Feuerfuchs 3

Mit einer geradezu epischen Aktion wurden die Massen in den letzten Tagen dazu angehalten, sich den supertollen neuen Browser Firefox 3.0 herunterzuladen, der ja so viel besser ist, als alle Feuerfüchse zuvor. Auch ich ließ mich leider von diesem Hype tragen, da ich bisher eigentlich Firefox zwar weit entfernt von der Perfektion sah, aber immernoch besser als das meiste andere, was so herumschwirrt.

Nunja, zuerst versuchte ich mal das Debian-Paket firefox 3.0rc2 – eine Beta-Version in der Unstable-Branch, wie ich dachte. Das hat zuerst mal gemeckert, dass es die alten Firefox-Addons nicht mehr unterstützt, aber gut, das war klar, es dauert wohl nur eine kurze Weile, bis diese wieder Funktionieren. Aber immerhin: Neue kompatible Versionen wurden, soweit vorhanden, automatisch gefunden. Das ist mehr, als man von manchem Debian-Paket sagen kann, muss man jetzt mal gestehen.

Dann ging es los. Gespannt sah ich mir die neue GUI an. Etwas hässlich, aber was solls, es muss ja nicht schön sein, und das liegt wohl eher an meinen Desktop-Einstellungen. Ich logge mich also erstmal in Gmail ein. Ähem. 30 Sekunden zum Aufbauen von GMail? Hallo? Ich kann dem Browser mehr oder weniger dabei zusehen, wie er versucht, die Seite aufzubauen. Gut, vielleicht einfach ein schlechter Start. Ich gehe also über zu Youtube. Die langen Listen der Videos mit den Bildern als Vorschau, die sich unter meinem alten FF2 in ca. 2 Sekunden aufgebaut haben, brauchen jetzt auf einmal ebenfalls fast eine Minute – jedes Bild wird einzeln geladen und aufgebaut, das ganze braucht so viel Processorleistung, dass mein Lüfter anfängt, hochzuschnellen.

Eine Theorie hatte ich auch gleich – unter FF2 musste man immer die Variable MOZ_DISABLE_PANGO=1 setzen, damit Pango nicht verwendet wird, um ihn schneller zu machen. Nunja, das geht jetzt nicht mehr, ich konnte auch nicht herausfinden, ob man das jetzt irgendwie anders hinbekommt.

Nungut, also: Langsam. Vielleicht wenigstens wenig Speicherverbrauch. Naja, er hat, wenn ich die Ausgabe von Top richtig interpretiere, mehr verbraucht als mein FF2, aber angeblich wurden ein paar Memory-Lecks entfernt. Um dazu wirklich was zu sagen, muss man ihn wohl länger benutzen.

Na gut, dann hab ich noch gehört, er soll ein neues innovatives Tab-System haben. Alles was ich gesehen habe ist aber eine Tab-Leiste, die versucht, „smooth“ zu scrollen, woran sie leider kläglich scheiterte. Angeblich soll man das aber ausschalten können – ich habe die Einstellung nicht gefunden, wahrscheinlich wieder irgendein Eintrag in about:config.

Ok. Das war also das Debian-Paket. Debian-Pakete haben ja oft die Eigenschaft, mehr Ideologie als Funktionalität zu bringen, und so entschloss ich mich, es mit dem Tarball direkt von der Firefox-Seite zu versuchen. Als allererstes konnte ich diesen natürlich nicht per ssl herunterladen – wer braucht schon verschlüsselung, ist doch egal, wenn irgendein hiwi zwischen mir und deren Server vielleicht gezielt Firefox-downloads manipuliert (was ja an dem Tag garnicht mal so abwegig gewesen wäre). Egal. Laden wir es uns halt unsigniert herunter, wie ein standard-win-dau, der nicht aufpasst, worauf er clickt.

