Missbraucht eure Freiheit!

Freiheit ist schon was tolles. Man kann (fast) alles tun was man will, (fast) alles sagen was man will, solange (fast) niemand einen Grund angeben kann, warum es ihm (in von der Mehrheit anerkannt relevanter Weise) schadet. Die Mehrheit entscheidet also in gewisser Weise, was erlaubt ist, und was nicht. Oder eine hinreichend mächtige Minderheit.

So nutzten beispielsweise christliche Organisationen immer wieder Rechtsmittel, um christenfeindliche Symbole und Parolen zu verbieten, und nutzten damit ihre Vormachtstellung in den westlichen Staaten aus, um ihre Ideologie zu erhalten. Sie schürten damit andererseits die blinde sinnlose unbegründete gegen nichts gerichtete Wut gegen Kirche und Staat, die, wie mir scheint, in meiner Generation nun zum „guten Ton“ gehört, und sich auf die Inquisition und eben die Unterdrückung von Personen durch die Kirchlichen Organisationen in der Vergangenheit beziehen, die sich nunmal leider nicht leugnen lassen.

Ich selbst sehe mich als überzeugten Christen, entgegen des Trends, sich zum Atheismus zu bekennen, und alles was mit Religiösen Überzeugungen zu tun hat zu verdammen. Ich will und muss meine Position nicht begründen, und im Gegensatz zu vielen Atheisten, die keine Anstalten machen, christliches Gedankengut und dessen echte Probleme in der heutigen Zeit zu verstehen, bemühe ich mich um ein möglichst objektives Bild der verschiedenen Positionen – was nicht heißt, dass meine Position in allen Fragen neutral ist.

Nun, weswegen schreibe ich diese lange Präambel? Es geht darum, dass ich folgenden Artikel bei Spiegel Online fand: Frosch bleibt – trotz Papst-Protest. Der Papst protestiert gegen einen ans Kreuz genagelten Frosch. Da ich nicht katholisch bin, unterstehe ich dem Papst nicht, dennoch finde ich, er hat Recht. Wer eine solche Skulptur herstellt, der muss sich bewusst sein, dass er damit wohl so ziemlich das gesamte Christentum provoziert. Ich denke mal, selbst die Leute, die das Kreuz nicht als Symbol für Jesus akzeptieren, könnten sich davon provoziert fühlen, denn das Kreuz ist nunmal einfach das am weitesten bekannte Symbol des Christentums, ob man es nun selbst akzeptiert oder nicht.

Dieser Fall erinnert mich an etwas. An einen ganz ähnlichen Fall. Die Band WIZO brachte scheinbar ein Plattencover heraus, auf dem ein rosanes seltsam anmutendes Schweinchen, das scheinbar tot sein sollte (deshalb sind die Augen als X dargestellt), dargestellt war. Was genau wie wann passierte, weiß ich nicht, und verschiedene Quellen berichten Unterschiedliches, je nach dem, welche Ideologie die Quelle vertritt. Mal gab es eine Unterschriftensammlung unter Bürgern, um das Cover zu verbieten, mal war es die Kirche, die Druck gemacht hat, jedenfalls wurde das Cover verboten. Ich verlinke dieses Bild hier nicht. Laut Wikipedia handelte es sich um einen Protest gegen eine Judensau, die mit einem Informationsschild versehen werden sollte – andere Quellen berichten wiederum von der Forderung, die Judensau ganz zu entfernen. Soweit ich weiß gab es damals ohnehin eine Diskussion darüber, wie man mit den Judensäuen verfahren solle, diese hält anscheinend bis heute an. Gedenktafeln scheint es inzwischen ja einige zu geben. Dass dies ein schwieriges Kapitel ist (und dass Denkmalschützer häufiger Pro-Judensau eingestellt sind, als echte Christen), sei mal ungeachtet. Jedenfalls ungeachtet dessen – das Bild schien ein Protest zu sein, soweit sind sich die Quellen noch einig, und es wurde gerichtlich untersagt – ob nun nur auf Druck der Kirche oder auch mit einer Unterschriftensammlung auf Willen der Bürger, das weiß ich nicht. Letzteres fände ich in Ordnung – der Bürgerwille zählt letztendlich – einen reinen Gerichtsprozess zu führen fände ich aus christlicher sicht, zumindest aus meiner christlichen Überzeugung, keine adäquate Reaktion. „Einfach Ignorieren“ ist allerdings ebenfalls bei einer so groben Beleidigung nicht das Richtige – denn Ignorieren zeugt von Gleichgültigkeit, und die sollte es zwar in Grenzen geben (Religionssatire sollte durchaus meiner Meinung nach erlaubt sein), aber ich wüsste nicht, innerhalb welcher Grenzen eine solche Abbildung noch stehen sollte.

