Pazifismus

Laut Wikipedia gilt:

„Als Pazifismus bezeichnet man eine ethische Grundhaltung, die den Krieg prinzipiell ablehnt und danach strebt, bewaffnete Konflikte zu vermeiden, zu verhindern und die Bedingungen für dauerhaften Frieden zu schaffen. Pazifisten sehen Krieg im Gegensatz zu den Vertretern des Bellizismus nicht als legitimes und wirksames Mittel der politischen Auseinandersetzung und Interessendurchsetzung an. Sie lehnen jede Form bewaffneter Konfliktaustragung, oft auch militärische Selbstverteidigung, ab und setzen stattdessen auf dauerhafte internationale Konfliktregelungen.“

Im Grunde teile ich diese Ansicht. Krieg ist etwas grundsätzlich schlechtes. Ich halte ihn nur letztendlich für unvermeidbar in gewissen Situationen. Wenn ein Land ein anderes, kleines Land, das sich nicht selbst verteidigen kann, angreift und unterdrückt, dann ist die Frage, ob es nicht die Pflicht eines (hinreichend starken) Landes ist, einzugreifen, z.B. – wenn ich sehe dass einer schwächeren Person Gewalt angetan wird, und ich mich Imstande sehe, dies zu unterbinden, hätte ich schließlich auch die Pflicht, dies zu tun. Ich bin auch nicht für die Abschaffung von Armeen und die rigorose Abrüstung. Das Problem: Sobald ein Land eine einigermaßen starke Armee hat, müssen alle anderen Länder dies auch haben, da sie sich sonst nicht dagegen wehren könnten, wenn sie angegriffen würden. Sobald ein Land eine Atombombe hat, müssen alle anderen Länder auch eine haben – sonst gibt es keine Furcht vor den Konsequenzen eines Einsatzes. Das ist dumm, wenn man es „von außerhalb“ betrachtet, aber „von innerhalb“ ist es leider Realität. Meiner Meinung nach sollten die Bestrebungen also nicht hin zur Abrüstung, sondern zu mehr irreversiblen Bündnissen zwischen Staaten und Armeen gehen. Beispielsweise wäre es meiner Meinung nach langsam mal Zeit für eine gesamteuropäische Armee, um endlich dauerhaft den Frieden wenigstens innerhalb Europas hinreichend festzuschreiben.

Aber genug davon. Natürlich ist Krieg etwas schreckliches. Etwas, was Leben zerstört. Etwas, was Ressourcen sinnlos verschwendet. Andererseits hat mich ein Kommentar eines Blogeintrags beim Basic Thinking Blog (Kommentar 15) zum Nachdenken gebracht. Die guten Erfindungen seien demnach immer nur für Krieg oder Werbung gemacht worden. Und in der Tat. Das ist wahr. Am produktivsten waren Menschen – zumindest soweit ich das beurteilen kann – immer zu den Zeiten des Krieges, wenn man ihnen sagt, dass sie für den Krieg arbeiten.

Von Braun hat die Raketen für den Krieg entwickelt, die ersten vom Menschen gebauten Objekte, die im Weltraum waren. Einen Großteil der Technologie zur Gewinnung von Kernenergie wurde nur aufgrund von Kriegen finanziert. Satellitennavigationssysteme entstammen letztendlich militärischen Zwecken, genauso wie das Internet. So pazifistisch man auch sein mag, diese technischen Entwicklungen entstammen wenigstens indirekt kriegerischen Absichten.

Und auch ansonsten könnte man nicht behaupten, Krieg hätte niemals Probleme gelöst, wie man an folgendem Bild sieht:

Except for ending slavery, facism, nazism and communism, war has never solved anything.

Trotzdem würde ich nicht sagen, Krieg ist in irgendeiner Weise sinnvoll. Ich würde es eher so ausdrücken: Menschen sind nicht sinnvoll, und Krieg ist etwas menschliches. Ein gemeinsamer Feind motiviert eben mehr als noch so viele Freunde. Mit Angst erreicht man mehr als mit Hoffnung. So funktionieren Menschen. Vielleicht entwickeln sie sich irgendwann weiter. Aber ich bezweifle es.

Immerhin. Das gemeine Volk will in der Regel keinen Krieg. Krieg bedeutet Arbeit, Entbehrungen und Verluste. Das ist wohl jedem klar. Wie man es trotzdem zum Krieg bewegt, nun, das erklärt uns am Besten jemand, der es wissen muss, Hermann Göring, Zitat:

„Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg (…) Aber (…) es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. (…) Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen (…). Diese Methode funktioniert in jedem Land.“

So wenig Achtung ich auch vor jemandem wie Göring habe. Zumindest in diesem Punkt bin ich mir relativ sicher, dass er wusste, wovon er sprach. Ich mag dieses Zitat, und dadurch, dass es von einer Person wie Göring stammt, wird es auf eine schaurige Weise noch viel bedeutungsträchtiger. Auch das, eine rein menschliche Eigenschaft. Wenn genug Leute brüllen, brüllt man halt mit.

