Technikfeindlichkeit

Fri, 28 May 2010 20:16:11 +0000

Ich habe mich ja schon über die „Wichtigkeit“ und Relevanz diverser „Internet-Kritiker“ subtil ausgelassen. Ich will mir demnächst das Buch „Das Große Rauschen“ zulegen, um mich „fulminant, klug und angriffslustig“ über „Die Lebenslügen der Digitalen Gesellschaft“ aufklären zu lassen. Wie es sich für so ein wichtiges Buch gehört kann man es nirgends herunterladen. Bei Amazon ist es aber gebraucht für 7 Euro inklusive Porto erhältlich, so viel bin nich gerade noch bereit zu zahlen – billiger als zwei Packungen dreilagiges Klopapier.

Nun, warum will gerade ich ein solches Buch lesen, was erwarte ich mir davon? Ich erwarte in diesem Buch wenig Überraschungen, ich erwarte eigentlich einen Text der sehr viele Klischees die ich so kenne repräsentiert. Aber ich will ein Objekt haben, an dem ich diese Klischees festmachen kann. Und ich erhoffe mir dadurch, besser zu verstehen, woher die Angst der Bevölkerung gegenüber (für sie) neuen Technologien kommt.

Mir scheint, als hätten wir im Moment neben den immer dagewesenen Kulturpessimisten eine neue Form der Technikfeindlichkeit, die es vorher so noch nicht gab, zumindest nicht in diesem Ausmaß. Die Technikfeindlichkeit entstammt nicht den Kulturpessimisten die sich der Technik verweigern, sondern sie stammt paradoxerweise genau von den Leuten die sie benutzen wollen: Den „Endbenutzern“. Es sind Menschen, die kein Interesse an technischen Hintergründen haben, sie wollen ihr Produkt „einfach nur verwenden“. So habe ich auch von einigen Kritikern des Vorschlags einer Art institutionalisiertem Internet-Führerschein bzw. eines Fachs über Internetkunde oder eines relevanten Faches Informatik, in dem man nicht nur Sekretärtätigkeiten lernt, genau dieses Gegenargument gehört: Die Spezialisten müssten sich einfach darum kümmern, dass die Laien es benutzen können.

Dies ist eine grundsätzlich technikfeindliche Einstellung, die ich noch schlimmer finde als die der Kulturpessimisten. Kulturpessimisten sind dafür, mehr Anstrengungen auf sich zu nehmen um einer bestimmten Entwicklung entgegenzuwirken, diese Einstellung hingegen ist reine Faulheit. Die Technik könnte an allen Ecken und Enden schon weiter seien, wenn nicht irgendein Marketingexperte die „Marktreife“ anzweifeln würde, weil man seinem Kunden nicht sagen kann, er soll doch bitte einen roten Knopf nicht drücken, außer wenn man es ihm sagt.

Die Technisierung ist jedenfalls ein Trend der sicher nicht zurückgehen wird, auch wenn er Zeitweise stagniert (weil es einfach keine relevanten Neuentwicklungen gibt). Und die Technik wird sicherlich nicht einfacher, und schon garnicht benutzerfreundlicher, ohne großen Aufwandt. Es ist nur gerechtfertigt, Schülern entsprechendes Wissen bereits in der Schule zu vermitteln. Ich habe zum Beispiel kaum Wissen über digitale Elektronik, einfach, weil die Bauteile teuer sind, einfach, weil es zu meiner Schulzeit kein schnelles erschwingliches Internet auf der Ländlichen Gegend aus der ich komme gab, und ich somit keinerlei Bezug dazu hatte. Ich hätte sie aber gerne. Und ich bin der Meinung, rudimentäres Wissen darüber ist unverzichtbar, und wichtiger als zum Beispiel Latein.

Auf die praktische Anwendbarkeit von Schulfächern wird ohnehin niemals eingegangen. Einzig die naturwissenschaftlichen Fächer scheinen sich – so war zu Schulzeiten mein Eindruck, und der ist es noch heute – ständig einer kritischen Beäugung von Wegen Praxisbezug unterziehen.

Wo ist zum Beispiel der Praxisbezug im Deutschunterricht? Der Deutschunterricht hat den Vorteil, dass er sich hinter dem Namen „Deutsch“ verstecken kann – doch „richtig sprechen und schreiben“ lernt man dort zumindest ab der fünften Klasse kaum noch. Man liest diverse Lektüren, zum Beispiel Göthe oder Schiller. Ich gebe zu, nicht alle Literatur die ich zu Lesen gezwungen wurde fand ich sehr schlecht, dennoch ist dieses Fach in einer Weise praxisfern wie kaum ein anderes Fach. Statt Rhetorik und Medienkompetenz lernt man das Verstehen anachronistischer Satzkonstrukte, welches ich seitdem niemals mehr nutzte.

