Erste Erfahrungen mit Mac OS

Tja. Heut hab ich dann mal mein neues MacBook eingeweiht.

Joa… Was soll ich sagen…

Ich fang am Besten mal beim ersten Eindruck an. Erstmal ist der Netzanschluss reichlich Unkonventionell. Das Kabel wird in der Buchse nicht durch Druck, sondern durch Magnetkraft gehalten, so wie ich das sehe. Definitiv eine nette Idee. Das Gehäuse matt silbern aus Aluminium. Man sieht keine Schweißnaht, von außen sieht man ein großes Stück Aluminium mit ein paar Platten, und dann nochmal ein robust anmutendes Stück um den Schirm herum. Sehr gut!

Was mir sofort auffällt: Keine Lüftungsschlitze. Nun, doch, es gibt Lüftungsschlitze … einen großen … an der Rückseite. Trotzdem – auch im späteren Hochleistungsbetrieb – bleibt der Rechner relativ kühl.

Auch die Tastatur ist – zumindest physikalisch gesehen – traumhaft. Man muss fast nicht drücken, im Grunde „gleitet“ man mit den Fingern über die Tasten. Leider nur physikalisch (aber dazu später mehr).

Ein unscheinbarer kleiner Punkt dient dem Anschalten des Rechners. Der Punkt ist erreicht, wo meine Faszination zu schwinden beginnt – der Moment des ersten hochfahrens.

Zuerst mal werde ich von einem grässlichen Ton, wie ich ihn von einer Game Gear erwarten würde. Nach ein bissel weißem Schirm der sich nicht entscheiden kann was er anzeigt, kommt dann aber gleich eine High-End-Animation mit einem fliegenden silbernen X durch ein blauschwarzes Firmament. Seltsame viel zu laute Musik schalmeiht mir entgehen, die ich erst nach einigem Suchen leiser stellen kann. Verwundert warte ich auf irgendeinen Dialog.

Nachdem dieser endlich gekommen ist erstmal ein Schock: Was zeigt dieses Ding mir da an? Nun, das war … ich … tatsächlich, es fragte mich, ob ich einen Useraccount anlegen will, und wollte ein Foto von mir machen. Jo, nettes Feature, der Computer konnte ja nicht wissen, dass ich gerade total übermüdet war – es wäre sicherlich ein interessantes Foto geworden, ich entschied mich dann für ein alternatives Bild, von einer Blüte, die mir nach einer Gerbera aussah – immerhin meine Lieblingsblumen.

Tja. Irgendwelches Zeug installierte sich, die Netzwerkkonfiguration funktionierte nicht wirklich gut (das passiert, wenn Software nicht das machen will, was man ihr sagt), aber schließlich öffnete sich die Benutzeroberfläche.

Der Stil der Mac-Oberflächen ist gewöhnungsbedürftig aber daran soll es nicht liegen. Viel zu viele Grafikschnörksel. Aber auch das ist zu verschmerzen, denn im Gegensatz zu den Windows-Pendants sind die Effekte hier anscheinend ziemlich gut beschleunigt.

Et iam installierte ich – weil mir safari nicht gefiel – gleich mal Feuerfuchs 3 – das klappte (wie zu erwarten war) ziemlich gut, das Paketsystem von Mac OS ist vergleichsweise gut durchdacht – nicht dass es einfacher ging als auf jedem anderen Betriebssystem, aber es ging wenigstens genauso einfach. Weiterhin probierte ich iChat aus, war damit nicht zufrieden, nutzte also Adium. Für IRC nutze ich – nach einigem Suchen – Colloquy. Dann habe ich mir noch den NX-Client von NoMachine insatlliert. Damit war schonmal das Wichtigste installiert, um mit dem Rechner wenigstens einigermaßen gut arbeiten zu können.

