Von Mäusen und Austern

Auch Leichenfresser suchen hin und wieder mal Abwechslung. Und wenn sie die an Land nicht finden, dann finden sie sie eben im Wasser, und wenn man nichts mehr findet, was gut schmeckt, dann isst man eben aus Langeweile auch mal Tiere die nach Urinstein riechen – so kommt es, dass Leute, die nicht wissen wohin mit dem Geld, Austern als Delikatesse ansehen.

Frei von dem Anstand, ein Tier wenigstens zu töten bevor man es frisst – ein Verhalten, das eigentlich alle höheren Tiere instinktiv zeigen sollten – knackt man sie auf und träufelt erstmal Säure auf sie um sich zu vergewissern dass sie auch noch leben. Und nachdem man natürlich wenn man reich ist auch auf gar keinen Fall sterben will, braucht man einen Vorkoster, und da man da momentan die Menschenrechte doch noch ernst genug nimmt um keine billigen Ein-Euro-Jobber Sklaven dazu zu zwingen, benutzt man eben Mäuse. Die sind zwar zu schlau um irgendwas das nach Pisse schmeckt zu essen, aber man kann es ihnen in die Bauchhöle spritzen – gut, dann sterben sie zwar garantiert, aber eventuell etwas früher, wenn die Muschel giftig war.

Nun gibt es natürlich wiederum Tierschützer, die sich beschweren, dass für ein paar Esslöffel voll widerlichem Schleim Mäuse qualvoll sterben müssen. Und diese haben argumentativ insofern die Nase vorn, als die Tests an Mäusen oft falsche Ergebnisse liefern, weshalb sie es in Frankreich offenbar geschafft haben, eine Diskussion anzustoßen.

Laut taz.de will Frankreich jetzt also die Mäusetests abschaffen. In meinem Geiste begann sich, als ich den Titel dazu las, schon fast soetwas wie Respekt gegenüber der französischen Tierschutzpolitik zu entwickeln, zumindest bis ich den Artikel las. Ich bin mir zwar sicher, dass die französischen Tierschützer da ihre Finger massiv im Spiel hatten, doch zumindest bei der Lektüre des Taz-Artikels bekomme ich den Eindruck, als wäre den restlichen Beteiligten das Wohl der Tiere ziemlich egal. Wenigstens dem betreffenden Taz-Autor war es offenbar ziemlich egal.

Und so kommt es, dass man von den verhassten Mäusen von Brüssel liest die den armen Austernzüchtern die Existenz kaputtmachen. Bloß kein Wort für die Mäuse und deren Leid verschwenden – nein, lieber auf Formulierungen zurückgreifen, die den Mäusen sogar indirekt die Schuld geben. Dann muss man sich auch nicht mit der generellen Ethik hinter Tierversuchen auseinandersetzen – ein Thema das ich viel interessanter fände.

Momentan gibt es ja die gesetzliche Regelung, dass Tiere nur dann getötet werden dürfen wenn es notwendig ist, wobei der Verzehr von Tieren als hinreichender Grund angesehen wird. Und es darf ihnen dazu nur so viel Leid wie unbedingt notwendig hervorgerufen werden. Vielleicht wäre eine sinnvolle Zusatzregelung, dass man auch jedes Tier, das explizit zur Fleischherstellung getötet wird, verzehrt werden muss. Immerhin – von drei Mäusen wird man wohl eher satt als von ein paar Austern.

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