Wieder eine Lappalie, mit der der Bundesgerichtshof zugemüllt wird

Ich kenne Personen, die den Bundesgerichtshof als einziges noch funktionierendes Staatsorgan ansehen. Zumindest erfüllt es die wichtige Aufgabe, unsere Politiker in ihre Schranken zu weisen, und in sich durch alle Instanzen hindurch nicht klärenden Streitfällen ein Machtwort zu sprechen.

Ich habe mal gehört, Anwälte müssen eine Gebühr zahlen, wenn sie mit einer Klage vor den Bundesgerichtshof gehen, um zu verhindern, dass man mit jedem Bagatellfall davor zieht.

Leider wird wohl dabei nur kontrolliert, ob es sich um eine Frage handelt, die noch nicht entschieden ist, und nicht, ob diese Frage in irgendeiner Weise sinnvoll ist. Und so konnte ich heute lesen, dass eine Künstlerin Google verklagt, weil die Bildersuche Thumbnails ihrer Bilder zeigt.

Zunächst mal finde ich die Bildersuche eine großartige Sache, und sie hat mir schon oft Dinge erleichtert. Nur um das mal vorweg zu sagen. Und ich verstehe auch nicht, was man als Künstler dagegen haben kann, dass man die eigenen Bilder in der Bildersuche findet. Es sind thumbnails. Vorschaubilder. Mehr nicht.

Desweiteren verstehe ich nicht, warum ein Künstler seine Werke ins Internet stellt, wenn er nicht will, dass diese auch gesehen werden. Ich nehme mal stark an, die betreffende Künstlerin wird so vorgegangen sein – denn befinden sich ihre Bilder im Internet ohne dass sie dazu beigetragen hat, dann war dies sicher nicht Googles Schuld, und sie sollte vielleicht den verklagen, der sie primär ins Internet stellte. Oder handelt es sich hierbei womöglich um das Missverständnis, das Internet sei nur eine große Verkaufsplattform für Inhalte?

Auch Googles Verhalten scheint in dieser Sache seltsam zu sein. Eigentlich kennt man es doch eher so von Google, dass sie Inhalte, die man nicht verlinkt haben will, nicht mehr verlinken, wenn man es ihnen direkt sagt. Um zum Bundesgerichtshof gehen zu dürfen muss man aber doch meines Wissens einige Instanzen durchlaufen. Einzig und Allein könnte ich mir vorstellen, dass Google hier ebenfalls ein Interesse an einer Rechtssicherheit hat. Immerhin: Wenn ein Gesetz draußen ist, müssen sich auch die Konkurrenten daran halten. Wenn nicht, wird Google als führender Anbieter vermutlich mehr Klagen an den Hals bekommen als Andere.

Dann ist natürlich die Frage, darf Google prinzipiell urheberrechtliches Material cachen und Daumennägel davon als Suchergebnisse anbieten, auch wenn der Urheber dies nicht will. Meine Antwort wird jetzt vielleicht manch einen erschüttern, aber dazu ist meine Meinung ganz klar: Nein.

Und nun kommt die für mich entscheidende Frage: Hat der betreffende Künstler Google auch entsprechend geltender Internetstandards mitgeteilt, dass er dies nicht will? Zum Beispiel in Form einer robots.txt, and die sich Google und Andere in der Regel halten? Irgendwie zweifle ich das an, denn sonst würde Google sie kaum anzeigen.

Ich frage mich manchmal ohnehin, ob den Leuten überhaupt bewusst ist, dass bei Google nicht ein paar Millionen Heinzelmännchen im Internet surfen und Suchergebnislisten erstellen. Dass da nicht bei jeder Seite irgendwer das Impressum und die speziellen Vorlieben bezüglich welche Seiten jetzt angezeigt werden dürfen und welche nicht durchgelesen und interpretiert wird, sondern ein Automatismus eine syntaktische und semantische Analyse durchführt und dann dass Zeug indiziert. Kein Mensch ist daran beteiligt.

Mein Vorschlag wäre, den robots.txt-Standard rechtlich festzuschreiben. Webcrawler und Bots sind inzwischen viel zu wichtig für das Internet, als dass man sie in dieser starken Weise einschränken sollte, zumal auch die meisten Künstler auch eher ein Interesse daran haben dürften, gefunden zu werden. Per robots.txt könnte dann jeder, der nicht will, dass seine Inhalte Indiziert werden, dies den Webcrawlern mitteilen, und solange diese sich daran halten, und sie in angemessenen Zeitabständen überprüfen, sollte Rechtssicherheit gelten.

Update: Ich bin froh zu lesen, dass der BGH meine Ansicht teilt. Ich frage mich dennoch, brauchte es dafür wirklich den Bundesgerichtshof? Hätte ein wenig Menschenverstand nicht ausgereicht?

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