Phoenix-Runde „Internet außer Kontrolle“ – ein Kommentar

Sat, 22 May 2010 03:38:05 +0000

Wäre die Sendung bei Fefe nicht verlinkt gewesen, hätt ich sie mir wohl nicht angesehen: Die „Phoenix Runde zum Thema Internet außer Kontrolle„.

An dieser Stelle erstmal großen Respekt an die öffentlich-rechtlichen, dass man deren Sendungen auch herunterladen kann. Etwas weniger großen Respekt allerdings an deren Webmaster: Ein WMV – über MMS. Und dann auch noch mit einer Latenzzeit und Bandbreite die es unmöglich machte das ondemand sinnvoll anzusehen – zum Glück gibt es mencoder. Damit kann mans vorher runterladen (nur falls jemand die gleichen Probleme haben sollte).

Fefe meinte, das hätte das Zeug zur schlechtesten Sendung des Jahres. Auch wenn es mir schwerfällt jemandem zu widersprechen der bereits ein Krautchan-Meme ist: Wenn das die schlechteste Sendung des Jahres war, dann hat sich das Niveau des Fernsehens weit verbessert seit ich es das letzte Mal freiwillig konsumiert habe.

Nun, aber ich gestehe natürlich, das Konzept der Sendung war etwas gefailed. Erstmal zu den Anwesenden:

Die Moderatorin Anne Gesthuysen sollte man wohl kennen, ich habe aber keine Ahnung wer es ist, auf der Webseite wird eine Vita verlinkt.

Sascha Lobo sollte wohl jedem ein Begriff sein, ist Seinerseits zum Beispiel ebenfalls ein Krautchan-Meme. Jens Seipenbusch ist so wichtig dass sogar die deutsche Wikipedia ihn für relevant hält, er ist Bundesvorsitzender der Piratenpartei, als solchen sollte ich ihn vielleicht kennen, ich hatte aber ehrlichgesagt bis vorhin keine Ahnung wer das ist. Beide gehören zu den Internet-Befürwortern der Sendung, wenn man so will. Letzterer hielt sich mit seinen Aussagen eher zurück, und beschränkte sich im Wesentlichen auf das Darstellen von Gesetzeslagen. Sascha Lobo war eloquenter, und trotz all der Kritik die man über ihn hin und wieder liest, er hat Ahnung, und die Dinge die er sagt haben Hand und Fuß.

Jo, und dann natürlich noch die Internet-KritikerInnen, die allesamt Frauen sind, um alle Klischees auch schön aufrechtzuerhalten. Zuerstmal ist da Julia Klöckner. Laut Phoenix arbeitet sie im Bundesverbraucherschutzministerium, davon find ich aber auf die Schnelle nichts auf ihrer Wikipediaseite. Trotzdem scheint sie in der CDU ein großes Tier zu sein, und Wikipedia sagt, sie wäre Schuld an der Twitter-Affäre gewesen, was in mir durchaus Respekt auslöst – mal jemand der das Zeug über das er Redet auch wirklich benutzt. Generell hat sie zwar das obligatorische CDU-Gebrabbel draufgehabt, aber zumindest in Relation zu vielem Anderen was von dieser Partei schon meinte seine Meinung in die Welt tragen zu müssen fand ich ihre Haltung sehr aufgeschlossen und durchdacht. Jeder der die Sendung mal aufmerksam verfolgen will, soll mal darauf achten: Widerspricht sie eigentlich in irgendeinem relevanten konkreten Punkt Sascha Lobo? Eigentlich sagt sie nur, das was Gugel tat ist unerquicklich gewesen und man muss dafür sorgen dass die Unternehmen in Zukunft nicht einfach so den Datenschutz mit Füßen treten und bla – kurzgefasst sagt sie aber im Grunde auch nur, man müsse halt endlich die Gesetze ein wenig an die Neuzeit anpassen, und sie stimmt sogar Lobo zu bei der Forderung nach einem Schulfach Internetkunde. Große inhaltliche Differenzen habe ich da jedenfalls nicht gesehen, die „Diskussion“ wurde eher künstlich Hochgepusht, weil sich die Leute eigentlich einig waren über das Gesamtkonzept, nur nicht über die Feinheiten.