Und da hörte es dann auch schon auf mit der „Benutzerfreundlichkeit“, für die Mac immer so angepriesen wird. Nun, es gibt einen Mailclient, einen Texteditor, und sogar mehrere Arbeitsflächen, alles einigermaßen gut implementiert – nur all das hat KDE auch. Es gibt die Möglichkeit, die Ecken des Bildschirms mit Bedeutungen zu versehen, wenn man mit der Maus dorthin fährt – nur das hat KDE auch. Das ist durchaus ein nettes Feature, aber nichts, was die hohen Mehrkosten eines Mac rechtfertigen könnte. Und die bisher installierten Programme kann man unter jeder einigermaßen gängigen Linux-Distribution mit einem Shellbefehl, oder – bei den bunteren davon – mit ein paar Klicks installieren, ohne sich erst etwas herunterladen zu müssen.

Auf dem Dock sind einige Programmsymbole, man kann (teilweise) neue hinzufügen oder wieder entfernen. Drückt man auf ein Symbol, startet das Programm, drückt man nochmals darauf, kriegt es wieder den Focus – so kann man eigentlich nie so genau wissen ob ein Programm läuft oder nicht. Möglicherweise sehe ich das zu altmodisch, aber ich weiß sowas immer ganz gerne. Trotzdem – das ließe sich durch ein paar kleine Erweiterungen fixen.

Das Ganze erinnert mich btw an WindowMaker unter Linux – klar, WindowMaker ist soweit ich weiß an diese Oberfläche angelehnt.

Die Tastaturbelegung ist nicht so schlimm wie ich sie erwartet hatte (ich wurde vorgewarnt) – es ist zwar völlig sinnlos, die @-Taste an eine andere Stelle zu setzen, aber zumindest ansonsten kann man normale Texte gut tippen. Nur – alle möglichen anderen Zeichen sind auch umbelegt, darunter Klammern, Tilden, und das Backslash habe ich in Forestle suchen müssen – denn tollerweise sind diese Zeichen zwar da, aber nicht auf der Tastatur eingezeichnet. Jippie! Adlersuchsystem ftw!

Das mit dem @ ist natürlich zusätzlich fies, denn dort wo man normalerweise AltGr erwartet, ist die tolle Funktionstaste von Mac, „cmd“, und wenn man diese und q drückt, bedeutet das soviel wie Fenster Schließen. Da hätten wir noch ein Problem: Man kann alle möglichen Tastenkombinationen verändern, aber diese nicht. Diese würde ich gerne abstellen, da ich sie nicht unbedingt brauche, und es mir halt doch hin und wieder noch passiert, dass ich das @ so eingeben will. Das ist dann ärgerlich. In KDE ist das zwar umständlich, aber man kann es. Außerdem hat das X-Window-System unter Linux xmodmap, damit kann man die Tastaturbelegung ändern, in Mac scheint das komplizierter zu sein, einen „benutzerfreundlichen“ Weg habe ich bisher nicht gefunden (sicher geht es irgendwie).

Dann ging es natürlich ans Eingemachte: Programmieren! Das, wofür Computer gemacht sind. Erstmal probierte ich Fink, da es dpkg verwendet, und ich mich damit – nach Jahren des Debian-Nutzens – etwas auskenne. Fink wurde mir aber von vielen Leuten abgeraten und hat auch keine guten Pakete. Also – neustart mit der Alternative, macports. Im Gegensatz zu Fink benutzt macports leider kein dpkg, und compiliert alles was man installieren will anscheinend selber – zumindest weiß ich nicht, wie man Binaries bekommen kann. Nun, und das dauert lange. Vorhin habe ich in Unachtsamkeit versucht darcs zu installieren, und habe nicht bedacht, dass es in Haskell geschrieben ist – jetzt hab ich auch noch den Glasgow Haskell Compiler verpasst bekommen (das Compilieren dauert stunden – und ist noch nicht fertig). Mei, einem geschenkten Barsch schaut man nicht ins Maul. Ansonsten kann ich alle möglichen Emacse installieren, aber keines kriege ich momentan dazu, sich mit Slime zu vertragen. Ein Problem, das ich sicherlich auch noch lösen werde.

