Lieber gültig wählen

Ich bin soeben auf einen Blogpost von Holgi im Nightline-Blog gestoßen, den ich einfach nicht so stehen lassen kann, und zwar kündigt er an, absichlich ungültig zu wählen.

Ein willkommener Anlass, endlich mal meinen Frust über die Naivität der Nicht/Ungültigwähler rauszulassen. Im deutschen Wahlsystem ist ungültig wählen äquivalent mit nicht wählen. Und wer nicht wählt, drückt seine allgemeine Zustimmung zum Ergebnis aus, er wählt nämlich die gewählten Parteien genau zu den Prozentzahlen, welche im offiziellen Wahlergebnis stehen. Also zu x% C(D|S)U, zu y% SPD usw…

„Haha“, kommt jetzt der überzeugte Ungültigwähler, „aber das wäre doch ein Symbol, wenn so viele Stimmen ungültig sind, weil die kann man ja nicht mehr als zu blöd abstempeln, und die Politiker merken, dass sie keiner mag“
Doch kann man. Warum genau sollte ein Partei-der-Mitte-Parlamentszombie, dessen Große Koalition soeben die beste Verfassungsänderungsmehrheit seit Jahren eingefahren hat, irgendetwas merken wollen? Warum sollte ein Agentur-Abtipper in den Massenmedien der Mitte auch nur irgendwie darauf eingehen wollen? Es wird auch dann immer noch relativiert, ignoriert und abgekanzelt. Und weitergemacht.
Viel sinnvoller: Klein(st)parteien wählen. Im schlimmsten Fall ist die Stimme einfach weg, wie beim ungültig-/nichtwählen. In allen anderen Fällen (>0.5%) bekommen die dann finanzielle Zuschüsse, im besten Falle (>5%) sitzen dann auch noch frische Leute im Parlament.
d.h. es wäre nie schlechter und in vielen Fällen echt besser, als ungültig zu wählen.

4 Antworten zu Lieber gültig wählen

  1. dasuxullebt sagt:

    Ganz meine Meinung. Es gibt genug kleine Parteien. Davon sind viele themengebunden. Zum Beispiel Piraten, Tierschutzpartei, ÖDP oder die EDE. Und wenn man ganz sicher sein will, dass die eigene Stimme keine Partei fördert – wählt die Violetten oder die BüSo (scnr).
    Ansonsten wäre es vielleicht auch möglich, eine sogenannte „Enthaltungspartei“ zu Gründen – deren einziges Wahlversprechen es ist, sich später im Parlament zu enthalten, und Neuwahlen zu erzwingen – so oft bis die Parteien endlich mit gescheiten Konzepten kommen. Wäre das nicht mal ne Idee? Am Ende hat man eine Partei mit verfassungsgebender Mehrheit, die sich immer enthält, außer wenn es um Neuwahlen geht. Das wäre lustig.

  2. buliwyfceltic sagt:

    Es würde schon genügen, wenn es auf den Wahlzetteln einen Punkt „Ich möchte keiner dieser Parteien meine Stimme geben“ geben würde. Die Wahlbeteiligung würde sprunghaft nach oben geben, wenn diese Stimmen auch bekannt (TV und Printmedien) geben werden müsten.

  3. holgi sagt:

    Ich kündige gar nichts an. Ich mache mir Gedanken darüber, wie man eine eine Reform der parlamentarischen Demokratie, oder zumindest eine Debatte darüber anstossen kann.

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