4 Antworten zu Pazifismus

  1. dieentelebt sagt:

    So wie ich das mitbekommen habe, hatte von Braun schon seit seiner Kindheit den Traum von der Weltraumfahrt und hat dann sturköpfig ohne Rücksicht auf Verluste für jeden gearbeitet, der ihn näher an dieses Ziel brachte. Zusammen mit den anderen genannten Beispielen gesehen liegt es m.E. wesentlich an der Finanzierung, weniger an mangelndem Talent oder mangelndem Einsatz der jeweiligen direkt Beteiligten in Friedenszeiten, soviel zu „wenn man ihnen sagt“. Finanziert wird das durch einen mächtigen Einzelapparat, das Militär, wo ein paar Funktionäre auf teure und risikoreiche, aber im Falle des Erfolgs sehr wertvolle Großprojekte „wetten“ können. Dafür ist das Militär wie geschaffen, das ist quasi eine Art kommunistische Diktatur innerhalb des Staates, und die Kosten sind natürlich der Bevölkerung klar zu vermitteln (->“wir werden angegriffen“). Die Frage ist, welche anderen Möglichkeiten gibt es, erfolgversprechende Wissenschaftler und Projekte erstens zu erkennen, zweitens ihre Finanzierung sicherzustellen und auch zu rechtfertigen und drittens das Ganze in die richtigen Bahnen zu lenken? Innerhalb kurzfristig denkender profitorientierter Wirtschafterei wird sowas nämlich eher selten passieren, aber ich bin nicht bereit zu akzeptieren, dass es kein adäquates Mittel außerhalb des Krieges gibt.

    Welche epochalen Errungenschaften wurden denn durch die Werbung gemacht? (und nein, die idiotischen Mini-Displays sind das nicht)

  2. dasuxullebt sagt:

    Was genau durch die Werbung gemacht wurde weiß ich auch nicht. Einen haufen moderner Pseudo-Technologie wohl. Privatfernsehen. Und so.

    Nun, auch in der Planwirtschaft, wo es nicht nur um kurzfristige Profitmaximierung geht, war es so, dass zu kriegerischen Zwecken das Meiste entwickelt wurde. Und ja, es liegt an der Finanzierung, bzw. an der staatlichen und gesellschaftlichen Förderung.

    Und dass es nicht vielleicht ein anderes Mittel gibt, habe ich nicht behauptet. Der Klimaschutz scheint ja im Moment zum Beispiel eine ähnliche Rolle anzunehmen. Auch Seuchen und Naturkatastrophen tun sowas. Stichwort gemeinsamer Feind. Aber es ist auch hier die Angst die uns beflügelt. Vielleicht gibt es auch ein anderes Mittel. Das wäre schön. Aber ich kenne keines.

    Aber immerhin. Wir haben viel erreicht. Die Erkenntnis, dass Krieg etwas grundsätzlich schlechtes ist, was man unbedingt vermeiden sollte, ist ja irgendwie langsam doch im Mainstream angekommen. Und das ist auch gut so. Lieber verzichte ich auf technischen Fortschritt.

  3. Herr Q. sagt:

    Die Seuche und Kriege als Wachstumsvoraussetzung unseres heute reichen Europas: http://faz-community.faz.net/blogs/chaos/archive/2009/07/30/pulverdampf-und-pestilenz-dann-klappt-s-auch-mit-dem-aufschwung.aspx finde das passt gerade ganz gut in den Kontext ;)

    Zum Plakat:

    http://de.rian.ru/analysis/20090821/122800235.html
    Zitat: „Theoretisch gab es natürlich eine Alternative zum Pakt. […] nämlich die Schaffung eines gesamteuropäischen Sicherheitssystems auf der Grundlage von Abkommen zwischen der Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich. […] Die Schaffung eines solchen Systems hätte im Prinzip die Chancen auf die Entfesselung des Kriegs Deutschlands gegen Polen stark abbremsen können.“ Ende Zitat

    Es fragt sich nach der Lektüre, ob der 2WK durch geschickte und entschlossenere Politik hätte verhindert werden können. Ob Deutschland einen ebenso friedlichen Übergang von Nationalsozialismus zur Demokratie vollzogen hätte, ähnlich wie es die Spanier nach Francos Tot erleben durften?

    Der realexistierende Sozialismus wurde nicht durch einen Krieg ausgelöscht. Er ist innerlich zusammengebrochen.

    Werbung:

    Privatfernsehen möge der eine oder andere als Errungenschaft ansehen…

    Werbung ist unnötig, sie erfindet lediglich Neue Verführungsmöglichkeiten.
    Frei nach einem Designer/Architekten zitiert, wird ein vorhandener Wert eines (teuren) Produktes vom Käufer erkannt. Das Produkt verkaufe sich demzufolge ohne Werbung.

    Nur weil pazifistische Meinungen momentan vorherrschen kann es in kurzer Zeit anders aus sehen.

    Was uns beflügelt ist eine zu gute Frage um die Antwort dem Krieg zu überlassen

  4. dasuxullebt sagt:

    Hallo. Danke für deinen Kommentar und entschuldigung dass ich ihn so lange nicht freigeschaltet habe. Er ist irgendwie in den Spamordner geraten.

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