Da ich die Compilierung nicht abbrechen will, habe ich mir DeepSleep installiert – da Mac OS von sich selbst aus kein richtiges Suspend to Disk hat.

Im Großen und Ganzen – nunja, es ist ein Betriebssystem wie jedes Andere, ich sehe nicht, wieso es viel besser sein soll. Vermutlich ist die Hardwareunterstützung besser, bisher kann aber KDE durchaus mit der sonstigen Benutzeroberfläche mithalten.

Ich vermute einfach, Mac ist nicht so richtig das Richtige für mich. Aber eben auch nicht unbedingt das Falsche. Ich habe inzwischen mehrfach mit dem Gedanken gespielt, mein Rückgaberecht zu nutzen. Aber ich denke, letztendlich wird die Neugier siegen, und ich werde mich damit anfreunden.

3 Antworten zu Erste Erfahrungen mit Mac OS

  1. Ein paar unsystematisch zusammengewürfelte Anmerkungen, die mir gerade einfallen.

    Zum Startton: Ich kenne den Startton des MacBooks noch nicht, aber ich gehe davon aus, daß es sich um den ganz normalen Mac-Startton handelt. Über seine akustische Ästhetik mag man sich streiten — aber er gehört einfach dazu. Als Teil der Mac-Kultur sozusagen. Wenn man ihn ausschalten möchte — bei einem portablen Gerät wohl allgemein nicht das Dümmste — hilft einem http://www5e.biglobe.ne.jp/~arcana/StartupSound/BETA/index.en.html weiter.

    Zum Dock: Er ist der Grund, aus dem ich unter GNU/Linux nur noch WindowMaker verwende. In der Tat ist dieser bedienungsmäßig verwandt mit Mac OS X, allerdings auf Umwegen: Beide lehnen sich jeweils an NeXTstep an (von welchem Mac OS X sogar direkt abstammt). Ich liebe es, meine Anwendungen immer an derselben Stelle zu haben und stets zu wissen, wie ich zu jeder Anwendung wechsle, die ich brauche. Ich möchte allerdings anmerken, daß mir die Umsetzung in WindowMaker wesentlich lieber ist als die in Mac OS X. Ich vermisse in letzterer die Möglichkeit, Anwendungssymbole klumpenartig (d.h. nicht lediglich eindimensional) anzuordnen, und daß die Symbole bei wachsendem Dock immer kleiner werden, ist ebenfalls ein Minuspunkt.

    Zu SLIME: Aquamacs (http://aquamacs.org/) funktioniert ziemlich gut mit SLIME zusammen. Es hat SLIME sogar lange Zeit gleich selbst mitgebracht. Ob das immer noch der Fall ist, weiß ich nicht; ich habe sowieso stets die SLIME-Version aus dem CVS verwendet.

    Insgesamt schien mir Emacs jedoch zumindest auf meinem Mac Mini unter Mac OS X immer etwas unangenehmer zu bedienen zu sein als unter Debian. Ich vermute, daß das vor allem am Schriftrendering liegt. Der PowerPC-basierte 2005er Mac Mini ist zu langsam, um die kantengeglättete Schrift unter Mac OS X so schnell darzustellen wie die Pixmapschriften unter X11. Ich bin gespannt, wie anders sich alles auf einem modernen MacBook anfühlt.

    Über das etwas frustrierende Thema des Paketmanagements unter Mac OS X habe ich vor gut einem Jahr einen bissigen Eintrag in meinem Journal geschrieben: http://matthias.benkard.de/journal/30 — darin beschrieb ich alle vier Paketmanagementmechanismen kurz, die ich kenne. Wesentlich geändert hat sich seitdem meines Wissens nichts, also könnte Dich der Eintrag interessieren. (Kurz zusammengefaßt: Das Fazit war, daß man sich pkgsrc ansehen sollte.)

