Gerade lese ich, dass in Wien eine Gruppe von im Namen des Tierschutzes Radikalen ein Haus angezündet und gräber geschändet hat. Nun, aus dem Artikel geht nicht ganz die Situation hervor. Ich kenne also die Beweggründe nicht genau. Mein Mitleid mit dem Besitzer des Hauses, laut dem Artikel der Konzernchef von Novartis, hängt dementsprechend stark davon ab was man ihm vorwirft und was konkret dran ist. Solange das Haus zu der Zeit leerstand oder alle darin befindlichen Personen sich rechtzeitig retten konnten (das geht aus dem Artikel nicht hervor), ist erheblich weniger Leid entstanden als durch die meisten Tierversuche.
Das ändert aber nichts daran, dass ich die Vorgehensweise dieser Leute verurteile. Das Zerstören des Eigentums eines Konzernchefs dürfte diesen wohl weniger arg stören, nachdem ich erwarte, dass dieser genügend Geld für die Wiederherstellung hat, aber insbesondere das Schänden von Gräbern ist pietätlos. Das muss nicht sein.
Allgemein stören mich militante Gruppen, egal in welchem Sinne sie kämpfen. Ich glaube nicht, dass sie die Situation der Tiere wirklich verbessern können. Im Gegenteil. Wenn das Modell des militanten Tierschützers Schule macht, wird die Meinung des dummen Volkes zu Tierschützern und Tierrechtlern schlichtweg irgendwann negativ geprägt sein. Und leider entscheidet das dumme Volk maßgeblich über Tierrechte.
Es ist noch ein weiter steiniger Weg bis hin zu ernsthaften Tierrechten. Das war bei jeder Bewegung für die Rechte unterdrückter Gruppen bisher so. Menschenrechte, Frauengleichberechtigung, Kinderrechte, Abschaffung von Sklaverei – alles hat sich durchgesetzt, aber alles war ein schwieriger Weg. Ein Weg, der zugegebenermaßen niemals ohne gewaltsame Ausenandersetzungen stattfand, nur dass diese in der Regel nicht von den Freiheitskämpfern selbst ausging. Erschwerend kommt bei den Tierrechten hinzu, dass die Tiere selbst nicht für ihre Rechte bewusst kämpfen können.
Dennoch. Das Modell des gewaltfreien zivilen Ungehorsams, es hat sich bewährt. Und das wird auch bei Tierrechten nicht anders sein.
Verfasst von dasuxullebt 