Wie dem auch sei, die zweite Person, Astrid Herbold, war eine „Internet-Kritikerin“. Diese Person hat sogar eine deutsche Wikipedia-Seite, damit ist sie mindestens so wichtig wie Bauchnabelfussel, und auf jeden Fall wichtiger als Christian Reiher (der hat nur einen Eintrag in der englischen Wikipedia, dieser unwichtige N00b). Ich meine, klar – sie hat ja auch vier (!!!!) Bücher geschrieben, von denen eines (!!!!) mit dem Thema zu tun hat – zeigt mir erstmal einen Bauchnabelfussel, der das von sich behaupten kann.

Und dass man mindestens so wichtig ist wie Bauchnabelfussel reicht natürlich aus, um zu einer Diskussion im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen eingeladen zu werden. Ich bin leider nicht so wichtig wie Bauchnabelfussel. Vielleicht sollte ich „Realitäts-Kritiker“ werden, und ein Buch über „die Lebenslügen der Realitäts-Fagottspieler“ schreiben. Oder „RL – das Schlimmste aller Killerspiele“. Oder „Germanisten die nicht mit Technik zurechtkommen und dafür ins Fernsehen kommen“.

Jedenfalls hielt sie sich ziemlich zurück. Ein paar Kommentare der Qualität „Google ist möglicherweise böse weil es Geld verdienen will“ waren es glaub ich gewesen, soweit ich mich grad erinnern kann.

Die Diskussion war hauptsächlich bla bla. Was mich wenig überrascht, denn das Thema ist eigentlich auch nur bla bla. Gugel hat W-Lan-Paketdaten gesammelt. Und da war halt bei offenen W-Lans auch unverschlüsseltes Zeug dabei. Ich hatte eigentlich erwartet, dass es darum geht, dass Gugel überhaupt W-Lan-SSIDs und whatever sammelt, denn ich persönlich finde dieses Verhalten bereits äußerst diskussionsbedürftig – aber das hat nun irgendwie recht wenig mit dem Internet zu tun. Genauso könnte man die Risiko-Kartographierung Deutschlands durch die Versicherungen als Aufhänger zu einer Diskussion über das Versicherungswesen nehmen. Es ist … beliebig.

Dass Signale, die durch offene W-Lans gehen, auch von jemand Fremdem gelesen und gespeichert werden, nun, das macht die Sache für mich nicht schlimmer. Im Gegenteil, vielleicht lernen die Leute so endlich, dass sie gefälligst ihre privaten W-Lans verschlüsseln, und wenn sie in einem Internetcafe oder so in einem offenen W-Lan sind, Privates, also alles, was nicht sämtliche andere Menschen in der Umgebung auch mitlesen dürften, ebenfalls verschlüsseln. Und wenn Google Street View dazu beiträgt, dann finde ich hat sich die ganze Aktion bereits gelohnt. Denn sorry, aber: Wer nicht verschlüsselt, ist selbst schuld! Es ist ja nicht so als würde man großartige Bildung brauchen um ein verschlüsseltes W-Lan aufzubauen: Die mitgelieferte Software der meisten Anbieter richtet automatisch alles so ein, dass die Verbindung hinreichend verschlüsselt ist. Und wenn man sich nicht sicher ist, ob dem so ist, dann soll man eben bei seinem Anbieter nachfragen.

Vielleicht würden die Leute das ja auch so machen, wenn sie „Internetkunde“ in der Schule gehabt hätten (oder nicht zu faul wären eine Bedienungsanleitung zu lesen oder jemanden zu fragen der sich mit sowas auskennt). Internetkunde – nun, sicher kein Widerspruch von mir, aber es handelt sich hier um ein allgemeineres Problem: Menschen wollen Technik benutzen, ohne sie zu verstehen, und das ad Absurdum. Und die Unternehmen wollen größtenteils, dass das so bleibt, weil man damit seinen Schrott ziemlich teuer los wird. Das macht die Technik dann wiederum komplizierter als sie sein muss. Eine Spirale der Technikentfremdung entsteht, und die müsste man mal stoppen.

