Die Unkultur des modernen Instant-Messaging

Thu, 27 May 2010 15:01:05 +0000

Instant Messaging ist eine sehr nette sache gewesen, inzwischen schon fast wieder veraltet, und gerade deshalb eines der wenigen wirklich dauerhaften Internetphänomene, die sicherlich bestehen bleiben. Und in den Anfangszeiten, als der Hauptstrom gerade begann, sich mit ICQ anzufreunden, war es noch von einer relativ relevanten Gesprächskultur begleitet. Man war Online wenn man bereit war angechattet zu werden, Away wenn nicht. Not Available wenn der Rechner merkte dass man seit einer halben Stunde nichts mehr tat. Zur Korrektheit kam dann noch ein Do Not Disturb hinzu, das man setzen konnte, wenn man zwar da war, aber nicht gestört werden wollte.

Ungefähr hier begann, soweit ich mich erinnern kann, aber bereits das Ende dieser Gesprächskultur. Nämlich, als man diesen Status einfach begann zu ignorieren. DND wurde als gleichbedeutend mit Away angesehen, und somit wurde man auch trotz des DND-Status angeschrieben. Clientseitig gab es aber zumindest bei den nichtkommerziellen Clients bald eine Möglichkeit, zumindest die Benachrichtigungen darüber auszustellen.

Das Ignorieren des Status wurde aber auch nicht unbeträchtlich durch die Unkultur gefördert, einfach immer auf Away zu schalten. Es ist nämlich zu schwer seinen Computer auf Auto-Away einzustellen, außerdem ist man wenn man Online ist so … „verwundbar“. Im Online-Status hat man keine Ausrede nicht zu antworten, im Away-Status konnte man immer sagen, man wäre gerade nicht da. Aussagen wie „schreib mich einfach an, ich bin nur Away dass mich die ganzen Nervensägen nicht anschreiben“ waren irgendwie allgemein akzeptiert.

Und das katapultiert uns dann schon fast in die aktuelle Zeit. Wir haben inzwischen Status-Messages. Inzwischen werden diese auch von den meisten Clients unterstützt. Als dies noch nicht so war hatte man als Ersatz kurz mal AutoReply-Bots, die einem so nette Sachen wie „I am not here right now but as soon as I come back I will read your message.“ sagten – zumindest gibt es diese Autoreply-Bots inzwischen kaum noch, weil die meisten Leute kapiert haben, wie nervig und nutzlos sie sind. Dafür hat sich eine andere Unsitte weiter verbreitet: Das Unsichtbar Sein.

Der Invisible-Status ist eine der schlimmsten Erfindungen des Instant Messagings. Es ist der Gedanke, für Andere ausgewählte Personen als Offline zu gelten. Gut, nur für bestimmte Personen Online zu sein ist eine Entscheidung. Doch statt dass die IM-Server im Gegenzug erzwingen, dass man dann auch nichts über den Status seines Gegenübers erfährt, kann man fröhlich den lieben langen Tag invisible sein, und den Online-Status seiner Mitmenschen verfolgen.

In der Realität ist es meist so dass man sein Gegenüber sieht. Man weiß, ob es anwesend ist, ob es einem zuhört. Kontexte in denen dies nicht so ist können theoretisch beim Telefonieren auftreten, ansonsten wären die einzigen Situationen die mir einfielen die in diversen Krimiserien dargestellten Verhöre hinter einer Spiegelwand, ich weiß aber ehrlichgesagt nicht, wie viel da dran ist. Invisible zu sein ist anmaßend, und ich hatte bereits eine Zeit lang die Policy, jeden, den ich dabei erwischte, dass er Invisible war, von meiner Kontaktliste zu kicken. Meine Argumentation war dabei immer, dass ich niemanden anschreibe, wenn er DND ist. „Das ehrt dich ja sehr, aber dann habe ich immernoch 20 andere Kontakte die sich nicht daran halten“ ist eine denkbare Antwort – nun, wer mich anschreibt ohne wirklich triftigen Grund während ich DND bin, der kann auch ziemlich schnell von meiner Kontaktliste fliegen. Im Gegenzug bin ich aber auch nur dann DND, wenn ich wirklich nicht gestört werden will, und nicht nur, wenn ich grad keine Lust habe zu Antworten, aber trotzdem jeden anschreiben können will.

Der Unsichtbarkeitsstatus hat natürlich seinen kleinen Bruder, ich nenne ihn liebevoll ATSSTMIM  für „Always The Same Status To Make It Meaningless“. Menschen, die es nicht fertig bringen, ihrem Rechner zu sagen, er soll nach 20 Minuten Inaktivität auf Away schalten, und somit stundenlang online sind, ohne da zu sein. Oder Leute, die immer Away sind, oder noch schlimmer, DND, denen ich damit also guten Gewissens garnichts schreiben kann. Nun bin ich zumindest bei gewissen Leuten dazu übergegangen, dies auch genau so zu tun, und auch bei wichtigen Dingen auf E-Mails zurückzugreifen und mich zu weigern mit ihnen zu chatten wenn sie nicht auf einen repräsentativen Status (Online oder DND) schalten. Doch bekanntlich setzt sich Unkultur mit allen Mitteln durch, solche Leute gingen bald in den Invi-Status über.

Es handelt sich hier wie gesagt um eine Unkultur. Ein perfides Verhalten, das Informationen konsumiert, ohne bereit zu sein, sie in gleichem Maße bereitzustellen. Aber sich über Google und die anderen bösen Großunternehmen beschweren. Ja – es handelt sich hier eher um eine Lappalie, aber gerade in Lappalien zeigen sich Denkmuster oft sehr gut, und meiner Meinung nach sehen wir in diesem Verhalten eine Facette des Problems, an dem unsere Hochkultur letztlich zugrunde gehen wird.


Get a free PDF Reader

Thu, 27 May 2010 01:11:55 +0000

Looking for some instructions for mozplugger embedding evince, besides the solution I found here, I also found a nice link to this campaign from the FSF Europe.

It is an appeal to use a free PDF Reader. Well, under Linux and other free systems, there are a lot of them, and they are all mostly good. I actually do not understand why there are still people who prefer the Adobe Reader under Linux. Not only are there a lot of alternatives, they are also mostly much better (faster, easier to use). Few PDFs are not working on them – the ones created with some strange WMF-Tools (M$ for the win) and of course the ones which are encrypted such that explicitly only Adobe Reader can open them. I had this situation exactly twice in my whole life – one time a PDF created with some strange settings from Scientific Workplace, and the other time from a Professor who wasnt allowed to publish parts of its book without encryption. Even commercial pdf-providers usually dont use this, because its basically useless – it is a crude form of DRM, but modern eBook-Formats have much better techniques for that.

Also under Windows, I dont want to use the Adobe Reader, but actually I mostly use (the non-free) Foxit Reader there. The FSE’s list names Evince for Windows – but Evince for Windows was in a Beta-State and I wouldnt have recommended it to normal people. Okular was stable but needed a full-blown KDE-Installation, and KDE for Windows is still no fun. I never tried Sumatra PDF though. I will have to do this.

Well, actually, I dont like PDF much. Many modern PDF-Files are bloated. I liked early versions of PostScript much better. And at the moment, I like djvu very much. At least for ebooks, djvu seems to be a good format. As a comparably simple format, I like SVG. I mean, its bloated with XML-Stuff, but at least the inner structure is simple.

Its a pity that only few pieces of free software work properly under Windows. Windows is still the main platform for most people, and to convince them of free software, it could be a good thing to actually make them work with it under Windows already.