Internet kritisiert Kooperationen zwischen Merkel und kommerziellen Medienunternehmen

Habe gerade bei Heise folgendes Zitat unserer heißgeliebten Kanzlerin gelesen:

Die Kochsendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und das Politische bei RTL – das geht ja noch. Aber bei den Frauenzeitschriften und dem Internetangebot des ZDF gibt es dann manchmal doch schon erhebliche Sorgenfalten.

Bitte was? Das Politische bei RTL geht noch??? Um diese Aussage zu verstehen, muss man ein bisschen in Rundfunkgeschichte wühlen:

Merkel sagt im Artikel auch noch: „Medienpolitik ist eine der spannendsten Fragen“ . Ich kann mir spannendere Probleme vorstellen, aber sie hat recht, die Union hat sich immer schon stark im Rundfunk engagiert. Wir spulen zurück: 1950 wird die ARD gegründet von einigen Landesrunfunkanstalten. Adenauer wollte gerne einen direkt vom Bund bzw. der Union abhänigen Privatsender für Propaganda und Konsumwerbung. Die eigens gegründete „Freies Fernsehen Gesellschaft“ hatte dazu leider wenig Aussichten, weil Fernsehn verfassungsgemäß in die Zuständigkeit der Länder fiel. Um die Verfassung zu umgehen, gründete man die Deutschland-Fernsehen GmbH, an der man die Länder zu insgesamt 49% beteiligen wollte, aber selber das Programm gestalten wollte. Das scheiterte dann am Bundesverfassungsgericht. Schließlich wurde daraufhin das ZDF gegründet. Irgendwann war das der Union offensichtlich auch nicht mehr hörig genug, sodass sie unter der Kohl-Regierung dafür sorgte, dass mit dem 3. und 4. Rundfunkurteil ein „Duales System“ (Klingt nach Müll, hat damit aber nichts zu tun, obwohl die Assoziation durchaus nicht fern liegt) aus Privatsender und den Öffentlich-Rechtlichen Sendern entstand. Die Privaten sollten dabei nach Absicht der Union ein Gegengewicht zu den als links gebrandmarkten Öffentlich-rechtlichen bilden. Der Witz ist, dass das Verfassungsgericht ausdrücklich die Grundversorgung und die Qualität durch die Öffentlichen gewahrt sehen wollte und nur unter dieser Bedingung die Privaten erlaubte.

So wundert es nun nicht mehr, das Merkel gerne Politik bei RTL sehen will. Andererseits haben sich die kritischen Stimmen auch bei den öffentlich-rechtlichen stark verkrochen in investigative Nischen wie Monitor und Zapp, oder die Hofnarren – das ist nicht abwertend gemeint, im Gegenteil, der Punkt ist nur, dass gerade die Betroffenen bei Kabarett und Satire die Kritik gerne überlachen – wie Neues aus der Anstalt und extra3. Legendär ist da das von Thomas Roth massiv zu dessen Ungunsten verfälschte Interview mit Putin über die Georgien-Krise.
Nicht das es in Zeiten von Terabyte-Platten und Bittorrent irgendwie auch nur ansatzweise „teuer“ wäre, das Programm der öffentlich-rechtlichen im Internet dauerhaft zum Download anzubieten. Aber genau das ist die Begründung für die 7-Tage Beschränkung für den Download. Es würde wohl schon reichen, die Beiträge irgendwie Lizenztechnisch so freizustellen, dass das von dritten verteilt werden kann. Der wahre Grund wird eine Mischung sein aus dem Bedürfnis, die Privaten Sender nicht überflüssig zu machen und einem sehr berühmt Zitat George Orwells:

He who controls the past controls the future. He who controls the present controls the past

Über Qualität in den Privaten brauchen wir uns ansonsten nicht zu unterhalten.
Als Unterbrechung für die Werbung senden die ein paar vergammelten Hollywoodschinken und amerikanischen Serien, überwiegend schlechte (Doku-)Soaps, richtig unlustige sogenannte „Comedy“ und Call-in-TV. Dazu Nachrichten aus den untersten Schubladen der Desinformation (Madonna adoptiert 3-köpfigen Affen. Hinter dir.)

Danke, liebe Union! Danke für diese gequirlte Scheisse. Solange gleichnamige nicht in den Kochsendungen auf den Öffis verwurstet wird ist ja alles in Butter!

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