Wer hat euch ins Internet eingeladen?

Das Internet entstammte vielen Quellen. IP wurde z.B. meines Wissens vom USA-Militär entwickelt für einigermaßen sichergestellte Kommunikation. Das Internet als solches in einer ähnlichen Form wie wir es kennen ist aber letztlich für die Bildung, für den Austausch von Forschungsdaten, entwickelt worden, soweit ich das mitbekommen habe.

Der „Traum“ des WWW war es, ein Netzwerk zu entwickeln, um Informationen zu vernetzen. Das unterscheidet das „Web“ vom „Internet“ an sich. Das Internet ist ein großes, aber im Grunde nicht weiter übersichtlich zusammenhängendes Netz von Komputern. Das „Web“ ist ein Netz von Informationen in diesen Computern.

Auch wenn es schon immer Filesharing und „böse Buben“ (wie die Werbemails von web.de es nennen) gab, die Welt des Internets war lange Zeit weitestgehend in Ordnung – ungefähr so lange, bis irgendwelche Leute begannen, zu versuchen, es zu kommerzialisieren, und wie eine Heuschreckenplage alles was das Internet wirklich ausmacht aufzufressen. Klar, es ist eine hervorragende Verkaufsplattform. Und die Nutzung als solche ist nicht unbedingt verkehrt.

Im Gegenteil, das Internet ist eine gute Sache, und warum soll man es nicht auch zum Verkaufen nutzen. Und die großen Telekommunikationsunternehmen haben sich auch teilweise positiv auf das Internet ausgewirkt, es gibt jetzt relativ annehmbares mobiles Internet, und die Netze sind relativ weit ausgebaut und relativ schnell – da bin ich realistisch, wäre das Internet eine Randerscheinung geblieben, wäre es wohl nie so weit gekommen. Sie handeln mit dem Internet selbst, sie erweitern es um Angebote, damit man es besser nutzen kann. Sie machen es mehr Leuten zugänglich.

Aber viele andere Unternehmen (ich bitte um Verständnis, dass ich hier nicht konkreter werde) sehen eben nur eine Verkaufsplattform im Internet. Ein Werkzeug, um ihre Produkte besser zu verkaufen. Wie die Sprichwörtliche Kuh, die man melkt, und der man immer so viel zu fressen gibt, dass sie grade noch ihre Milchleistung behält, nutzen sie das Internet soweit aus wie es geht, und geben nur so viel zurück, wie unbedingt notwendig ist, damit sie ihre Verkaufsplattformen weiterhin halten können.

Nun, das ist wirtschaftliches Verhalten. Bereits die Möglichkeit, Dinge über das Internet zu kaufen oder sich über Produkte zu informieren oder ein Forum zu haben in dem man beraten wird oder sonstiges bereichert ja letztendlich das Internet – ein wenig, wahrscheinlich auch weniger, als die Unternehmen selbst. Aber nunja, an sich würden sie dem Internet nicht schaden. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass niemand sie gezwungen hat, das Internet zu nutzen. Niemand hat sie darum gebeten. Sie haben es freiwillig getan.

Doch nun versuchen eben Diese mit Hilfe der Politik das Internet zu übernehmen. Eine erste Hürde haben sie ja mit Zensursula’s Gesetz schon genommen. Die Contentindustrie dürfte sich zum Beispiel die Hände reiben, denn im Volk haben Netzsperrenforderungen gegen „sonstige illegale Aktivitäten“ (zu denen auch Copyrightverletzungen gehören) kaum mit Widerstand zu rechnen. Sie werde auch vorerst einen größeren Siegeszug haben, bis (so hoffe ich) die Jüngere Generation die Politiker stellen wird. Die Generation, die das Internet versteht.

Aber darum geht es mir garnicht. Es geht mir mehr darum: Das Internet wird nicht mehr nur kommerzialisiert, das Internet ist bereits kommerzialisiert. Jede kleine Kackseite benutzt inzwischen Flash und irgendwelche Werbeeinnahmen. Wenn man irgendetwas im Internet veröffentlichen will muss man immer im Hintergrund Angst haben, dass es irgendeinem Rechtsverdreher nicht passt, der an einen hinreichend unwissenden Richter gerät.

Vor Allem aber: Die Leute sind immer weniger bereit, selber etwas für das Internet zu tun. Die Leute wollen konsumieren ohne zu produzieren.

Zum Beispiel hört man von Zeit zu Zeit, dass kommerzielle Angebote das Internet „vereinfachen“. Flash zum Beispiel vereinfacht es dem „Nutzer“, Filme anzusehen. Vorher musste man sich mühsam darum bemühen, die notwendigen Codecs zu installieren. Skype erleichtert es dem „Nutzer“ VoIP zu betreiben, aber – und das finde ich so erschreckend – die meisten Leute benutzen es zum Chatten. Ja, Skype-Chats sind schon was tolles. Sie leisten zwar nicht wirklich mehr als IRC, aaaber sie sind einfacher zu konfigurieren. Es ist ja dem „Nutzer“ nicht zuzumuten, Servername und Port einzugeben. Die gesamte Palette an AJAX-Standards erleichtert es dem „Nutzer“, er braucht nur noch seinen Browser, der Browser wird zum Betriebssystem. Wer kann denn einem „Nutzer“ zumuten, sich einen anständigen Mail-, Chat-, und Messaging-Client zu installieren.

Was für ein Schwachsinn! Ich bemühe mich wirklich nicht feindlich gegenüber neuen – auch kommerziellen – Diensten zu sein. Ich sehe nur nicht ein, wieso jeder Depp „Nutzer“ sein muss, und wieso man diesem „Nutzer“-Ideal so sehr verfallen ist. Wer am Internet teilnehmen will, sollte auch ein wenig lernbereit sein.

Man muss ja nicht gleich Fachbücher wälzen bevor man ins Internet darf. Im Gegenteil: Das Internet bietet im Grunde schon alles, was man braucht, um es zu lernen. Neben zahlreichen Dokumentationen vor Allem einen Haufen hilfsbereiter Leute, die einem gerne auch mal Dinge erklären, und weiterhelfen. Und die erklären einem normalerweise auch, was man seinem IRC-Client eingeben muss, damit er funktioniert. Erstmal. Sie erklären einem was ein Server ist, bzw. das lernt man mit der Zeit sowieso, und was ein Port ist. Wenn man sich nur minimalistisch damit beschäftigt hat man in kürzester Zeit eine wenigstens Grobe Ahnung davon, womit man eigentlich arbeitet.

Und mehr muss ja auch nicht sein. Ich sage ja nicht dass man genau wissen muss wie TCP funktioniert, und welche Alternativen es gibt. Aber die Angabe eines Servers und einer Portnummer, oder das Herausfinden der eigenen IP-Adresse (und vor Allem erstmal das Wissen dass man so etwas hat), das sind Begriffe, die kann man sehr oberflächlich verstehen, aber man sollte dafür auch ein oberflächliches verständnis haben. Und wen so etwas überfordert, der hat meiner Meinung nach nichts im Internet verloren!

Und bevor man das Internet dem Mainstream zugänglich gemacht hat, war es auch noch so – mangels Alternativen – dass man diese oberflächlichen Grundbegriffe eben kannte. Man wusste einfach, dass es einen Port gibt. Fertig.

Die Kommerzialisierung hat aber dafür gesorgt, dass es Alternativen gibt, die so DAU-Freundlich wie möglich sind, und dem DAU versuchen das Denken abzunehmen. Der DAU ist in Skype z.B. nicht mehr gezwungen, einen Servernamen und eine Portnummer anzugeben. Das ist ihm ja nicht zuzumuten. Der DAU will klicken können, und dann einfach sprechen. Eine Zahl eintippen – die auch noch vierstellig ist – das kann ja wohl nicht sein.

Der DAU will auch keine sinnvollen Fehlermeldungen. Entweder es geht, oder es geht nicht. Wenn es nicht sofort geht, ist es schlecht – es gibt ja Alternativen die sofort gehen. Wenn ein Netzwerkadministrator diese Alternativen sperrt (da viele proprietären Protokolle nicht sehr Zimpelig mit Netzwerkressourcen umgehen – klar, sie sollen ja „immer“ gehen) dann stößt das auf Unverständnis, wie kann denn ein Netzwerkadmin so blöd sein! Immerhin handelt es sich um kommerzielle, hochwertige Software.

