Artensterben stoppen – ein Aufruf zur Arten-Gerechtigkeit

Was meine geplagten Augen da mal wieder lesen mussten, im SZ-Artikel zum UN-Bericht ueber das Artensterben. Gleich der erste Satz ist treffend – „Die Weltgemeinschaft hat versagt“ – dann folgen einige Statistiken und Zahlen, die der geneigte Leser sich selbst zu Gemuete fuehren moege. Quintessenz: Mehr Arten wurden durch den Menschen ausgerottet als ausgerottet haetten werden sollen.

Auf wirtschaftliche und politische Probleme werden solcherlei Dinge gerne wegabstrahiert, denn aermere Laender kuemmern sich nicht um das Artensterben weil sie es nicht koennen weil sie ja so arm sind und erstmal an sich denken muessen und blafasel, und die einzige Loesung des Problems ist damit, solchen Laendern Geld in den Arsch zu schieben, damit sie einen genauso gut funktionierenden Kapitalismus aufbauen koennen, wie den unsrigen.

Das Problem ist aber meiner Meinung nach ein ganz anderes, und wird denke ich ziemlich gut im Schlusssatz des SZ-Artikels deutlich, der da lautet „Doch wenn die Menschheit so weitermacht wie bisher, wird es irgendwann alle treffen„, alle im Kontrast zu den armen Fischern, denen jetzt halt ihre Fische wegsterben. Artenschutz motiviert durch menschlichen Wohlstand – ich behaupte, das ist es, was das Problem verursacht. Der mangelnde Respekt vor dem, was anders ist als man selbst, die Haltung, die Welt als metaphorische Kuh zu sehen, der man immer genau so viel zu Fressen gibt, dass ihre Milchleistung nicht nachlaesst. Kurzum, das Problem ist der Speziesismus.

Warum interessiert sich keine Sau fuer die Millionen an Fischen mit denen wir unseren Kindern die Maeuler stopfen, die sich vielleicht auch nicht so gut dabei fuehlen, zu panierten Quadern verarbeitet und von haesslichen sabbernden fetten Monstern verschlungen zu werden? Weil es uns eigentlich egal ist. Und solange dies so bleibt ist das Artensterben nicht aufzuhalten.

Der Mensch hat die Macht, sich selbst und anderen beliebig zu schaden. Das Einzige, was ihn wirklich davon abhalten kann, ist seine Moralvorstellung. Erst wenn wir es als moralisch schlecht empfinden, dass Tiere und Pflanzen sinnlos getoetet werden, und ihnen sowohl eine Wuerde als auch einen Individualbegriff zusprechen, kann sich dies ueberhaupt aendern.

Die Betrachtung unterschiedlicher Menschentypen und deren essenziell unterschiedliche Behandlung hat auch niemals vorher aufgehoert, die Rassentrennung in den USA hat nicht aufgehoert weil ein paar Wissenschaftler gemeint haben, Gleichberechtigung koennte fuer die Armeekraft und Wirtschaft gut sein, sie hat aufgehoert weil die Moralvorstellungen der Gesellschaft sich langsam weiterentwickelt haben.

Moral ist letztlich doch nichts anderes als ein Mechanismus der Arterhaltung, erst die Moral hat dazu gefuehrt, dass wir uns nicht wie einige Primaten staendig die Koepfe einschlagen, sondern zumindest erst grosse Kulturen bilden bevor wir uns die Koepfe einschlagen – mir kann es, abgesehen von moralischen Bedenken, egal sein ob ein anderer Mensch gequaelt wird, solange ich nicht betroffen bin. Erst die Moral sorgt dafuer dass es mir nicht egal ist, und aus diesem Moralgefuehl heraus resultiert der Wille zu einer Gesellschaft die diesen Moralvorstellungen entspricht, und nur deswegen engagiere ich mich ueberhaupt in irgendeiner Weise politisch oder kulturell – ja, Moral hat den Willen, sich zu verbreiten, das macht sie zu einem vortrefflichen Werkzeug der Arterhaltung und -verbreitung.

Und so muessen unsere Moralvorstellungen sich auch endlich auf Tiere und Pflanzen beziehen. Dabei geht es garnicht darum, die Nutztierhaltung und das Essen von Fleisch sofort zu verbieten, auch wenn dies aus meiner Sicht sehr erstrebenswert waere, so ist es doch nicht realistisch, dass sich diese Moralvorstellungen in ausreichend kurzer Zeit durchsetzen wuerden. Viel mehr muss das Bewusstsein und das Interesse fuer einen wuerdevollen Umgang mit Nutztieren und Nutzpflanzen geweckt und gestaerkt werden, anstatt es mit anderen moralischen Vorstellungen zu relativieren.

Dass irgendwo ein Tier gequaelt wird und dass man sich nicht darum kuemmern muss weil anderswo ein Kind verhungert darf keine akzeptierte Argumentationsweise mehr sein, denn es wird immer hungernde Menschen geben, und immer Strukturen, die dafuer sorgen, dass irgendwer sich ueber andere erhebt und diesen Leid zufuegt. Die schwierigste Herausforderung in diesem Zusammenhang ist freilich zu akzeptieren dass einige Tierarten speziesistisch sind, und diesen dennoch ihr Recht zuzusprechen. Das ist ein aehnlich schwieriges Problem wie das Zusprechen von Menschenrechten gegenueber Menschen die sich selbst nicht an Menschenrechte halten wollen. Gerade hier wird wieder der pragmatische Charakter der Moral deutlich: Der Hauptgrund warum man allen Menschen ein unveraenderliches und unveraeusserliches Recht zuspricht ist, weil man verhindern will, dass irgendwer aus irgendeinem Grund dieses Recht bricht – und sei es nur aufgrund der Rechtbrechung selbst – zumal es Menschen gibt, deren Verstand nicht ausreicht, um ihr Fehlverhalten zu verstehen, oder die schlichtweg Geisteskrank sind. Tieren muss dasselbe Recht zukommen, sie sind Wesen die den Speziesismus dem sie unterliegen nicht eigenstaendig verstehen koennen, dennoch muessen die allgemeinen Rechte auch fuer sie gelten. Anders als Menschen haben andere Tierarten durch ihr speziesistisches Verhalten aber nicht die Faehigkeit so verheerenden Schaden anzurichten, zumindest unter natuerlichen Bedingungen (in der Folge eines ungewoehnlichen Eingriffes durch den Menschen natuerlich schon).

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