Nerdpoints++: Linux ohne Bildschirm starten

Meinen wunderschönen HP Pavilion dv6010ea hat es jetzt erwischt: Nachdem ich mir mein MacBook zugelegt habe, habe ich ihn zum Desktop-Rechner degradiert. Das hat ihm offenbar nicht gefallen – jetzt ist augenscheinlich das passiert, was man öfters mal von diversen amd-nvidia-Kombinationen hört: Grafikkarte flöten gegangen. Ok, es könnte natürlich auch an den 7 Tagen durchgehender Uptime diese Woche liegen. Der Rechner startet und begrüßt mich mit einem langen und zwei kurzen Pieps, was ungefähr so viel heißt wie „No Graphics. Accept it, Bitch!“.

Genau das hatte ich schon mal. Damals hatte ich noch Garantie. Dieses Mal wird eine Reparatur kaum etwas nützen. Das Erstaunliche ist an diesem Zutand, dass das Betriebssystem booten kann. Zunächst versuchte ich also mein Ubuntu zu starten. Ich vermute mal, der X-Server wird abgestürzt sein, jedenfalls ging das nicht. Dann habe ich – ohne Bildschirm, nur durch „Zählen“ – meine Windows-Partition zum Booten gebracht (ich wollte nur mal sehen was passiert) – nun, zumindest Fehlermeldungs-Sounds gingen noch – das heißt die Soundkarte geht und Booten ist möglich. Wie schön.

Dann habe ich mich daran gemacht den zweiten Punkt in meinem Grub-Menü auszuwählen: Den recovery mode. Da ich nicht mehr die Reihenfolge von Festplatten- und Root-Passwort wusste, probierte ich einfach ein paar mal herum, bis ich „yes | aplay“ ausführen konnte (heißt, bis ich danach einen Ton hörte). Dann zuerst mal ifup eth0, dhclient eth0 (denn NetworkManager unter der Konsole hatte ich noch nicht probiert bis dato). Nun habe ich natürlich aus Sicherheitsgründen bis dato keinen SSH-Server installiert gehabt, das habe ich dann nachgeholt … aptitude install openssh-server eingetippt, enter gedrückt. Dann ein paar mal y-enter (bis ich mir einigermaßen sicher war dass jetzt aptitude keine Fragen mehr haben sollte). Wieder „yes | aplay“. Wunderbar. /etc/init.d/ssh start … und schon konnte ich von außen auf den Rechner zugreifen.

Sobald man mal einen SSH-Login hat, ist der Rest nicht mehr so schwer. Das Wichtigste war mir erstmal, alle Daten von der Platte zu sichern.

Und dann hab ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, ein wenig mit VNC und XDMCP herumzuprobieren. Ich habe sogar eine XDMCP-Verbindung hinbekommen, allerdings gehen einige Sachen (hal, dbus, etc.) nicht richtig (zurecht wohl, man will bestimmte Dinge nicht per Remote-Login zugreifbar machen). Bei entsprechender Konfiguration wäre das allerdings eine Möglichkeit, den Laptop noch sinnvoll zu nutzen. Alte Rechner werden einem mehr oder weniger Nachgeschmissen. Die kann man sich in Thin Clients umfunktionieren. Oder sich gleich einen richtigen Thin Client kaufen. Wobei da natürlich auch die Frage ist, ob ein richtiger Tower-Rechner nicht sinnvoller wäre. Natürlich sind Tower-Rechner und alte Rechner Stromfresser, während Thin Clients eher moderaten Stromverbrauch haben, und auch meistens ziemlich leise sind.

Dann gäbe es natürlich die Möglichkeit, die Grafikkarte auszutauschen. Allerdings ist alles andere als Klar, dass es wirklich an der Grafikkarte liegt – die Grafikkarte könnte theoretisch vollkommen in Ordnung sein, aber es könnte sonstwo irgendwas durchgebrannt sein. Wenn sich da nicht kurzfristig ein sehr billiges Angebot auftut, ist das denke ich die unwahrscheinlichste Möglichkeit.

Und dann gibt es natürlich noch externe Grafikkarten, zum Beispiel USB-Grafikkarten. Wenn die nicht zu teuer sind, ist das durchaus eine Überlegung wert. Viel schlechter als ThinClients über XDMCP werden sie wohl auch nicht sein. Allerdings ist natürlich die Frage, ob man diese Grafikkarten schon sinnvoll unter Linux einsetzen kann.

Jetzt bleibt der Rechner jedenfalls erstmal aus. Sobald ich wieder Zeit habe, schraub ich ihn wohl mal auf und werd versuchen den Staub zu entfernen, der sich darin so gesammelt haben dürfte.

Eine Antwort zu Nerdpoints++: Linux ohne Bildschirm starten

  1. Manuel sagt:

    Erinnert mich an ein ähnliches Problem, das ich mal hatte: mein Rechner wollte nur noch mit ausgebauter Graka starten. Von Festplatte booten ging auch nicht mehr. Also Knoppix rein und blind versucht, SSH zu starten, um wenigstens irgendwie an die Daten zu kommen. Nach ewigen gescheiterten Versuchen hab ichs dann aufgegeben.
    Zuletzt stellte sich raus, dass Knoppix ne englische Tastaturbelegung verwendet hat, was mir jeden Backslash in ein Kaufmanns-Und verwandelte. *dong* >.<

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