Frustblogging #7: Wikipedia

Fri, 03 Jul 2009 19:11:05 +0000

So. Jetzt reicht es endgültig. Ich habe ja schon öfters mit Wikipedia gehadert, aber diesmal ist es wirklich genug. Ich werde nie wieder etwas in die Wikipedia schreiben!

Gestern schrub ich an einem Artikel in der Wikipedia herum. Nutzte sogar brav einen ref-Tag, um eine Informationsquelle anzugeben. Nun, erstmal bekam ich die Fehlermeldung, dass man bei einem ref-Tag auch immer einen references-Tag benötigt. Mei, dachte ich, dann füge ich halt einen solchen ein. Außerdem habe ich die Quelle unten in die Quellenangaben reingeschrieben.

Als ich das tat, bekam ich die Fehlermeldung, dass ich einen neuen Link in den Artikel eingefügt hätte, und deshalb ein Captcha beantworten muss. Also beantwortete ich dieses Captcha – ein paar mal, da es ziemlich unleserlich war, vor Allem konnte man i und l kaum unterscheiden.

Dann bekam ich die Fehlermeldung dass ich keine Quellen angegeben hätte, und deshalb meinen Artikel nicht veröffentlichen könnte. Denn das tolle PHP-Script hat das Feld mit der Quellenangabe wieder gelöscht. Also habe ich die Quellenangabe reingeschrieben, und wieder gesendet.

Dann bekam ich wieder eine Fehlermeldung, ich hätte einen neuen Link eingefügt, und müsste deshalb ein Captcha beantworten (wieder war das Quellenfeld leer). Also tat ich das. Diesmal war ich sauer, und brachte das – neben der Quellenangabe in dem Textfeld zur Zusammenfassung – auch unmissverständlich zum Ausdruck.

Jeder etwas unerfahrenere Surfer wäre dazu bereits wenn nicht zu faul dann doch auf jeden Fall zu verunsichert gewesen. Nun, jetzt ist der Artikel gesendet worden. Veröffentlicht wurde er aber nur unter einem Tag „Entwurf“ – denn er muss erst von irgendwem kritisch beäugt werden, um als normaler Artikel freigeschaltet zu werden. Bis jetzt hat das niemand getan. Es ist immernoch ein Entwurf. Es gibt keine Kommentare oder Diskussionsbeiträge dazu.

Überhaupt hatte ich ja öfters Probleme, und auch andere Leute hatten die bereits, beim Anlegen neuer Artikel, von Wegen Relevanz, der Unterstellung von Werbung, hineinkorrigierter Grammatikfehler, etc.

Und sowas schimpft sich „freie Enzyklopädie“. Wer Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird beides Verlieren, so die auch hier passenden Worte von Benjamin Franklin. Bestimmt werden die irgendwann anfangen, von den vielen Spenden die sie haben Wissenschaftler zu bezahlen, ihnen ihre Artikel zu schreiben.

Ich weiß, ich verlinke selbst häufig auf Wikipedia. Das mache ich, um es einfacher zu machen, unbekannte Begriffe zu suchen (zumal das erste Suchergebnis dazu meistens ohnehin ein Wikipedia-Artikel ist). Bisher gibt es noch keine sinnvolle Alternative zur Wikipedia. Ich hoffe aber, dass es die irgendwann mal gibt!

Die Wikipedia ist jedenfalls nicht mehr frei. Sie stellt ihre Artikel unter freie Lizenzen, ok, das könnte jedes Unternehmen aber genausogut tun, das sich werbefinanziert oder einfach nur Publicity will. Wikipedia ist meiner Meinung nach inzwischen irgendetwas zwischen einer repressiven Demokratie oder einer liberalen Diktatur.


Frustblogging #6: X11 und X-Forwarding

Fri, 03 Jul 2009 18:47:01 +0000

NX ist ein sehr guter Dienst zur Kompression für schnelles X-Forwarding über Internetverbindungen. Dabei ist der Flaschenhals der Internetverbindungen meines Wissens meistens garnicht unbedingt der Traffic, sondern eher die hohe Latenzzeit, im Vergleich zu lokalen Netzwerken.