Wie dem auch sei. Ich hatte eine Hetzsendung gegen moderne Technik erwartet, und sah ein nettes ungezwungenes Gespräch mit drei Leuten die sich eigentlich einig waren, einer Person die nicht wirklich mitreden wollte, und einer Moderatorin die sich bemüht hat irgendwie eine Kontroverse zu erzeugen in der ganzen Einigkeit. Ich wusste auch noch nicht, dass das Internet für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde, wie man dort erfuhr, ich halte dies für Schwachfug, und die Personen in der Diskussionsrunde, so wie ich deren zögerliches Zweifeln interpretiere, eigentlich auch, sie wollten es nur nicht so direkt sagen.

Für mich mag es dennoch keine essenziellen neuen Erkenntnisse gegeben haben, aber man muss solche Sendungen immer mit den Augen eines Wahlzombies sehen, und ich denke, denen hat die Sendung ein wenig die Internet-Angst genommen.

Advertisements

Portal und andere Spiele …

Sat, 22 May 2010 00:02:46 +0000

… werden jetzt ja dann wohl in größerer Zahl auf Mac OS Portiert, und damit bleibt zu hoffen, dass man sie dann leichter auf Linux portierbar beziehungsweise emulierbar/virtualisierbar sein werden, denn die Grundlagen beider Systeme sollten doch näher verwandt sein.

Jedenfalls stiefelte ich heute Windows auf meinem neuen Denkblock. Konfigurierte Ubuntu auch gleichzeitig so, dass es virtualisierbar ist unter ebendiesem Windows, sodass nicht nicht mehrere Logs und Feuerfuchsprofile maintainen muss. Lief auch alles wunderbar.

Steam startierte und brauchte lange um Portal herunterzuladen und nachdem es dieses endlich fertiggetan hatte stürzte es erstmal gepflegt ab. Nach einem Neustart und dem versuch, Portal zu starten, klärte es mich auf, dass es meinen Grafikchip nicht kennen würde. Durchaus möglich, es ist nicht der Neueste, und dementsprechend Überrascht war ich, als dann das Spiel doch loslief und ich mit relativ wenigen aber eben immernoch daseienden Rucklern anfangen konnte zu spielen.

Die Ruckler waren nervig, und so wollte ich die Bildqualität heruntersetzen, was zu einem prompten Absturz führte, und vor einem kompletten Systemneustart schaffte ich es auch nicht das Spiel wieder zu starten. Danach stellte ich alles wieder um, in der Hoffnung, danach würde das Spiel wenigstens wieder im vorherigen Zustand sein. Was soll ich sagen, das Spiel hängte sich auf und lastete einen Prozessorkern voll aus, sodass ich mich gezwungen sah, es zu keksen.

Erst dann wurde mir plötzlich klar, was ich da eigentlich gerade tue: Ich versuche ein Windows-Spiel unter Windows zum Laufen zu bringen. Ich, der ich garnicht Windows verwenden will, und Windows nur boote, weil ich ein Spiel spielen will, strenge mich an, damit dieses Spiel funktioniert. Überhaupt gibt es wenig Gründe für mich, ein Windows-System zu starten. Ich habe mein Ubuntu – und wenn mir das nicht mehr gefällt habe ich Arch Linux. Und wenn mir selbst das nicht gefällt werde ich auf Solaris oder ein BSD umsteigen.

Ich muss mich also auch noch anstrengen, damit ein Spiel, das ich zumindest theoretisch gekauft haben könnte, unter einem kooperativen System läuft. Interessant. Selbstverständlich überlege ich mir nun also zweimal, ob ich mir wirklich eines der kostenpflichtigen Spiele kaufe. Ich hatte schon mehrere Spiele im Sinne, oft auch ältere, nur ist bei denen nie so klar ob sie unter Wine wirklich gut laufen – und bei etwas älteren Modellen ist selbst nicht klar ob sie auf einem modernen Windows gut laufen.

