheges ablagern, was durchaus ziemlich sauber ist, andere Tiere verrichten ihr Geschäft da, wo sie gerade sind. Aber auch dieses Verhalten ist in so einem engen Gehege eher unterdrückt.
Dass Ferkel von ihrer Mutter erdrückt werden (kommt in dem Interview vor – war ja klar, dass das kommen muss, das ist DAS Standardargument zu dem Thema) wenn man die Mutter nicht in eine spezielle Vorrichtung „einklemmt“, die deren Bewegungsfreiheit stark einschränkt, ist bekannt. In der Natur kommt das insofern vermutlich eher selten vor, dass dort Säue normalerweise nicht in engen Räumen eingesperrt sind, also keine Wände zum erdrücken da sind. Ansonsten halte ich die Zahl „ein fünftel“ für übertrieben ehrlichgesagt (ich will auch mal die Fähigkeit zur Bruchrechnung einiger Landwirte anzweifeln). Aber selbst wenn… Es ist bekannt, dass trächtige Mütter vor dem Wurf neurotisch werden, wenn sie sich kein Nest bauen dürfen, auf dem sie dann werfen. Es muss also eine große psychische Belastung für das Tier sein. Wenn es in der Natur der Schweine liegt, dass einzelne Ferkel erdrückt werden, dann sollte man dies nicht unterbinden.
Nun, aus dem Interview geht weiterhin hervor, dass die Schweine bestimmte Erkrankungen erlitten aufgrund fehlerhafter Ernährung – schlichtweg, weil für deren entsprechende Ernährung nicht hinreichend Bio-Produkte zur Verfügung standen. Dies ist aber kein Fehler der Biologischen Landwirtschaft an sich – die Nachfrage ist schlichtweg noch nicht groß genug, also wird noch nicht hinreichend produziert. Es ist eher ein Fehler des zugrundeliegenden Wirtschaftssystems – soweit ich es in der Schule gelernt habe, herrscht in der konventionellen Landwirtschaft Planwirtschaft, während Bio-Bauern zwar subventioniert werden, aber trotzdem dem freien Markt unterliegen. Vielleicht sollte man dann pragmatisch sein, und in solchen Grenzfällen das Verfüttern von Produkten mit geringeren Auflagen erlauben, zumindest, bis hinreichend Nahrungsmittel vorhanden sind. In der Tat, in diesem Punkt muss ich dem Artikel soweit recht geben – die Grundhaltung zur Naturverbundenheit ist gut, aber was noch nicht geht geht eben noch nicht.
Ein weiterer Punkt, der genannt wird, ist, dass die Schweine sich eine Infektion durch das Stroh geholt haben, das von Schimmelpilzen befallen war. Ich frage mich, wieso eine solche Haltungsform überhaupt als „Bio“ klassifiziert wird. In meinen Augen sollten Schweine ihrer Natur entsprechend in Waldgebieten gehalten werden – also nix mit Schimmelpilzen im Stroh und Konsorten. Wieder eher ein Definitionsfehler.
Mutterkornpilze wurden ebenfalls genannt… Nunja, ich finde es höchst seltsam, dass Bio-Bauern keine standardgemäße Aussortierung von Mutterkornpilzen machen. Die normalen Verfahren dazu sind mechanisch und funktionieren gut, und ich sehe auch nicht, inwieweit sie nicht zum Bio-Gedanken passen. Eigentlich bezweifle ich das eher, ehrlichgesagt, denn Bio-Mehl gilt als unbedenklich. Man würde es sicher nicht verkaufen dürfen, wenn es bedenklich wäre.
Ich muss jedenfalls gestehen, ich kenne nicht genau die Haltungsformen für Bio-Haltung von Schweinen. Meine Meinung ist nur grundsätzlich, dass Haltung in engen Ställen unnatürlich ist. Bio-Haltung ist eigentlich doch soweit ich weiß aus der Überzeugung entstanden, möglichst naturverbundene Landwirtschaft zu betreiben. Dazu reicht es aber noch lange nicht aus, Schweine auf Stroh zu halten, und ihnen Bio-Futter zu geben. Schweine können in der Natur ohne menschliche Einmischung auch überleben – im Grunde ist also die Aussage, die Grundhaltung zur Naturverbundenheit sei falsch, schon per Definition schwachsinnig. Wenn, dann hat man sich der Natur noch nicht ausreichend angepasst. Auf die Zahlreichen Forschungsergebnisse, die dies Bestätigen (unter Anderem Alex Stolba und Konsorten) will ich jetzt mal mangels Zeit nicht eingehen.