Da ich an relativ vielen Computern arbeite, und nicht überall immer alle Software die ich brauche um zum Beispiel meine Hausaufgaben zu machen, zum Laufen bringen kann, ist NX damit eine sehr gute Alternative, die ich sogar zeitweise schon recht gut über GPRS zum Laufen brachte, also eigentlich fast immer Verfügbar ist – meine Universität stellt Studenten freundlicherweise einen NX-Server zur Verfügung.

Nun funktioniert dieser NX-Server leider aus irgendeinem Grund nicht mit dem freien Client QTNX. Also muss man den offiziellen NX-Client nehmen. Dieser hat seit geraumer Zeit einen bekannten Bug, nämlich werden bestimmte Keys falsch gemapped, wenn man mit einer bestimmten Xorg-Version arbeitet. Und auch wenn auf der Seite etwas anderes steht – ich habe die neueste Version des Clients installiert, der Fehler besteht bei mir immernoch.

Nungut, unter meinem Debian-Rechner habe ich dafür bisher immer den empfohlenen Workaround genutzt. Lustigerweise schrottet mir Debian regelmäßig meine Xorg-Konfiguration (sowei weitere angepassten Konfigurationen) ungefragt. Irgendwie verlässt mich langsam die Lust, die Sachen immer wieder anzupassen. Vor Allem da es sich um einen bekannten Bug handelt.

Auf meinem Laptop benutze ich daher bereits Ubuntu Jaunty. Und aus anderen Gründen. Debian wird einfach immer unattraktiver. Die Stable-Version hat zu alte Treiber und generell zu alte Software. Die Testing-Version hat alle möglichen Softwarepakete nicht, die zwar sowohl in Unstable als auch in Stable sind, aber eben nicht in Testing. Und Unstable geht zwar einigermaßen, aber schrottet einem immer wieder die Konfiguration. Vor Allem ändern manche Pakete ständig ihre Standardkonfiguration, zum Beispiel der Treiber für Synaptics Touchpads, was mich nervt (und wovon ich den Grund auch in keiner Weise verständlich finde).

Jedenfalls… Angeblich soll der Bug unter Jaunty nicht auftreten – nun, ich habe eine ziemliche Standardinstallation von Jaunty, insb. an Xorg selbst nichts verändert, trotzdem bestand der Bug immernoch. Mei, was solls. Also workaround in die Xorg.conf geschrieben. Daraufhin wurde mein Touchpad teilweise ignoriert. Auch meine persönlich danach vorgenommene Konfiguration des Touchpads wurde ignoriert. Also fällt das schon mal Flach.

Dann, so dachte ich, könne ich vielleicht Xnest oder Xephyr benutzen. Aber wo dachte ich nur hin, weit gefehlt. Nein, wenn schon NX nicht funktioniert, wieso sollte denn dann Xnest oder Xephyr richtig funktionieren – das geht doch nicht! Sie haben das gleiche Problem, nur dass ich bisher keinen Bugreport dazu fand. Das ist natürlich auch kein Bug, das ist ein Feature. Was wäre das denn für Software, wenn man sie produktiv ohne Gefrickel nutzen könnte?

Nun, das letzte woran ich mich dann noch als Alternative erinnern konnte, wovon ich relativ sicher bin dass es ginge, weil es wohl nicht ganz so lowlevel arbeitet, ist WeirdX, der Java-X-Server. Ich kann mich erinnern, dass er relativ gut funktioniert hat. Den Versuch war es wert. Also – installieren.

Coolerweise hat der sich inzwischen auch so wundervoll verkompliziert dass ich es nichtmal mehr schaffe ein XTerm darin zu starten, wegen Bereichtigungskrimskrams.

Ich finde es immer wieder cool, wie man einfach funktionierende Software ohne Grund verhunzen kann.


Voting zur Netzzensur beim ZDF

Fri, 03 Jul 2009 17:09:16 +0000

Gerade bei Fefe gelesen: Eine ZDF-Online-Umfrage zum Thema Internetsperren. Voten!


Einen Toaster „From Scratch“ bauen

Fri, 03 Jul 2009 01:34:14 +0000

Meine werten treuen Blogleser werden sich vielleicht noch an meinen Post darüber erinnern, ob/wie man einen Computer „from Scratch“ bauen kann. Nun, die Frage ist immer, wie weit man gehen will:

„If you want to make an apple pie from scratch, you must first create the universe.“ (Carl Sagan)

Keinen Computer, dafür aber einen Toaster hat ein britischer Tüftler, der zu viel Douglas Adams gelesen hat, versucht sich zu bauen, schreibt die Süddeutsche.

