Umpolungstherapien für Homosexuelle

Dass ich kein Freund der neueren evangelikalen Bewegungen bin sollte jedem der mich kennt klar sein. Ich sehe mich zwar als Christen, aber einige evangelikale Bewegungen sind in meinen Augen so konservativ, dass es schon fast in den Fundamentalismus mündet, und das kann ich nicht unterstützen.

Dennoch ist nicht alles, was die Evangelikalen von sich geben, automatisch schlecht – und vor Allem nicht böse oder diskriminierend, auch wenn es nicht dem Common Sense entspricht.

Jedenfalls las ich auf Spiegel Online diesen Bericht, in dem es darum geht, dass in der Universität Marburg zwei Leute einen Vortrag über die Heilung von Homosexualität halten wollen.

Nun, verschiedene Leute, von denen ich jetzt einfach einem Großteil unterstelle, davon keine Ahnung zu haben, sprechen sich nun für und gegen diesen Vortrag aus, wobei man in dem Artikel fast nur von Gegnern hört, ich vermute mal, das wird auf die persönliche Meinung des Journalisten zurückzuführen sein. Die „Betroffenen“ sind wohl größtenteils Leute die ihre Homosexualität auch ausleben und nicht darunter leiden, und sie dementsprechend nicht als Krankheit ansehen, und sich deshalb dagegen aussprechen. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass es keine Homosexuellen gibt, die das Ganze nicht auch als Krankheit ansehen – zumindest klingt es so, als würden Leute von diesen „Umpolungstherapien“ auch Gebrauch machen.

Mich würde mal interessieren, was die Teilnehmer solcher Therapien dazu zu sagen haben – sicherlich gibt es hier auch unter ihnen verschiedene Meinungen. Vor Allem kann ich keine fundierte Meinung dazu abgeben, da ich weder die Therapiemethoden, noch die Erfolgsquote, noch andere Forschungen zu dem Thema kenne. Aber wenn ich höre (Zitat) „Die Bundesregierung vertritt weder die Auffassung, dass Homosexualität einer Therapie bedarf, noch dass Homosexualität einer Therapie zugänglich ist.“ dann frage ich mich, woher die Bundesregierung das wissen will – mir stellt sich da einfach die Frage, inwieweit sie im Gebiet der Sexualforschung kompetenter ist als im Gebiet der Netzwerktechnologie.

Nein, ich denke, sie wird das aufgrund herrschender Erkenntnisse anerkannter Wissenschaftler und mit dem Druck der starken Bewegungen der Homosexuellen beschlossen haben. Trotzdem gehört soetwas meiner Meinung nach nicht in den Kompetenzbereich der Regierung. Die Regierung ist dafür zuständig, dass man Homosexuelle Menschen nicht diskriminiert. Die Regierung ist dafür zuständig, zu entscheiden, ob sie homosexuelle Ehen zulässt.

Aber sie ist nicht dafür da, irgendeine wissenschaftliche Tatsache festzuschreiben. Wir brauchen freie Wissenschaft, und kein Indiana Pi Bill. Wissenschaft sollte meiner Meinung nach nur eingeschränkt werden, wenn es erhebliche ethische Probleme gibt, wie sie zum Beispiel bei Tierversuchen auftreten, die ja wiederum leider erlaubt sind. Es wird ja niemand gezwungen, sich einer solchen Therapie zu unterziehen. Jeder kann sich frei entscheiden. Jeder hat Zugang zu Fachliteratur – und es ist ja nicht so, als würde dieses Thema irgendwie selten auftreten, jeder mündige Bürger sollte also in der Lage sein, sich darüber selbst zu informieren.

Was ich aber überhaupt nicht verstehen kann, ist, inwiefern es sich hier um Diskriminierung handeln soll? Wieso ist es diskriminierend, Homosexualität als Krankheit anzusehen? Es mag wissenschaftlich nicht richtig sein, keine Ahnung, aber wieso ist es diskriminierend? Ist es dann auch diskriminierend, zum Beispiel Autismus und ADHS als Krankheit anzusehen?

Dementsprechend kann ich der Aussage „Hier sollen Referenten mundtot gemacht werden (…) Das ist eine nicht hinnehmbare Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit.“ nur beipflichten.

Ich erlaube mir hier keine Meinung darüber, ob Homosexualität nun eine Krankheit ist, und ob sie heilbar ist oder nicht. Schlichtweg, weil ich mich auf diesem Gebiet nicht auskenne, und soweit ich gelesen habe, scheint auf dem Gebiet noch ziemlich viel unerforscht zu sein, also selbst die Wissenschaftler wissen wenig über die Entstehung und die Gründe. Alles was ich sagen kann ist, Homosexualität schadet den Mitmenschen und vielen Betroffenen offenbar nicht, also ist es zumindest keine schlimme Krankheit, keine Krankheit, die man unbedingt behandeln muss, aber wenn ein Mensch aus welchem Grund auch immer darunter leidet, und es Möglichkeiten gibt,  ihm zu helfen, dann habe ich dagegen ebenfalls nichts.

Allen Gegnern dieses Vortrags rate ich schlichtweg: Geht nicht hin!

Ignorieren erreicht hier vermutlich mehr, als sich aufzuregen. Denn das Schlimmste was einem Referenten passieren kann ist ja wohl, dass niemand ihm Zuhört.

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