Schweine

„Schwein“ … ein häufig gebrauchtes Schimpfwort, gelten doch die Paarhufer in einigen Mythologien als unrein, und generell aufgrund ihres Essverhaltens als dreckig, da sie instinktiv wühlen, was in Stall-Umgebungen dazu führt, dass sie sich oft verdrecken.

Wenn ich aber an die Zeit zurückdenke, als ich in der Schule ein Praktikum in einem Tierheim gemacht habe, denke ich persönlich allerdings eher positiv über Schweine. Im Gegensatz zu den dortigen Primaten (und sonstigen Tieren) haben die Schweine sich eigenständig eine Ecke gesucht, um ihre Notdurft zu verrichten, und so ist das Ausmisten eines Schweinestalles der einigermaßen deren Natur entspricht wohl erheblich angenehmer als das Ausmisten jedes anderen Stalltyps.

Nun haben Schweine das Problem, dass nicht nur ihr Fleisch recht gerne gefressen wird, sondern auch, dass sie dem Menschen sehr ähnlich sind, weshalb man unter Anderem auch mit ihren Innereien liebäugelt, und Versuche an ihnen durchführt.

Nun gibt es verschiedene Arten von Tierversuchen. Die wenigsten von denen ich gehört habe erscheinen mir sinnvoll. Zumindest kann ich aber noch irgendwie verstehen, dass Forscher unter dem Druck akademisch weiterzukommen um weiterhin Forschungsgelder verschwenden zu dürfen und mangels kreativer Intelligenz irgendwelche seltsamen Chemikalien in Tiere spritzen, um zu sehen, wie diese darauf reagieren. Immerhin sind biochemische Vorgänge kompliziert, und so toll sich die moderne Medizin auch vorkommt, im Endeffekt, so scheint es mir als Laien, hat man was dieses Thema angeht bisher nur an der Oberfläche gekratzt. Wie dem auch sei.

Was ich nicht verstehe ist, wie man auf die Idee kommt, im einundzwanzigsten Jahrhundert lebendige Schweine im Schnee zu vergraben. Und vor Allem mit welcher Motivation. Lawinenopfer gibt es viele, und somit auch die Erfahrung mit ihnen – ich kann mir nicht vorstellen, dass man wirklich irgendwelche relevanten Daten erhält, die irgendwelche neuen Erkenntnisse bringen, und in irgendeiner Weise Lawinenopfern zu Gute kommen können.

Ich sage gleich vorweg, ich möchte nichts relativieren, es geht mir – auch wenn ich Laie bin – um eine rein wissenschaftliche Betrachtungsweise, ich musste hierbei – ohne es ethisch irgendwie aufwiegen zu wollen – an die Unterkühlungsversuche von Sigmund Rascher denken – und diese gelten als wissenschaftlich vollkommen Sinnfrei, sie haben keine relevanten Ergebnisse geliefert. Und zumindest aus rein wissenschaftlicher Sicht sollten doch beide Experimente relativ ähnlich sein, es sollte doch zumindest nicht zu erwarten sein, dass ein Versuch an Schweinen mehr für Menschen relevante Ergebnisse liefert als ein Versuch an Menschen. Man kläre mich auf, wenn ich hier falsch liege!

Offenbar bin ich nicht der Einzige, und so hat dieses Experiment erfreulicherweise eine Welle der Empörung ausgelöst.

Das zeigt, dass viele Menschen doch im Grunde Schweinen ein Recht auf ein leidensfreies Leben zugestehen. Das freut mich. Noch mehr würde es mich allerdings freuen, wenn diese Menschen auch von den vielen anderen Tierversuchen Notiz nehmen würden, in deren Schatten dieser Versuch eher harmlos ist – vielleicht hätten wir dann längst verbindliche Ethikkommissionen dafür, und die Zeiten, wo man Tiere mit Kanülen per Katalog bestellen kann wären vorbei.

Und freilich will ich garnicht erwarten, dass die Menschen Notiz von der Massentierhaltung nehmen – erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.

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