Das Plastik hat er aus Kartoffelstärke und Essig erzeugt (guter Tipp, muss ich mir merken), die Kabel hat er sich selber aus Eisenerz erzeugt, das Eisenerz hat er allerdings nicht mit einem Ofen geschmolzen, sondern mit der Mikrowelle, wie der Artikel schreibt. Und auch den Stecker hat er nicht selber gebaut, sondern gekauft, weil es zu schwierig war, ihn selber herzustellen.

Aber immerhin. Find ich cool. Hoffentlich findet das Nachahmer.


Piusbruderschaft vergleicht Kampf gegen Schwule mit Kampf gegen Nazis

Fri, 03 Jul 2009 01:04:37 +0000

Grade gelesen: Die Piusbruderschaft vergleicht ihren Kampf gegen Homosexualität mit dem Kampf der Katholiken gegen das NS-Regime.

Nun, so blöd ich das auch finde, so denke ich immernoch, jeder hat ein Recht auf seine Meinung. Noch vor Dreißig Jahren hätte wohl jeder bekanntere Politiker das, was sie sagen, für richtig gehalten. Heute schlägt Volker Beck vor, sie vom Verfassungsschutz kontrollieren zu lassen, und es ergeht Strafanzeige von den Veranstaltern des CSD. In dem oben verlinkten Artikel wird der Aufruf der Piusbruderschaft zitiert:

„Stellt euch auf die Straßen und ruft: ‘Wir wollen nicht, dass unsere Heimat ein Sodom und Gomorrha wird!’“

Es ist ein Aufruf zu einer Gegendemonstration. Ich weiß nicht, wie Volksverhetzung juristisch definiert ist, aber ich finde es höchst seltsam. Gäbe es den gleichen Aufmarsch gegen eine Demonstration Pädophiler oder Nazis, würde kaum ein Politiker den Verfassungsschutz einschalten, oder von Volksverhetzung reden.

Und hier ist genau mein Problem mit der Moral – sie ist irgendwie so beliebig geworden. Innerhalb von dreißig Jahren kann aus einer hochangesehenen Vereinigung eine Vereinigung werden die als Gefährdend vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Dass die Auffassung der Piusbruderschaft nicht meinen Moralvorstellungen entspricht, spielt dabei erstmal keine Rolle. Denn es kann genausogut sein, dass die Entwicklung irgendwann in eine Richtung geht, die wirklich nicht meinen Moralvorstellungen entspricht. Wer weiß, ob es nicht irgendwann zum Beispiel verboten wird, sich offen gegen den Fleischverzehr zu stellen, weil man genug Leute davon überzeugt, dass uns diese Haltung gefährdet. Ich sehe darin eine Gefahr für die Freiheit.

Der Verfassungsschutz sollte wirklich nur im äußersten Gefahrenfall eingesetzt werden meiner Meinung nach. Und das Verbot solcher Organisationen bringt sowieso nichts. Es wird immer einen kleinen Prozentsatz geben, der irgendetwas dämliches denkt. Wichtig ist, dass der Großteil etwas anderes denkt – dazu bräuchte man natürlich erstmal ein sinnvolles Bildungssystem, und etwas mehr Anreiz, auch wirklich zu lernen.

Nunja. Und zum Thema CSD: Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser zum Verständnis oder zu mehr Toleranz oder Akzeptanz führt. Denn im Grunde zeigt er den Gegnern genau das was sie sehen wollen: Verrückte. Ein seriöser Aufmarsch in Anzug und Fliege ohne Laszive Gesten würde sicherlich mehr Akzeptanz in der Bevölkerung hervorrufen.

Und btw: Da steht auch der Zentralrat der Juden will vom Vatikan eine Stellungnahme. Was hat der denn mit der ganzen Sache zu tun? Warum mischt der sich da überhaupt ein?

Und als kleine Nebenbemerkung: Wenn der katholische Widerstand gegen den CSD so erfolgreich wird wie der katholische Widerstand gegen die Nazis, haben die CSD’ler ja eh nichts zu befürchten ;-) .