Gedanken, Zeichnungen und Fotos zur Besetzung des Audimax

Als Student erfährt man zur Zeit an einigen Stellen etwas von der Besetzung des Audimax, des großen Hörsaales im Hauptgebäude der LMU München. Diese Aktion scheint sehr viel Aufsehen zu erregen, sogar die Presse berichtet davon. Auch einer meiner Professoren berichtet hoffnungsvoll davon. Klar, zweifelsohne, die Bildungspolitik ist alles Andere als optimal, das merken Mitarbeiter wie Studenten. Ich finde es auch sehr gut, dass es ein relativ großes Medienecho gibt, und ich hätte mir eine konstruktive Diskussion durchaus gewünscht. Aber irgendwie glaube ich nicht, dass es dazu kommt.

Nun, ich bin heute mit ein paar Freunden hingegangen. Warum auch nicht. Soetwas sollte man sich als Student ansehen. Eine Hörsaalbesetzung. Weniger aus Sinn als aus purer Langeweile haben wir dann auch ein wenig herumgetrollt, erstmal ein Banner gemalt

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Longcat Is Long - ein allgemein anerkannter Sinnspruch

Und anschließend dieses Banner zu den vielen anderen Bannern getan

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Mehr Netzkultur! Weniger Schlaf!

Das hat ein wenig Verwirrung verursacht. Aber kaum jemand schien es kapiert zu haben. Schade. Ich hätte ja erwartet, dass hier auch ein paar Piratenparteiler anwesend sind, die es verstehen. Whatever.

Viele Plakate von irgendwelchen Leuten hingen herum. Das war schön, denn ich finde das Audimax ziemlich hässlich, die Plakate waren eine nette Dekoration. Einige der Plakate waren ganz ok, wie man es eben erwartet, einige Andere weniger sinnvoll, eine Fahne sprach von einer „autonomen Zone“. Meine Politische Orientierung mag ziemlich stark links sein, aber ich frage mich, warum die ganzen Spammer sich hier ständig profilieren müssen? Gut, gegen das System sein ist eine Sache. Aber man kann auch gegen Studiengebühren sein, ohne gegen das System zu sein. Und die Mehrheit der Leute ist nicht gegen das System, aber viele sind vielleicht dennoch gegen Studiengebühren und das Bachelorsystem und die ganzen Bildungsreformen. Und ich finde, mit solchen Aktionen sollte man auch die „gemäßigten“ Leute ansprechen. Nun, man kann ihnen nicht den Mund verbieten, und das soll man auch nicht. Aber ich fände es gut wenn es einen allgemeinen Konsens gäbe, dass man seine antikapitalistische oder kommunistische Grundhaltung vielleicht nur soweit zum Ausdruck bringt, wie es gerade passt.

Außerdem – von einer „autonomen Zone“ zu sprechen, das ist lachhaft. Um die zwanzig Leute sitzen in einem riesigen Hörsaal. Vor ihren MacBooks. Oder schlafend. Ein ganzer Flügel von Plätzen ist unbesetzt. Wahrscheinlich könnte man ohne Weiteres eine Vorlesung halten. Die Türen sind offen. Mehr ist dort nicht.

audimax_besetzung

So sieht ein besetzter Raum aus.

Gut, wahrscheinlich habe ich den falschen Zeitpunkt erwischt.

Ein weiteres Problem das ich habe ist, dass ich nicht so ganz verstehe, was das ganze eigentlich genau erreichen will. Das Bachelorsystem „reformieren“ ist ein Punkt, den ich herausgehört habe. Und gegen Studiengebühren natürlich. Aber dass es nicht so sein wird, dass die Studiengebühren abgeschafft werden, nur weil grade ein Raum besetzt wird, das dürfte klar sein. Wann ist denn der Punkt erreicht, wo die Besetzung aufhört? Was ist das genaue Ziel?

Nehmt euch in Acht! Wir können das lange durchziehen! Wir haben genug Sofas!

Vielleicht eine konstruktive Diskussion? Das heißt, sobald entsprechende Politiker bereit sind zu reden, wird die Besetzung aufgehoben? Ich bezweifle dass das ein sinnvolles Ziel ist. Politiker interessieren sich in erster Linie für Wählerstimmen, und das sollen sie in gewissem Maße auch. Und der Wählerschaft sind offenbar Studiengebühren egal, oder sie befürworten sie – sonst würden nicht die Politiker an der Macht sein, die an der Macht sind, und bei denen klar ist, dass es Studiengebühren geben wird. Eine konstruktive Diskussion wird also kaum möglich sein, schon garnicht bei steigenden Erstsemestererzahlen.

Vielleicht einfach seinen Frust rauslassen? Nun, im Gegensatz zu der Meinung die ich von vielen anderen Leuten erwarte, ist das in meinen Augen durchaus ein legitimes Ziel. Man darf öffentlich seine Frustration über ein bestehendes System zum Ausdruck bringen. Das ist notwendig und sinnvoll. Es ist ein Zeichen dass etwas nicht gut läuft, und dass irgendwelche Leute sich schleunigst daran machen sollten, sich zu überlegen, wie man es ändert. Aber wenn DAS was ich da gesehen habe „Frust rauslassen“ ist, dann kann die Frustration nicht so groß sein.

Vielleicht einfach nur Aufmerksamkeit für das Thema erregen? Nun, das ist wohl gelungen – wenn auch nicht wirklich zurecht. Das wird sicherlich auch noch ein paar weitere Male gelingen. Andererseits merke ich bei mir und auch bei einigen anderen Leuten dass die ganze Sache langsam langweilig wird. Wie viele Zimmer will man noch besetzen? Wie oft will man noch demonstrieren? Ein sinnfreies Unterfangen meiner Meinung nach. Dem Politiker hinter seiner Bannmeile können friedliche Demonstrationen vollkommen egal sein, und gewalttätige Ausschreitungen kommen ihm nur recht, um die Demonstranten als Abschaum abzustempeln.

Im Grunde sehe ich auch nicht wirklich ein, warum ich mich noch allzu sehr für irgendetwas dahingehendes einsetzen sollte. Es gibt hinreichend Studenten in den frühen Semestern. Sicher genug, um einen Hörsaal zu füllen. Wo waren die? Mein Studium neigt sich dem Ende zu. Ich kann mir die verbleibenden Semester jetzt auch noch leisten. Freilich, wenn viele Leute hingehen, gehe ich auch hin, um meine Solidarität zu zeigen. Aber wegen den paar Leuten die da rumgegammelt sind – da fällt mir irgendwie spontan ein alter Sketch ein:

Offenbar besteht von Seiten der Studenten kein hinreichendes Interesse. Das ist Schade um die wenigen, die sich ein Studium nicht leisten können, oder die es nicht schaffen weil das Bachelorsystem nur darauf aus ist gute Studenten rauszuprüfen, aber die Demokratie richtet sich nunmal nach der Mehrheit. Und wenn der Mehrheit der Studenten das egal ist, dann soll es mir auch egal sein. Ich werde dann hoffentlich graduiert sein, und eine entsprechende Arbeitsstelle finden.

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