Stärkung der Arbeitsmoral

Entbürokratisierung. Ein Wort, das man hin und wieder hört, zum Beispiel wenn irgendwelche rechtspopulistischen oder wirtschaftsfaschistischen Politiker auf Stimmenfang gehen. Meistens ist damit dann – soweit ich es beurteilen kann – gemeint, irgendwelchen Bauern die Hürden für die Verwendung umweltschädlicher Spritzmittel zu nehmen, oder irgendwelchen Investmentbankern das Steuerhinterziehen zu erleichtern.

Nun, ich als fauler Student bemühe mich ja momentan, neben meinem ziemlich zeitverzehrenden Studium auch noch ein wenig zu arbeiten. Ich habe das Glück, an der Universität als studentische Hilfskraft untergekommen zu sein. Als solche hat man meistens ziemlich kurz befristete Verträge, und wechselt oft die Stelle. Das ist auch gut so. Meistens sind die Stellen mit Vorlesungen verknüpft, und als Student weiß man auch generell selten, wie viel Zeit man in den nächsten Monaten noch haben wird.

Allerdings ist das Vertragsunterzeichnen jedes mal ein riesen Brimborium.

Zum Einen gibt es da einen ganzen Haufen Freibeträge, die man beachten muss. Zum Beispiel gibt es irgendeinen Betrag, ab dem die Steuerfreiheit wegfällt. Dann gibt es einen Kindergeld-Freibetrag. Dann gibt es eine Einkommensgrenze im Bundesausbildungsförderungsgesetz. Und es gibt eine Grenze die man nicht überschreiten darf, um noch familienversichert zu bleiben. All diese Grenzen sind natürlich im Allgemeinen sinnvoll, denn all diese Zusatzleistungen des Staates sind ja explizit dafür gemacht, finanziell schlechter gestellten (zu denen Studenten und Auszubildende nunmal in der Regel gehören, da sie sich in einer Schwebe befinden) eine Erleichterung zu sein, das Problem entsteht eigentlich eher dann, wenn man dadurch, dass man 10 Euro mehr durch Arbeit verdient, insgesamt einige Hunderter weniger hat.

Nunja, wenn man die betreffenden Beträge liest, wird man natürlich erstmal staunen, dass man als studentische Hilfskraft überhaupt so viel verdienen kann. Der Punkt ist aber, dass sich diese Freibeträge teils unterschiedlich berechnen. Und vor Allem dass Universitäten teils zeitlich verzögert bezahlen – und im Allgemeinen der Zeitraum des Erhalts einer Lohnzahlung zählt, und nicht der Zeitraum des Erwerbs. So kam es zum Beispiel, dass mir meine werte Universität im Januar des letzten Jahres den gesamten Lohn des Vorjahres überwiesen hat. Und dass man mit dem Verdienst von zwei Jahren an manch eine Grenze stoßen kann, dürfte klar sein. So konnte ich im letzten Jahr also nur vergleichsweise wenig verdienen, da ich ja vom vorherigen Jahr den gesamten Verdienst noch hatte.

Das motiviert natürlich unglaublich zum Arbeiten. Im Moment muss ich gerade einen Haufen seltsamer Formulare ausfüllen, um eine zweite Hilfskraftstelle antreten zu dürfen. Was mich am Meisten an diesen Formularen aufregt ist, dass die Bezeichnungen von Formular zu Formular sich ständig ändern, und dass selbst die hilfsbereiten Sekretärinnen teilweise überfordert sind, einem genau sagen zu können, was die Verwaltungsstellen eigentlich genau von einem wissen wollen. Aber an der Universität hat man wenigstens solche Sekretärinnen, da die Universität ja ein Interesse daran hat, Studenten zu beschäftigen. Ich möchte nicht wissen, wie es Studenten geht, die dasselbe außerhalb der Universität tun.

Vor Allem möchte ich garnicht erst wissen, wie kompliziert es für manchen Sozialhilfeempfänger wird, wenn er sich dann erstmal eine Arbeitsstelle sucht. Wenn dann erstmal hinzukommt, dass die Person vorher obdachlos war, und der ganze Müll von Wegen Meldepflicht hinzukommt…

Ich erwischte mich dabei, hier an einen der zahlreichen lächerlichen NPD-Wahlwerbespots zu denken, in dem irgendwelche Zwerge Gold finden, welches ihnen von einem Schlipsträger weggenommen wird, und anschließend von einem NPD-Fahnenträger wieder „zurückerobert“ wird (ich verlinke den Spot hier nicht, ich will keine Links auf NPD-Inhalte hier – und so sehenswert ist er nun auch wieder nicht). Der Punkt ist, wenn mich eine solche Situation schon an einen solchen Werbespot erinnert, wo ich mit meinem Bildungshintergrund wenigstens noch das Fleckviehexkrement kenne das in den Nationaldemokraten steckt, und zusätzlich sehe, dass sich die gesamte Situation eben nicht so einfach darstellt, wie sie in diesem Werbespot „erklärt“ wird, dann überzeugt er mindestens fünf weniger gebildete Sozialhilfeempfänger davon, entsprechend zu wählen. Und – sorry – das kann weder das Interesse von Neoliberalen, noch von gemäßigt Rechten, und erst recht nicht von Linken sein. Also an dieser Stelle mal ein Aufruf an die etablierten Parteien, sich ein bisschen besser anzustrengen.

Um ganz Ehrlich zu sein: Ich bin für Datenschutz und alles, aber im Zweifelsfall haben die betreffenden Behörden ohnehin stets ein Recht auf Auskunft. Dementsprechend fände ich es ganz nett, wenn ich den Leuten manchmal einfach eine Unterschrift geben könnte, dass sie sich die Informationen die sie brauchen einfach selber holen. Einen Steuerberater, der solches Zeug für mich macht, kann ich mir momentan nicht leisten – wäre auch irgendwie ziemlicher Overkill.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: