Frustblogging #13 – Schweinegrippe

Ha, das passt doch mal zur bekannten Unglückszahl 13: Ein Post über Schweinegrippe. Gleich vorweg: ich kenne mich mit diesem Thema quasi garnicht aus. Ich gebe es auch zu. Was ich zu sagen habe wird kaum tiefgründig sein!

Warum poste ich dann etwas darüber? Nun, ich habe heute auf einem der tolle Zeitungsständer (mal wieder) einen Zeitungsartikel über selbige Krankheit gesehen. Anscheinend ist eine fünfzehnjährige Schülerin an Schweinegrippe gestorben. Genaueres habe ich nicht recherchieren wollen. Nicht, dass es mich nicht interessieren würde, aber ich sag es mal so … es interessiert mich nicht weniger als das Dutzend Verkehrstote jeden Tag – ich kann nicht um jeden trauern, genausowenig wird jeder um mich trauern können wenn ich einst abtrete. Und ich sehe nicht, was diese eine Schülerin gegenüber den vielen anderen Leuten die heute wohl schon gestorben sind auszeichnet. Für die Angehörigen freilich ist es etwas besonderes. Aber für mich? Wäre sie in einem Autounfall gestorben, ich hätte wohl noch nicht einmal etwas davon erfahren.

Das klingt hart. Und das ist es auch. Deshalb spricht man es normalerweise nicht aus. Noch viel härter ist die Erkenntnis, dass Andere dasselbe denken werden, wenn man selbst stirbt. Aber es ist nunmal so. Es gibt über achtzig Millionen Menschen in Deutschland. Jeder hat ein Schicksal. Viele davon ein schlimmes. Wenn ich nur an jeden dieser Menschen für eine Sekunde lang denke, brauche ich dafür ohne Pause fast 3 Jahre.

Deshalb habe ich es mir abgewöhnt, um Leute, die in der Zeitung stehen, im Speziellen zu trauern. Es kann nicht jeder in der Zeitung stehen, denn nicht jeder Tod ist so spektakulär – selbst wenn er frühzeitig ist – dass die Zeitungen darüber schreiben würden. Mein Gerechtigkeitsempfinden sagt mir hier einfach, dass es nicht richtig ist, bestimmte Menschen, die für mich außer dass sie in der Zeitung stehen nicht ausgezeichnet sind, in meiner Gefühlswelt zu bevorzugen. Anders ist es freilich bei Bekannten und Verwandten, letztendlich ist auch das eine Funktion der Bekanntschaft und Verwandtschaft.

Nun, in der Regel berichten Zeitungen über Todesfälle aber nur, wenn die Gesellschaft an sich, oder zumindest ihre Leserschaft, ein erhöhtes Interesse daran hat. Bei Schweinegrippe trifft das im Moment wohl zu. Auch bei mir. Daran ist auch nichts verwerflich. Die Schweinegrippe ist soweit ich weiß eine relativ neue Krankheit, deren Auswirkungen man im Großen noch nicht genau kennt. Hier interessiert mich aber nicht die Schülerin im Speziellen, sondern die Gesamtzahl an Erkrankten und Toten. Die ist momentan soweit ich weiß noch unter Tausend – in Prozent ausgedrückt also unter 0,00125%. Also in meinen Augen noch nicht wirklich so viel, dass ich im Speziellen davor Angst haben würde.

Aber genau das wollen solche Zeitungsartikel vermutlich: Angst schüren, Panik auslösen – wer Angst und Panik hat, kauft mehr Zeitungen, um sich zu Informieren. Und ich gebe zu: Ja, ich habe Angst vor Schweinegrippe. Ich könnte sie bekommen. Ich könnte daran sterben.

Mir könnte aber morgen auch ein Klavier auf den Kopf fallen – immerhin ist keine 5 Kilometer entfernt ein Klavierladen. Es könnte morgen eine unterirdische Wasserader aufreißen und mich verschlingen, sodass ich qualvoll ersiede. Ja, auch davor habe ich prinzipiell Angst. Nur – es ist sehr unwahrscheinlich. Erheblich unwahrscheinlicher als dass zum Beispiel irgendein besoffener Autofahrer die Kurve nicht mehr kriegt und mich in meine Einzelteile zerfährt. Auch davor habe ich prinzipiell Angst.

Nur – aus irgendeinem Grund halte ich diese Ängste für absurd. Vielleicht, weil ich sonst überhaupt nicht mehr vor die Tür gehen dürfte. Die Welt ist voller Gefahren. Im Grunde muss man jeden Tag dankbar sein wenn man davon verschont geblieben ist. Und wenn dem einmal nicht so sein sollte, wenn denn morgen der Tag sein sollte, an dem mich das Unglück nicht verschont – dann bin ich letztendlich auch nur einer von achtzig Millionen. Die Welt wird sich wohl weiterdrehen. Grausam aber wahr. Ich bin vielleicht für mich etwas besonderes, aber für die Millionen anderer Menschen bin ich – einer von Millionen.

Deshalb bemühe ich mich auch, möglichst gleichgültig auf die Schweinegrippe zu reagieren. Letztendlich ist das Letzte was irgendetwas bringt Panik. Ich habe meinen Arzt gefragt ob ich mich impfen lassen soll, er meinte, es wäre noch viel zu früh momentan. Hat er recht? Ich weiß es nicht. Ich vertraue meinem Arzt soweit, denn auch impfen ist mit Gefahr verbunden. Wenn mein Arzt nicht recht hat, ist er hoffentlich in der Minderheit. Letztlich läuft es auch hier auf ein probabilistisches Argument hinaus: Solange nicht alle dasselbe tun, wird irgendwer wohl überleben. In einer Situation in der man nicht weiß was das Beste ist gibt es keine schlaue Verhaltensweise. Grundsätzlich habe ich nichts gegen Impfungen, ich halte auch nichts von den vielen herumschwirrenden Verschwörungstheorien von Wegen Finanzspritze für die Pharmaindustrie (die könnten sie auch weniger auffällig bekommen). Wenn man mir empfiehlt mich imfen zu lassen, dann werde ich dies tun. Wenn man mir die Wahl lässt wohl auch, weil ich Erfahrungsgemäß Impfungen gut vertrage – aber auch hier darf man nicht vergessen: Auch an einer Impfung kann man sterben. Selbst wenn man alle vorherigen Impfungen gut vertragen hat. Auch hier muss man die Gefahren abwägen.

Bis dato werde ich das tun was ich sowieso immer tue: Ich esse um diese Jahreszeit viele Zitrusfrüchte – weil ich Appetit darauf habe, und ich meinem Körper soweit vertraue, dass er mir sagt, was gut für ihn ist, und soweit ich weiß stärken selbige die Abwehrkräfte. Allgemein schaue ich, dass ich mich dem Wetter entsprechend anziehe. Und – ganz wichtig – ich halte die Hand vor beim Husten und Niesen – bzw. meistens den Ellenbogen, damit ich das Zeug nicht an der Hand kleben habe, wenn ich gerade kein Taschentuch zur Hand habe.

Damit mache ich btw schon mehr als ein Großteil der hustenden Bevölkerung die ich täglich in U-Bahnen antreffe – manchmal frage ich mich, ob die das niemals gelernt haben, ob sie einfach keine Manieren haben, ob ihnen nicht bewusst ist dass das ekelhaft ist, oder ob sie das machen, um – wenn sie schon krank sind – wenigstens noch viele andere zu infizieren, denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Man weiß es nicht.

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