Was Maschinen niemals koennen werden …

Es regt mich ja immer wieder auf, wenn Leute voellig unreflektiert behaupten, irgendetwas bliebe der Wissenschaft jetzt und fuer immer versperrt, und es gaebe Dinge, die wuerde man niemals verstehen und vor allem niemals nachmachen koennen. Als Argument, um sein Weltbild und dessen Praemissen (zum Beispiel dass Leben, der Mensch, Liebe, etc. etwas besonderes ist) zu rechtfertigen, kann ich es ja gerade noch verstehen, obgleich ich eine Geisteshaltung, die nur auf dem Glauben der jetzigen und kuenftigen Unkenntnis und Unerkennbarkeit basiert, nicht besonders sinnvoll finde. Als wissenschaftlich-pragmatisches Argument um die Forschung auf andere Bahnen zu lenken sollte doch die Erfahrung bereits gezeigt haben, dass es sich hier um keine gute Einstellung handelt.

Es gab Zeiten, da glaubte man, ein Computer koenne niemals so gut Schach spielen wie ein Mensch, moderne Schachcomputer sind aber eigentlich doch ziemlich gut. Es gab Zeiten, da dachte man genauso ueber das Erkennen von Gesichtszuegen und deren Emotionen, und Strukturerkennung.

Nun, und man ist weitlaeufig, soweit ich das mitbekommen habe, der Meinung, es sei niemals moeglich, dass kuenstliche Wesen sich selbst, ohne menschliches Zutun reproduzieren.

Ich halte dies allerdings durchaus fuer moeglich, denn zumindest die Einzelteile dafuer sind vorhanden, sie muessen nur zusammengebaut werden. Projekte, die in diese Richtung gehen, gibt es viele. Aber das ist teuer, braucht dennoch Entwicklungszeit, und ist nicht von Interesse – warum sollte man so etwas wollen?

Unrelatedly habe ich aber diesen Artikel auf Slashdot gelesen. Hier werden DNA-Replikationsmechanismen zur Chiperzeugung genutzt. Das hat freilich mit autonomer Reproduktion recht wenig zu tun. Ich fand es trotzdem irgendwie passend zu dem Thema.

Dass man sich Dinge, die man in der Natur sieht, ausnutzt, um Maschinen zu verbessern, ist ja ein altes Prinzip. Speziell in der Informationstechnik in der man sich schon jetzt mit Datenmengen konfrontiert sieht die ein Mensch in seinem ganzen Leben nicht konsumieren kann wird die Notwendigkeit von Maschinen die einfach schlauer sind als die bisherigen Maschinen so stark sein, dass man kaum nachkommen wird.  Und so denke ich, wird es gerade hier frueher oder spaeter immer mehr darauf hinauslaufen, dass man Technik und Biologie vernetzt.

Kundenbewertungen und grosse Community-Projekte wie Wikipedia, die diversen Webcrawler und semantischen Indizierer, zeigen einen Trend hin zu einem kollektiven Bewusstsein. Die kleinen Tweaks, die man heute unter Augmented Reality zusammenfasst, und die wohl mit den modernen kleinen Gadgets und deren Verbreitung ihre Bluetezeit demnaechst noch erleben werden, zeigen einen Trend hin dazu, von diesem kollektiven Bewusstsein ohne grossen Overhead gebrauch machen zu koennen.

Freilich sieht der Unterschied zum Borg-Kollektiv noch ziemlich gross aus. Doch zumindest fuer mich macht es am Ende keinen allzu grossen Unterschied, ob man in die Augmented Reality per Okularimplantat kommt, oder den Umweg ueber die vorhandene Netzhaut nimmt. Vor Allem ist der Schritt ein garnicht so grosser.

Umgekehrt halte ich es durchaus fuer plausibel, dass man Teile von Gehirnen zuechten koennte, um mit ihnen effizient Berechnungen durchfuehren zu koennen. Zumindest halte ich solche biologischen Rechner erstmal fuer realistischer als Quantencomputer.

Interessant hierbei sind die philosophischen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Schon jetzt faellt es mir persoenlich eher schwer, einen intrinsischen Sinn in der Existenz der Menschen zu sehen. Vor Allem sehe ich haeufig Postulate von Wegen guter oder schlechter Dinge fuer unsere Gesellschaft, ich frage mich jedoch oefters, was sind denn eigentlich die Ziele unserer Gesellschaft. Aus der „Zufriedenheit Aller“ wird mit wenig Argumentation schnell eine „Zufriedenheit Aller, die dazu nichts unrechtmaessiges benoetigen“, woraus wiederum die Frage nach der Rechtmaessigkeit resultiert, die wiederum zum Anfang fuehrt – was sind die Ziele unserer Gesellschaft. In Diskussionen hoere ich bisweilen von Preisen des Fortschritts und der Frage ob diese gerechtfertigt sind. Gerechtfertigt sind sie zumindest dann, wenn das Ziel unserer Gesellschaft der technische Fortschritt ist. Wenn nicht, muss man sich nach dem Ziel fragen.

Unabhaengig davon, welches nun das genaue Ziel ist, bleibt stets die Frage, ob man dieses Ziel auch erreicht, wenn man dafuer gebauten Maschinen die Arbeit ueberlaesst. Wenn man sie immer groessere Teile dessen tun laesst, was zum Ziel unserer Gesellschaft fuehrt, nur dass nicht mehr unsere Gesellschaft sondern die Maschinen es tun. Schon jetzt koennen wir zum Beispiel mehr Nahrung produzieren als wir benoetigen (der Welthunger ist schliesslich ein Verteilungsproblem, kein Produktionsproblem), und das mit vergleichsweise wejnig menschlicher Arbeit. Es ist wohl eher naiv anzunehmen, dass dieser Trend sich nicht fortsetzt. Menschen werden also weniger arbeiten muessen. Sicherlich werden auch irgendwann kuenstlerische Faehigkeiuten kuenstlich erzeugt werden koennen. Die Existenz von Menschen wuerde also nur noch der gelegentlichen Pflege von Maschinen dienen.

Nun, zumindest fuer mich ist das keine Utopie sondern eine einfache Extrapolation des aktuellen Entwicklungsstandes. Aber selbst wenn nicht, halte ich die Frage durchaus fuer berechtigt. Eine Antwort der Form „es wird Dinge geben, die Maschinen niemals koennen werden“ wuerde zu einem Weltbild fuehren das ich ablehne, weil es annimmt, der Mensch sei etwas besonderes aufgruynd seiner Unfaehigkeit sich selbst nachzubauen.

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