Also: Entpackt… und erstmal in kindlicher naivität ./firefox ausgeführt – hm. Das Ding hängt von einigen Shared Libraries ab, und die liegen im selben Verzeichnis, aber wenigstens eine Fehlermeldung. Also LD_LIBRARY_PATH gesetzt. Jetzt scheint alles zu gehen. Fröhlich führe ich also wieder ./firefox aus. Und es passiert… Nichts. Also führe ich ./firefox-bin aus. Und es passiert… Nichts. Nichts. Keine Fehlermeldung, kein Process, der sich irgendwie im Hintergrund startet… Nichts. Ich sehe mir also die –help-Ausgabe an. Da steht irgendein Flag namens -g-blabla, der alle Fehler Fatal machen soll – ich erhoffe mir davon also eine etwas verbosere Ausgabe des Fehlers. Auch hier passiert nichts. Es passiert einfach nichts – es wird nichts ausgeführt, keine Fehlermeldung ausgegeben… Nichts.

Erfahren mit freier Software suche ich nach einer INSTALL… Solch eine Datei gibt es nicht. Gefunden habe ich eine README.txt, die auf die Firefox-Seite verweist – auf der keine Installationsanweisungen stehen. Mäh.

Nun, Google ist mein Freund, und so suche ich nach anderen Leuten, mit dem selben Problem. Die meisten scheinen dasselbe versucht zu haben, wie ich, andere wiederum benutzen das Debian-Paket aus der Unstable-Branch. Warum auch nicht. Jetzt langts mir. Nach 3 Stunden herumgesuche (ich hab in der zwischenzeit sogar probiert, die Bashscripts firefox und run-mozilla.sh irgendwie zu verändern) habe ich meine Schuldigkeit getan, und darf wohl guten Gewissens im #firefox-Channel nachfragen. Meine Frage war dann auch ziemlich einfach: Wo findet man eine Installationsanleitung. Nunja, diese Frage konnte mir erstmal niemand beantworten, und man meinte, ich solle doch das Debian-Paket benutzen. Nunja, ich meinte, es hieße 3.0rc2, und ich wisse nicht, ob es nur eine Beta-Version sei. Nach einiger Zeit meldete sich dann ein etwas Kundigerer Chatter. Von ihm erfuhr ich zu den Installationsanweisungen „It is not supposed to need one“ – jaja, Firefox 3 ist so toll, dass es keine Installationsanweisungen braucht. Und ich erfuhr, dass das Debian-Paket aktuell ist, und die dortige Beta-Version dem Release entspricht. W00t. Naja, dann hab ich mir eine freundliche kritische Bemerkung nicht verkneifen können, habe mich anschließend aber, wie es sich gehört, bedankt, und bin dann ins Bett gegangen.

Wenn eine Software so dämlich ist, dass sie weder Fehlermeldungen ausgibt, noch Funktioniert, noch irgendeine Art von Installationsanweisungen hat, und dann, wenn man verzweifelt das vorgefertigte Paket benutzt, auch wirklich so langsam und unbenutzbar ist, kann ich wirklich nichts positives dazu sagen. Schade, ich hatte mich eigentlich auf einen schönen neuen Browser gefreut.

Im Moment bin ich dabei, auf Epiphany umzusatteln. Der ist wirklich schlank, verbraucht wirklich wenig Ram, ist wirklich sauschnell, was das Aufbauen von Seiten angeht, hat allerdings den Nachteil, dass die GUI nicht sehr Benutzerfreundlich gestaltet ist, und man sehr viel mit der about:config arbeiten muss. Ansonsten ist er fast äquivalent zu Firefox, die GUI sowie die about:config-Flags sind ziemlich die selben. Leider finde ich für einige Firefox-Addons, z.B. FireBug, keine Erweiterungen für Epiphany, aber das wird sich denke ich geben. Plugins und alles sind Kompatibel.

Sehr interessant fände ich ja den Closure-Webbrowser – einfach weil er in Common Lisp geschrieben ist, und man vielleicht ein wenig daran Rumhacken kann. Leider habe ich diesen bisher ebenfalls nicht zum Laufen gebracht, wegen Versionskonflikten etc. – es mangelte mir bisher einfach an Zeit.

Eine Antwort zu Feuerfuchs 3

  1. rc sagt:

    Also ich habe mit FF3 keinerlei Probleme, und ich verwende ihn schon seit rc1. Ganz im Gegenteil, das ist der beste Browser den ich je hatte. Bookmark/RSS Management sind erster Güte, und wiselflink ist er noch dazu, was will man mehr? Eine gute Übersicht über die neuen features bietet http://www.dria.org/wordpress/archives/2008/06/12/655/

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