Und wie sieht es nun mit diesem Frosch aus. So wie ich es aus dem Spiegel Online lese, scheint es sich nicht wirklich um Kirchenkritik zu handeln (was man der WIZO-Aktion ja wenigstens noch anrechnen kann). Meiner Meinung nach steckt dahinter einfach nur der grundsätzliche Wille eines Künstlers, aufzufallen – mit allen Mitteln. Dieses „Kunstwerk“ würde wohl ein Zehnjähriger mit ein wenig Knetgummi auch hinbekommen, und sollten die anderen Exponate dieses Künstlers ähnlich aussehen, so könnte ich mir vorstellen, dass es sich dabei nur um einen Versuch handelt, die eigene mangelnde Kreativität und künstlerische Fertigkeit oder Willigkeit dazu durch das Beleidigen einer ganzen Religion auszugleichen – was nunmal mit Sicherheit auffällt. Nunja, man kann den Mann nicht mehr Fragen, denn er ist laut Spiegel Online bereits gestorben. Dieses Verhalten ist jedenfalls keine Seltenheit, wenn man sich nur mal Popetown oder diverse Artikel auf der Uncyclopedia (die ich hier nicht verlinken will) ansieht, die ebenfalls eigentlich komplett humorlos sind, und durch plumpe, Hintergrundlose Religionsverarsche (ja, Verarsche, noch nicht einmal wirkliche Kritik oder Realsatire) versuchen, Gefallen zu finden.

Mit dem Islam, dessen Geschichte ja ebenfalls problematische Elemente hat, traut man sich soetwas nicht, denn die Moslems gehen auf die Barrikaden – leider nicht immer friedlich, wie man gesehen hat. Zu den Juden hat man ohnehin hierzulande ein seltsames Verhältnis, da lässt man das Ganze lieber gleich ganz bleiben (Hallo? Die glauben auch an Gott?!?! An denselben sogar?!?!?!?!). Der Buddhismus und Hinduismus wird sowieso oft als Friedensbringer glorifiziert. Nur mit dem Christentum macht man es gerne. Und das wehrt sich eben nur zu gerne garnicht oder in schlimmen Fällen mit juristischen Mitteln, anstatt mit wirklichen Protesten. Ein stiller, gewaltfreier Protest, wie die Mahnwachen, die scheinbar einige Bürger vor diesem Museum halten, und vielleicht auch mal eine friedliche Blockade des Eingangs durch eine Traube von Christen, das ist es, was Christen machen sollen. Das mag schwerer sein, als einfach ein Gerichtsurteil aufzubrummen, aber es ist einfach der bessere Weg. Ich hoffe, dass es dabei bleibt, und ich hoffe, dass das Museum dieses scheußliche Exponat schließlich aus seinem Sortiment entfernt.

Vielleicht hätte soetwas in der Art bei dem WIZO-Cover auch etwas mehr Respekt unter den Standard-Hörern solcher Punkmusik erweckt, als ein Gerichtsurteil.

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