ThinClients – Dünne Klienten für dicke Geldbeutel …

VNC gehört zu der seltenen Gruppe von Standards die ich persönlich mag. Klein, schlank, richtige Philosophie. Ein Nachteil von VNC ist, dass es sich ohne Erweiterungen wie JPEG-Kompression und (transparente) Surface Buffer nicht für kleine Bandbreiten eignet.

Doch VNC wurde unter dem Paradigma der einfachen Implementierbarkeit von Clients entworfen. Über eine 10 mbit Leitung (die man in den meisten LANs ohne Weiteres mindestens hat) ist es quasi immer schnell genug.

Nun ist es so, dass man ThinClients doch meistens sinnvollerweise dort einsetzt, wo Traffic keine große Rolle spielt. Der Sinn von ThinClients ist es ja gerade, Rechenleistung gegen Netzwerktraffic einzutauschen. Nun, ein ThinClient, der VNC unterstützt, muss wohl irgendwie 2d-Grafik verarbeiten können, und sollte mindestens 2 USB-Ports haben. An Rechenleistung reichen aber gut und gerne 16 MHz. Ram sollte eigentlich bis auf Grafikspeicher und ein wenig TCP-Unterstützung fast garnichts benötigt werden. Ein besserer Router mit Grafikkarte sollte also reichen.

Ich hab mal folgendes zusammengestellt:

Der ASUS WL-520gU wird momantan zwar nicht vollständig von OpenWRT unterstützt, aber das wird sich wohl geben. Er hat 16 MB Ram, 4 MB Flashspeicher. Das gesamte Pixelarray eines 24-bit Schirms mit 1280*1024 Pixeln braucht etwa 3 Megabyte Speicher. Mehr braucht ein VNC-Client ohne Cache nicht. Das würde also sogar dort schon hineinpassen, und für den Client hätte man sicher trotzdem noch genug Platz. Er kostet laut Amazon etwa 45 US-Dollar, hat eine USB 2.0 Schnittstelle und Ethernet-Schnittstellen. Einen aktiven USB-Hub gibt es für 10 Euro. Eine externe USB-Grafikkarte von Digitus mit 2D-Fähigkeiten für etwa 55 Euro. Freilich – man kann diese Hardwareteile wohl kaum dazu bringen, zusammen einen ThinClient zu ergeben, außer mit erheblichen Hacker-Skills. Aber zumindest theoretisch enthalten diese Teile alles was ein ThinClient braucht. Zwei (sogar mehr) freie USB-Steckplätze, einen VGA-Ausgang, einen Ethernet-Eingang, und zumindest teilweise kann man Linux schon drauf laufen lassen, also hochanpassbar. Gut, der USB-Hub braucht noch eine eigene Steckdose – rechnen wir noch 5 Euro für einen Zweifachstecker. Macht 115 Euro. Mit einer USB-Soundkarte um 3 Euro sind wir bei 118 Euro und können sogar Sound durch das Netzwerk tunneln.

Dazu muss man nun natürlich ein paar Sachen anmerken. Zum Einen ist es sicher schwer, dieses zusammengefrickelte Teil, wenn man es sich den zulegen würde, zu maintainen, weil die Komponenten nicht aufeinander abgestimmt sind. Und die Hardware ist natürlich extrem redundant. Alleine durch entfernen der Redundanz (Grafikkarte intern einbauen statt durch USB, gleich intern einen USB-Hub mit 2 ausgängen, Soundkarte intern, nur ein Netzteil) kriegt man das Ganze  sicher auf unter 100 Euro. Da man auch die zwei Speicherbereiche vereinen kann, und da der Grafikspeicher keine besonders hohe Qualität haben braucht … nun, ich wage zu behaupten, dass man so einen ThinClient für 80 Euro hinbekommen müsste. Zumal die Produktion in Massen den Preis herunterdrücken dürfte.

Aber alle neuen ThinClients die ich fand haben erheblich mehr als 100 Euro gekostet. Die billigeren Exemplare lagen eher im Bereich von 200 Euro. Zum Beispiel der Ultra Thin Client von Sun (einer der Billigsten die ich gefunden habe – das muss man Sun lassen) – gut, der hat noch einen SIM-Kartenleser (Für USB erhältlich für unter 10 Euro …) und eine serielle Schnittstelle (für USB im Bereich von 5 Euro).

Ich bin sehr für ThinClient-Architekturen. ThinClients kriegt man sowieso schon extrem Stromsparend hin, und wenn man einem großen zentralen Rechenzentrum das Rechnen überlässt, das sich um Kühlung, Ressourcenverwaltung, etc., zentral kümmert, anstatt einen haufen PCs zu betreiben die die meiste Zeit umsonst herumidlen würden, ist das wohl auch von der Bilanz her recht gut – zumindest erscheint mir das plausibel, ich lasse mich natürlich gerne eines Besseren belehren, wenn ich falsch liege (und natürlich haben zentrale Architekturen auch ihre Nachteile – keine Frage). Aber ich bin der Meinung, viel mehr als Netzwerksignale in Peripherie umzuwandeln brauchen ThinClienst nicht zu können.

An dieser Stelle finde ich im Übrigen auch diesen Digitus USB Extender interessant, der offenbar USB-Signale durch ein Cat5e-Kabel sendet. Gut, das ist, wie ich es verstehe, nicht Netzwerkkompatibel, es nutzt nur die selben Kabel (wohl, weil man Cat5e-Kabel in ziemlich großen Mengen ziemlich billig bekommt). Aber wer sagt eigentlich, dass man eine ThinClient-Architektur oder gar ein ganzes Netzwerk nicht auch auf USB aufbauen kann? Jedenfalls ist der angegebene Maximalabstand von 60 Metern für USB-Signale ziemlich imba. Sofern diese Kabellänge ausreicht (oder man zwischendurch auf eine andere Übertragungsmethode zusammenswitcht) kann man daran mehr oder weniger direkt alle End-Hardware anschließen. Mit entsprechend Latenzfreier Switch-Hardware ginge das wohl auch.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: