Und noch mehr Augmented Reality Geschwafel

Ich kann es echt langsam nicht mehr hören, dieses dumme Geschwafel über Augmented Realities und wie das Web doch die Realität erobert.

Jetzt wo das „Web 2.0“ langsam langweilig wird, weil man dessen Grenzen sieht und keiner mehr so genau weiß was er eigentlich noch neues erfinden soll, ist doch „Augmented Reality“ das neue Buzzword schlechthin – ich hätte eigentlich erwartet, dass diese Rolle dem „Semantic Web“ zukommen wird, aber nunja, das größte Problem beim Semantic Web ist wohl, so wie ich das sehe, sich auf ein einheitliches Format zu einigen.

Nun, der Artikel, auf den ich mich jetzt Beziehe, lautet „Geosensitives Internet erobert den realen Raum„. Es geht dabei primär um „Geosensitives Internet“, soll heißen, wenn ich mit irgendeinem portablen Gerät unterwegs bin, weiß halt die Software, wo ungefähr ich bin. Im Grunde sehe ich nicht die Neuheit, denn zumindest den Sendebereich in dem man sich gerade befindet müsste man doch ziemlich leicht ermitteln können – und dann eben einfach mitsenden, und eine punktgenaue Ortung ist wohl in den wenigsten Fällen wirklich nötig, geht aber auch schon mindestens seit es Satellitennavigationsgeräte in Autos geht auch im großen Stil, sprich: schon länger.

Nunja, aber zum Einen ist das Ganze für den normalen Bürger wohl momentan noch ein recht teuerer Spaß, zumindest in Deutschland, wenn ich mir so die iPhone-Tarife anschaue, zum Anderen funktioniert das wohl auch jetzt wo es noch als neu verkauft wird so ohne Weiteres mit allen Features nur in den großen Städten, zumindest erlaube ich mir mal diesen Schluss aus meinen bisherigen Beobachtungen zum Verhalten der Mobilfunk- und Telekommunikationsunternehmen. Von einem „überallInternet“ wie in dem Artikel die Rede kann man, wie ich vermute ohne es zu wissen, wohl eher nicht reden. Außerdem möchte ich den Provider sehen, der in der Wüste Nevada seine Sendemasten baut! Also wenn dann ist es ein „BallungszentrenInternet“ – dann glaube ich wieder kaum, dass es tariftechnisch so einfach ist, ins Ausland zu gehen, selbst wenn dort große Städte mit Sendeanlagen sind, also ist es wohl eher ein „DeutscheBallungszentrenInternet“.

Aber ok, immerhin besser als garnichts. Wenn wenigstens das erstmal billiger wird, habe ich nichts dagegen. Immerhin ein Fortschritt. Gut, ein Fortschritt der bestimmt auch schneller ginge (diesen Rückschluss erlaube ich mir ebenfalls aufgrund der Verallgemeinerung von Wissen, das ich über die Vergangenheit und Gegenwart habe), aber die Unternehmen sind halt leider gezwungen ihre Kunden wie industrielle Milchkühe zu behandeln, und ihnen immer wieder grade so viel zum Fressen zu geben, dass man sie weitermelken kann. Alles Andere würde wahrscheinlich mit zu riskaten Investitionen und rechtlichen Unsicherheiten einhergehen.

Im Grunde bin ich auch garnicht gegen diese neue Technik, ich finde nur, dass ein paar Metadaten über ein Gerät das seinen Standort feststellen kann, und paar Strichcodes die man an Wikipedia schickt, eigentlich garnichts besonderes sind. Es sind nette Tweaks um ein Produkt schmackhafter und das Leben entweder leichter zu machen oder es wenigstens mit lustigerem Spielzeug zu füllen. Das erweitert meine Realität nicht wirklich. Gut, Bildschirme die irgendwelche anderen Orte zeigen, Fensterscheiben und Spiegel mit LCD-Komponenten oder virtuelle 3d-Welten in die man „Eintreten“ kann und die einem bei der Suche von was auch immer helfen, die erweitern die Realität – eine gescheite Hologramtechnologie ebenfalls. Nur Letztere ist soweit ich weiß noch nicht möglich, alles Andere ist ja im Grunde bereits möglich es will nur keiner hineininvestieren.

Wie wäre es denn  zum Beispiel mal mit einer Brille, die in den Raum 3d-Bilder projeziert von einer Person mit der ich mich gerade unterhalte die sich an einem anderen Ort in der Welt befindet. Sodass ich dieser Person quasi „gegenüber“ stehe (und andere Leute das auch können)? Das fände ich faszinierend – obgleich auch das nichts „unvorstellbar neues“ ist, und sicherlich nicht so schwer herzustellen wäre, wie es sich anhört. Das würde dann aber wenigstens den Namen „Augmented Reality“ verdienen.

Andererseits bleibt dieser Begriff trotzdem ein Buzzword der Industrie um ihre Produkte besser verkaufen zu können. Und so wie die Web 2.0 Euphorie gekommen ist und wieder gehen wird, wird wohl auch dieses Buzzword – falls es eine Euphorie auslösen sollte – kommen und gehen, sobald die Leute es langweilig finden. So wie man sich heute fragen kann, was das Web 2.0 uns eigentlich gebracht hat, außer einem großen Archiv an kaum auslöschbaren Informationen über jeden, der es genutzt hat und nutzt, einen haufen neuer Probleme mit Gesetzesgrauzonen, und hunderte neuer Gründe, keine freie Software zu verwenden, wird man sich wohl auch fragen müssen, was „augmented realities“ uns bringen. Vielleicht sollte man sich diese Frage lieber vorher stellen. Sicherlich könnte man dann viele Probleme die man ansonsten erst wenn es zu spät ist sieht von vorne herein verhindern.

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