Mit dem Internet-Explorer gegen den Welthunger

Ein neuer Browserkrieg bahnt sich an oder ist bereits im Gange, wie dem auch sei. Neue Techniken zur Sicherheit werden notwendig, und um sich Marktanteile zu sichern reicht es heute auch einfach nicht mehr, Webseiten korrekt darzustellen. Es gibt einen Haufen neuer Formate die schwer zu implementieren sind, und Allgemein gibt es die leider nicht aufhaltbare Tendenz dazu, dass Browser immer mehr zu Betriebssystemen mutieren.

Und so kommt es, dass nahezu alle Browserhersteller mit neuen Ideen punkten wollen. Opera mit seinem Opera Unite, ein durchaus interessantes Projekt, das sicherlich große Erfolge haben wird, und ich bin mir relativ sicher, dass da auch die anderen Browser nachziehen werden. Firefox investiert viel in die Schnelligkeit, und wird das Ogg-Format unterstützen. Google Chrome hat bereits einige neue Techniken zur Sicherheit von Anfang an dabeigehabt, ist aber doch noch ein recht Junger Browser, und gibt sich erstmal der Portierung auf andere Systeme hin. Auch Safari hat einige Neuerungen. Alles schön und gut, so soll es ja sein: Konkurrierende Produkte die versuchen besser zu werden. Ein ganzes Stück Hype gehört natürlich dazu. Trotzdem punkten diese Browser vor Allem mit „features“, ob sie nun sinnvoll sind oder nicht.

Es hat den Anschein dass Microsoft hier einen anderen Weg geht, wie ich auf dem Basic Thinking Blog gelesen habe. Sie starteten eine Werbekampagne namens „Browser for the Better„. Dort wollen sie für jeden Download 8 Mahlzeiten an bedürftige Amerikaner spenden.

Ein Riese wie Microsoft kann sich so eine Aktion leisten. Microsoft versucht also nicht durch Funktionalität zu überzeugen, sondern durch den Einsatz finanzieller Mittel für Dinge, die damit nichts zu tun haben. Lesen wir uns mal das Kleingedruckte durch. Zitat:

„Only complete downloads of Internet Explorer 8 through http://www.browserforthebetter.com from June 8, 2009, through Aug. 8, 2009, qualify for the charitable donation to Feeding AmericaTM. Microsoft is donating $1.15 per download to Feeding AmericaTM, up to a maximum of $1,000,000. Meals are used for illustrative purposes only. Meal conversion is effective until June 30, 2010.“

Das find ich ja mal genial. Sie zahlen maximal eine Million Dollar (Und wtf: 8 Malzeiten für $1.15 – wenn das so billig ist, frag ich mich, wieso überhaupt so viele Leute in Amiland hungern). Die Rechnung geht auf, wenn man sich überlegt, wie viel es kosten würde, irgendeine innovative neue Technologie zu entwickeln wie die anderen Browserhersteller es tun.

Aber selbst das ist garnicht die Frage. Selbst wenn sie keine Obergrenze hätten. Ich finde solche Aktionen schlichtweg schwachsinnig. Ein Browser ist eine technische Entität, deren Qualität objektiv wenn nicht bewertbar dann wenigstens beschreibbar ist. Freilich bevorzuge ich Firefox aus „ideologischen“ Gründen, weil er ein Open Source Projekt ist, aber dies ist ein objektives Qualitätsmerkmal – Open Source und Freie Lizenzen sind untrennbar mit der Software verbunden, und ich habe die Überzeugung, dass dies gute Prinzipien sind, um die Software selbst und das Internet als Ganzes weiterzuentwickeln. Es mag eine Ideologie sein, aber es ist vor Allem auch eine objektive Meinung zu einer technischen Gegebenheit. Aber Essen spenden für jeden Download ist keine technische Eigenschaft. Es ist etwas völlig unabhängiges. Und vor Allem nutzt sich hier Microsoft seinen Vorteil als Großkonzern aus – Microsoft kann sich so eine Aktion eben leisten.

Nungut, man kann sich natürlich die Frage stellen, ob es nicht trotzdem eine gute Sache ist. Von mir ein klares Nein! Wenn Microsoft Geld spenden will, dann soll es dies tun, und meinetwegen auch davon öffentlich reden. Wäre eigentlich auch die Pflicht der großen Geldträger, vor Allem, wenn man bedenkt, dass man acht Malzeiten für $1.15 bekommt, es also wirklich nicht die Welt wäre, wenn alle Großunternehmen das täten. Das bringt ihnen als Unternehmen Publicity und bewegt sicherlich ein paar Leute dazu, ihre Produkte zu benutzen.

Aber die Produktnutzung direkt mit der Spendenhöhe zu verknüpfen nutzt direkt das Leid der Personen aus, denen geholfen werden soll. Es sorgt – auf lange Sicht hin – dafür, dass Unternehmen ein Interesse daran haben, dass es solches Leid gibt. Das will ich weder Microsoft noch irgendeinem anderen Unternehmen unterstellen, ich merke nur, dass es eine generelle Tendenz zu solchen Spendenaktionen gibt. Und ich sehe eben diese konkrete Gefahr darin, sollte diese Marketingmethode Schule machen.

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