    Zur Tastaturbelegung: Mit Ukelele (http://scripts.sil.org/Ukelele) lassen sich Tastaturbelegungen schön graphisch erstellen. Ich habe mir das NEO-Layout damit selbst gebastelt, kann also bezeugen, daß es funktioniert. Nur das Aktivieren der selbstgebauten Tastaturlayouts hat seine Tücken. Damit es wirklich sicher funktioniert, kann man sie eigentlich nur in den systemweiten Tastaturlayoutordner legen und den Rechner neustarten. Es soll zwar auch benutzerweit und ohne einen Reboot gehen, aber so recht gelungen ist mir das nie.

    Zuguterletzt, die Benutzerfreundlichkeit — nun, die ergibt sich nicht aus den Einzelteilen. Sie ergibt sich dadurch, daß Programme unter Mac OS sich zueinander wesentlich ähnlicher verhalten als in anderen Umgebungen sowie besser zusammenarbeiten. Ein Beispiel: Man kopiert aus dem Webbrowser einen Absatz einer Website und fügt ihn in ein Chatfenster des IM-Clients ein. (Mit Drag’n’Drop natürlich — Copy’n’Paste ist lame.) Ich weiß nicht, wie es Dir dabei geht, aber zwischen Firefox und Pidgin unter X11 habe ich eine Menge Probleme damit. Unter Mac OS X funktioniert es halt einfach. Dieses „halt einfach Funktionieren“ ist es, was Mac OS X benutzerführungsmäßig die Konkurrenz in den Schatten stellen läßt. „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ und all das.

    Details zählen — für den einen Benutzer mehr als für den anderen. Wenn man keinen Wert darauf legt, daß man _alle_ Anwendungen mit ⌘H verstecken und mit ⌘Q beenden kann, dann hat man von Mac OS X vielleicht wirklich nicht genug, um den höheren Preis der Hardware zu rechtfertigen. (Andererseits: Ein 13-Zoll-Laptop von Dell kostet auch nicht _so_ viel weniger als ein Unibody-MacBook, wenn man den Studentenrabatt bei Apple mit einrechnet. Das ist jedoch wieder ein anderes Thema.)

    Nun, Du wirst schon die richtige Entscheidung treffen, welche auch immer das ist. Viel Spaß jedenfalls noch beim Herumprobieren! :)

  2. Stefan sagt:

    Nun gut, im Dock ist eigentlich immer klar erkennbar, welche Programme laufen und welche nicht. Das muss man eigentlich doch nicht extra erwähnen, da man es auf den ersten Blick sieht. Übrigens ist die „Läuft derzeit“-Markierung im Mac OS X-Dock, wie ich finde, deutlicher und einfacher zu erkennen als die bei Windows 7 (welches ja ebenfalls Dock-artig wird).

    Die Problematik des @-Zeichens hast du doch selbst entdeckt. Liegt es auf Q kann es passieren, dass man aus Versehen Cmd+Q statt AltGr+Q drückt und damit das Programm beendet. Um solche Unfälle zu vermeiden, befindet sich das @ eben auf L. Keine große Sache. Als normaler Mensch hat man sich in ein paar Tagen umgewöhnt. Viel schlimmer wäre es doch, wenn Q schließen wäre und @ trotzdem dort wäre. Denn dann hätte man das Problem permanent.
    Wie? Q einfach nicht für „Schließen“ verwenden? Na ja. Man muss ja nicht jeden Unsinn nachmachen. Nur weil manche System „Alternative + Funktionstaste 4“ (Alt + F4) für ganz intuitiv halten, ist „Befehl + Quit“ (Cmd + Q eben) nicht unintuitiv ;-)

  3. dasuxullebt sagt:

    Also ich hab das nur bei Adium gesehen. Bei allem Anderen nicht. Windows 7 kenne ich nicht. Naja, das Problem mit dem Fenster-Verschieben ist mir atm auf jeden Fall das Wichtigste.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: