So verwerflich wie Kuhmilch

Die Peta kann man für vieles Kritisieren, und ich teile die Skepsis ihnen gegenüber in gewissem Maße. Ich habe soweit ich mich erinnern kann mal irgendwo gelesen, dass sie sogar Anschläge auf Tierversuchslabors veranlasst haben sollen in den USA. Ich sage jetzt mal nichts dazu, ob ich besonders viel Mitleid mit Tierversuchslabors oder verletzten Tierversuchsdürchführenden habe, was ich sage ist, dass das nicht die richtige Art ist, um seine Ziele durchzusetzen.

Gewaltfreier Ziviler Ungehorsam ist meiner Meinung nach der einzig richtige Weg, um zivile Rechte durchzusetzen, auch für Tierrechtsbewegungen, auch wenn es sich hier insofern schwieriger darstellt, das Tiere selbst diesen nicht leisten können.

Dennoch habe ich letztlich die Hoffnung, dass es den Tierrechtsbewegungen schlussendlich genau wie den Menschen-, Frauen- und Kinderrechtsbewegungen in der Vergangenheit letztendlich gelingen wird, sich durchzusetzen.

Nun, die Peta hat eine Campagne namens Holocaust auf dem Teller gestartet. Offenbar wurde ihnen diese in Deutschland untersagt auf Wunsch des Zentralrates der Juden. Nun, das Verhältnis der Deutschen zum Holocaust und zu den Juden ist historisch belastet, dementsprechend ist die Entscheidung des Gerichts nachvollziehbar, sie hätten sich ansonsten Antisemitismus vorwerfen lassen müssen. Strategisch war diese Campagne in Deutschland von Peta dementsprechend schlecht gewählt. Es hätte ihnen klar sein müssen, das sie da auf einen Nerv drücken, der dem Deutschen so viel Unbehagen bereiten kann, dass eine rationale Auseinandersetzung mit dem Thema nicht mehr möglich ist – und diese sollte ja eigentlich die Intention von Peta sein.

Denn selbst wenn jemand rational zu dem Ergebnis käme, dass beides nicht vergleichbar ist, so hätte er sich wohl dennoch Gedanken gemacht, inwieweit man Menschen und Tiere vergleichen kann, und wenn diese einigermaßen rational gewesen wären, hätte er vermutlich gemerkt, dass es wenige Argumente gibt, die diese Unterschiede in der Behandlung rechtfertigen – unabhängig vom Holocaust. Aber der Deutsche in seiner Allgemeinsten Form wird sofort abblocken. Das hat er so gelernt, und es soll verhindern, dass sich der Holocaust oder etwas ähnliches wiederholt. Und das ist an sich nichts schlechtes, und das schließt Tierrechte nicht aus, es schließt nur aus, dass man sie über den Umweg eines Holocaustvergleiches verstehen kann.

Nun, das System mag seltsam klingen, aber bisher funktioniert es, undn die Peta muss sich damit abfinden, und sollte ihre Campagnen daran anpassen.

Fast so verwerflich wie den Verzehr von Kuhmilch finde ich allerdings den Artikel dazu, den ich auf ksta.de gelesen habe. Mit einer völligen Selbstverständlichkeit wird gleich am Anfang behauptet

Ein Huhn ist kein Mensch, und eine Legebatterie ist kein Konzentrationslager. Also verbieten sich auch plakative Vergleiche zwischen Schlachttieren und den ermordeten Insassen aus NS-Vernichtungslagern. Um das zu erkennen, bedarf es keines Jura-Studiums, da reicht der gesunde Menschenverstand.

Kann ich dann auch einfach so sagen ein Iraker wäre kein Jude und ein US-Gefangenenlager wäre kein Konzentrationslager, also verbieten sich plakative Vergleiche zwischen gefolterten Irakern und gefolterten Juden? Nun, vermutlich ist die Antwort der meisten Leute „nein, das sind ja beides Menschen, aber Tiere sind keine Menschen“, und das ist auch insofern vollkommen in Ordnung, dass man sich hier auf die von unserer Kultur leider allgemein akzeptierten Unterschiede zwischen Tieren und Menschen beruft. Mit „gesundem Menschenverstand“ hat das aber wenig zu tun. Es entspricht der allgemeinen Meinung in unserem Kulturkreis, aber die Peta ist eine Organisation, die diese Meinung nicht teilt. Das ist ihr Recht. Und – jetzt mal mit „gesundem Menschenverstand“ betrachtet – wenn man davon ausgeht, Menschen und Tieren müsse man dieselben Rechte zubilligen, also eine ähnliche Perspektive wie die Peta betrachtet, ist nicht die Campagne, sondern eher die Haltung der Allgemeinheit geschmacklos.

Trotz allem: Ich gebe zu, in der Vergangenheit neigte ich zu einer gewissen Sympathie zu dieser Campagne, inzwischen sehe ich das anders. Es handelt sich hier auch meiner Meinung eine Relativierung des Holocaust, und die ist in Deutschland verboten. Eine Relativierung aus Sicht der Allgemeinheit. Für die Allgemeinheit besteht ein Unterschied zwischen Mensch und Tier, und auch wenn ich die Meinung der Allgemeinheit in diesem Punkt nicht teile, so ist sie dennoch die Meinung der Allgemeinheit, und demnach stellt diese Campagne für die Allgemeinheit eine Relativierung des Holocaust auf etwas, was eben nach deren moralischen Vorstellungen weniger schlimm ist, dar.

Dass ich persönlich die starken moralischen Unterschiede, die man zwischen Mensch und Tier macht, nicht in der Form gut finde, hat damit nichts zu tun. Wenn ich einen anderen Menschen von meiner Meinung überzeugen will, muss ich aber trotzdem erst versuchen, mich in seine Position hineinzudenken.

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