In Google findet man außerdem massig Bio-Bauernhöfe, die ebenfalls Schweine züchten, die ebenfalls scheinbar keine Probleme damit haben (ich werd jetzt nicht alle verlinken, jeder kann Google selber bedienen). Sicherlich hat die Biologische Landwirtschaft auch Nachteile, aber die Grundidee der Naturverbundenheit ist nicht irgendeine schwachsinnige Ideologie, sie ist ein zentrales, und auch gutes Grundkonzept – die „moderne“ Landwirtschaft arbeitet oft gegen die Natur, wenn ich mir so die Überdüngten Felder ansehe und man die Grundwasserqualität in Landwirtschaftlichen Gebieten betrachtet. Ich halte viel mehr den verlinkten Artikel für ideologisch, er schließt von einem (scheinbaren) Misserfolg biologischer Landwirte auf die gesamte biologische Landwirtschaft. Im Umkehrschluss könnte man dann von Misserfolgen in der „modernen“ Landwirtschaft – wie z.B. Gift- und Fäkalrückstände im Grundwasser, ausgelaugte Erde, Tierepidemien die nur in Massentierhaltung auftreten (z.B. MKS) – auch auf die gesamte „moderne“ Landwirtschaft schließen. Dieser Schluss ist schwachsinnig. Die „moderne“ Landwirtschaft ist nichts „böses“, sie wurde erfunden, um die Ernährung zu sichern, allerdings um jeden Preis, genausowenig ist die biologische Landwirtschaft etwas „böses“, sie wurde erfunden, um die Ernährung ebenfalls zu sichern, aber dennoch auf die Natur rücksicht zu nehmen.
Und mal ganz abgesehen davon… Wir reden hier nicht über irgendwelche Produktionsgeräte, wir reden hier über Schweine, und das sind empfindungsfähige Lebewesen. Es ist nicht nur eine Frage des Ertrags und der formalen Gesundheit der Schweine, es ist eine Frage der Ethik, wie man Schweine hält, und in Anbetracht der modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dem Sozialverhalten und der Intelligenz von Schweinen ist es schlichtweg eine ethische Notwendigkeit, den Bedürfnissen der Tiere, denen man die Freiheit wegnimmt, ohne ihnen dafür eine adäquate Gegenleistung zu geben (also parasitäres Verhalten zeigt), so gut wie möglich entgegenzukommen – wirtschaftliche Interessen dürfen dabei – wie bei allen Ethischen Fragen – nur eine untergeordnete Rolle spielen, denn die Wirtschaft ist ein Konstrukt, das dem Allgemeinwohl dienen soll, nicht mehr und nicht weniger.
Ich persönlich bin grundsätzlich gegen Nutztierhaltung – in einigen ausgewählten Fällen lasse ich natürlich mit mir reden – sie ist eine Verletzung der Würde des Tiers, insbesondere, wenn sie der Welt überhaupt keinen Vorteil bringt, und dies ist bei Schweinezucht gegeben. Es ist nicht notwendig, Schweinefleisch – oder überhaupt Tierfleisch – zu essen. Es gibt nur sehr selten Personen, für deren Gesundheit dies unersetzlich ist, und selbst hier fände man sicher andere Lösungen. Schweinezucht ist purer Luxus, auf Kosten anderer empfindungsfähiger Lebewesen, und – im Falle der „modernen“ Landwirtschaft – auch auf Kosten der Umwelt und damit des Wohlstandes kommender Generationen. Und dieser Luxus ist garnicht mal so billig, wenn man bedenkt, dass diese Schweine gefüttert und gepflegt werden müssen. Oder – um es mal aus speziesistischer Sicht zu sagen – jedes satte gezüchtete Schwein könnte auch ein sattes Kind sein.
Verfasst von dasuxullebt
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