Und so wird das Internet voll mit sinnlosen Protokollen gepumpt, die den Leuten vorgaukeln, gut zu funktionieren, damit auch der letzte Idiot es hinbekommt, sie zu benutzen, den es ja schon überfordert, auf „OK“ zu klicken, wenn er gefragt wird, ob er sich mit dem Internet verbinden will. Das ist natürlich gut für die tollen Kommerzialisierenden, denn es schafft einen Markt, auf dem man jede kleine Schwachsinnigkeit als Innovation verkaufen kann. „Nutzer“ – bah! Wir brauchen weniger „Internetnutzer“, wir brauchen mehr „Internetteilnehmer“! Aber genau Erstgenannte hat uns die Kommerzialisierung gebracht.

Nun lernen aber manche Leute auch dazu – und lernen zum Beispiel, dass man durch Filesharing viel Geld sparen kann, weil man ja alles kostenlos bekommt. Nun, es ist zwar ungesetzlich – aber das gemeine Volk nimmt die Copyrightgesetze sowieso nicht ernst. Und da sie trotzdem ein Gerechtigkeitsempfinden haben, bieten sie natürlich im Gegenzug auch alles, was sie haben, an.

Blöd, wenn die DAUs die man ins Internet lockt plötzlich zu wenigstens teilweise mündigen Internetnutzern werden, und auch den Teilnehmergedanken – wenn auch nicht ganz richtig – verstehen. Blöd, wenn die Leute dann nicht mehr einsehen viel Geld für den Content zu bezahlen. Und noch blöder: Langsam sehen sie nichtmal mehr ein warum es überhaupt so dermaßen kriminalisiert wird, das Filesharing. Wo man ursprünglich noch die Filesharer als Diebe darstellen konnte, tun sich heute neue politische Ideen eines anderen Finanzierungsmodells auf, denen man nicht mehr vorwerfen kann, dass sie Diebisches Interesse hätten.

Und so wird die Politik instrumentalisiert, sich in das selbst verschuldete Geschehen einzumischen, und Hirnfürze wie das französische Three-Strikes-Gesetz entstehen. Mit Erfolg wie man sieht. Nein, ich meine damit nicht nur die Netzsperren genen Kinderpornographie – ich bin mir zwar sicher, dass da auch ein ganzes Stück Lobbyismus dahinter steckt, aber vor Allem glaube ich, dahinter stecken unwissende Politiker, die sich zu schnell haben beschwatzen lassen, und jetzt nicht zugeben wollen/können, dass sie vorschnell gehandelt haben. Ich meine damit generell, dass das Thema Copyright und generell Internetrecht immer wieder in die öffentliche Diskussion gerückt wird. Dass Online-Durchsuchung schon in dem Zusammenhang im Gespräch war. Dass auch Netzsperren dies waren. Dass die Politik sich ständig damit beschäftigen muss.

Und das im Grunde nur für einen kleinen Industriezweig, der selbst mit daran schuld ist, dass es Filesharing im großen Stil überhaupt gibt. Und ich frage mich ernsthaft – wie im Titel schon angekündigt:

Wer hat diese Leute überhaupt ins Internet eingeladen? Niemand! Sie sind gekommen, haben eine Verkaufsplattform gesehen, und wollen sie jetzt an ihre Bedürfnisse anpassen. Mit welcher Berechtigung?

2 Antworten zu Wer hat euch ins Internet eingeladen?

  1. Gar Nicht Wichtig sagt:

    Kennst Du die Eselsbrücke „gar nicht“ wird gar nicht zusammengeschrieben? Nein? Dann merk sie Dir ;-)

    Dein Artikel fängt gut an … driftet ab in die Rubrik „Mein Wille geschehe“ und hat dann leider nur noch einen guten Absatz zu bieten … den letzten …

  2. dasuxullebt sagt:

    Danke für deinen Kommentar.

    Ich halte mich nicht unbedingt akribisch an Rechtschreibung, gerade bei Wörtern wie „garnicht“, bei denen die Schreibweise „gar nicht“ für mich keinen Sinn ergibt (außerdem ist das bei Weitem nicht der einzige Schreibfehler, aber ich korrigiere Schreibfehler selten im Nachhinein, weil WordPress sie sonst wieder auf die Feeds setzt, was die leute, die das Feed abonniert wohl nicht besonders freut).

    Selbstverständlich drücke ich in dem Artikel etwas aus, was meiner Überzeugung entspricht, und argumentiere dafür. Ansonsten weiß ich nicht was du genau meinst mit „mein Wille geschehe“.

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