Ok, bevor ich gleich damit anfange, was ich am Verhalten der Spielehersteller alles nicht verstehe, erstmal eine Liste mit Dingen die ich verstehe – nur des guten Willens wegen:

  • Ich verstehe, dass sie ihre Spiele – wenigstens am Anfang – nicht Opensourcen. Kopierschutzmaßnahmen werden durch Open Source nahezu unmöglich. Außerdem steckt in einem Spiel mehr Interesse als bloße Software. Es ist ein Gesamtkunstwerk und man will freilich nicht dass Leute es bereits umschreiben bevor sie es überhaupt sinnvoll gespielt haben.
  • Ich verstehe, dass sie DRM-Maßnahmen ergreifen wollen. Ich finde es nicht gut, vor allem, weil die ganzen DRM-Lösungen so beschissen implementiert sind, aber ich verstehe es.
  • Ich verstehe, dass den Spieleherstellern OpenGL ohne diverse Erweiterungen nicht ausreicht.
  • Ich verstehe, dass Spielehersteller nicht die Portierung auf Betriebssysteme bezahlen wollen, die nicht hinreichend verbreitet sind.

Ja, so viel kann ich verstehen. Jetzt kommt dann mal, was ich nicht verstehe:

  • Ich verstehe nicht, dass sie nicht wenigstens Teile ihrer Spiele oder der verwendeten Spieleengines soweit offenlegen, dass die Geeks sich das Spiel entsprechend selbst portieren können. Der Hauptanteil des Unportierbaren sind wohl die direkten Hardwarezugriffe auf den Grafikkartenspeicher, beziehungsweise die niedrigstufigen Aufrufe der Grafikbibliotheken. Diese kann man ersetzen. Man kann jedenfalls der Wine-Community (die immerhin für eine Portierung auf mindestens 4 zusätzliche Betriebssysteme arbeiten würde) die Arbeit erleichtern durch Zusatzangaben.
  • Ich verstehe nicht, warum die ganzen DRM-Maßnahmen so beschissen programmiert sind. Wie wärs mit: Der Maschinencode ist Verschlüsselt und kann nur mit einem entsprechenden Schlüssel entschlüsselt werden. Und das auch nur indem man ihn meinetwegen irgendwo in den heap speichert und dann an eine definierte Speicherstelle springt. Irgendwas von der Form „ich schau regelmäßig im Internet nach ob du mich spielen darfst“ sollte man jedenfalls leichter wegcracken können. Letztendlich kann man alle Kopierschutzmaßnahmen aber irgendwie umgehen, wenn man ein irgendwie offenes System haben will – und damit meine ich nicht Betriebssystem sondern schon sowas von Wegen nicht so einen komplettgeschlossenen Krampf wie das iPhone oder sowas (und selbst das wird gejailbreaked …).
  • Ich verstehe nicht, warum Spielehersteller und Hardwarehersteller Microsoft so dermaßen in den Arsch kriechen, dass sie sich auf DirectX einlassen. Ich sage nicht, dass DirectX irgendwie extrinsisch schlecht ist, aber es ist intrinsisch schlecht weil nicht Portabel. Als Spielehersteller will ich mich doch nicht Abhängig machen von der Grafikbibliothek eines bestimmten Unternehmens, und schon garnicht von dessen Betriebssystem, an dem dieses Unternehmen wild rumbasteln kann ohne mein Einverständnis. Gleichermaßen will ich das doch als Hardwarehersteller nicht. Im Grunde ist der einzige Sinn von 3D-Grafikkarten auf Heim-PCs, dass man mit ihnen Spiele spielen kann. Das heißt, die Spiele wollen im Wesentlichen an die Grafikkarte, die Grafikkarte will im Wesentlichen an die Spiele, Windows ist nur ein Kleber dazwischen, und die Schicht soll möglichst dünn sein. Wieso tun sich nicht die verschiedenen Spiele- und Grafikkartenhersteller zusammen und machen eine eigene Infrastruktur auf – ich meine, sie müssen doch eh Treiber schreiben, so viel mehr Aufwandt kann das doch nicht sein. Vor Allem das Ganze dann einigermaßen Portabel aufzubauen sollte doch gehen. Immerhin ist doch die Rechenleistung selber selten der Flaschenhals, sondern eher die Grafikleistung.
  • Ich verstehe nicht, wieso jemand Spiele auf Macs portieren will. Einen Mac kauft man sich nicht um Spiele zu spielen. Man kauft ihn sich um mit Mac OS X zu spielen.

Jedenfalls werde ich jetzt also weiterhin lieber versuchen, das Ganze unter Wine zum Laufen zu bringen. Ich glaube die Zeit ist sinnvoller investiert. Spielen kann ich eh vergessen im jetzigen Zustand.