Würde man allgemein Literatur mit den selben Kriterien betrachten wie Technik, würden Bücher wie die von Schiller niemals verkauft, weil sie schlichtweg dem Benutzer nicht zumutbar sind. Es wird ein großes Portfolio an Wissen und sprachlicher Begabtheit und Entrauschungsfähigkeit vom Konsumenten abverlangt, der nicht notwendig wäre, denn die getroffenen Aussagen sind meist banal und jedenfalls in wenigen Worten zusammenfassbar. Doch die allgemeine Auffassung ist es, dass sich der Mensch insbesondere als Schüler an die Gegebenheiten der Literatur anpassen muss, bei der Technik jedoch sieht man dies nicht ein, Technik sei ausschließlich zur Anwendung vorhanden, und im Zweifelsfall müsse man die Technik anpassen, nicht den Menschen.

Ich sehe das anders. Der technische Fortschritt erleichtert unser Leben in großem Maße, und er könnte es noch weiter erleichtern, wenn alle Menschen nur ein wenig bereit wären mitzugehen. E-Mails waren beispielsweise ursprünglich schon fast Magie, heute nutzt sie fast jeder, und zumindest hier sind sich die meisten Menschen wohl einig dass es eine effizientere und einfachere Form des Sendens von Informationen ist als der Postale Weg. Doch E-Mails haben Nachteile, beispielsweise die Unsicherheit des Contents. Experten und Leute die Wikipedia-Artikel lesen können haben unlängst zahlreiche Möglichkeiten um die Vertrauenswürdigkeit der E-Mail zu verbessern, und wenn man seinen Benutzern nur ein Minimum an Allgemeinbildung über kryptographische Verfahren zumuten würde wäre ein sehr großes Problem gelöst und man könnte sich wichtigeren Problemen widmen. Es wäre auch ziemlich schnell das Spam-Problem gelöst, denn man könnte Whitelists führen für Signaturen von denen man weiß dass sie kein Spam sind, und das Versenden ansonsten mit einer Challenge versehen.

Im Zusammenhang mit E-Mails fällt mir übrigens ein Paradebeispiel dafür ein, wie Benutzerfreundlichkeit Systeme unnötig kompliziert macht: Das automatische Ausblenden bekannter Dateinamenserweiterungen – meiner Meinung nach eine unglaublich sinnfreie Unidee. Dateien haben Namen, und eine Erweiterung, die etwas über deren Inhalt sagt – damit ist man Jahrzehnte Lang ausgekommen, „die drei Buchstaben hinter dem Punkt“ geben an was es für eine Art von Datei ist, anhand von ihnen kann man normalerweise erkennen, mit welchem Programm die Datei geöffnet wird. Im Grunde eine völlig Banale sache, die man jedem Benutzer zumuten könnte – .doc heißt „irgendwas mit Office“, .bmp/.jpg/.png sind irgendwelche Bilder, .zip/.tgz/.rar/.7z sind irgendwelche Archive, .exe/.com/.dll – vorsicht: das kann gefährlich sein, das sind ausführbare Dateien. Der Benutzer wird dann selbst, wenn er regelmäßig mit seinem Computer arbeitet, erkennen und lernen welche Erweiterungen was bedeuten. Und wenn nicht dann wird er sie wenigstens akzeptieren. Durch das Verstecken kamen schon diverse Viren zum Zug. Nein, das Ausblenden von Dateinamen ist keine Erleichterung, es ist künstliches Verstecken von Technik, das nichts positives bringt, aber viel Negatives.

Eine weitere Unsitte die sich in Windows inzwischen breitmacht ist das Geizen mit Fehlerinformationen. Als Admin hatte man ja schon immer mit Reports der Form „das geht nicht“ zu kämpfen, wenigstens konnte man bisher Rückfragen was denn die Fehlermeldung sei. Windows 7 hingegen scheint es nicht für nötig zu halten, irgendetwas anderes als Fehlermeldungen der Form „das geht nicht“ anzubieten. Weil – äh – ein Fehlercode könnte ja bedrohlich wirken, oh mein Gott, eine Zahl, und das auf einem Computer. Bäääh. Nein, lieber schreibt man freundlich „fragen Sie ihren Administrator“ dazu. Ich kann mir so richtig das hämische Grinsen des Programmierers vorstellen, der diesen Satz verbrochen hat. Der Admin kann nämlich mit einer vollkommen Inhaltslosen Fehlermeldung genausowenig anfangen. Doch das scheint den Nutzern nicht klar zu sein. Und normalerweise gehen alle Anstrengungen eines Admins dahin, dieses in das Bewusstsein seiner Schützlinge zu rufen. Windows hingegen geht den Weg, seinem Benutzer den Admin als „allmächtig und allwissend“ zu verkaufen.

Meiner Meinung nach hat jemand den eine Dateinamenserweiterung oder ein Fehlercode überfordern nichts vor einem Rechner zu suchen! Und eigentlich auch nichts hinter einem Lenkrad – wenn den schon ein Fehlercode irritiert, wie wird er sich dann erst im Straßenverkehr aufführen wenn mal eine Sicherungsleuchte leuchtet (was ja hin und wieder mal passiert). Es sind trotz noch so viel Desktop-Pr0n immernoch Maschinen, die nicht perfekt sind, und die eine große Fülle sehr komplexer Aufgaben übernehmen, und man kann nicht erwarten, dass eine Maschine einem das Denken abnimmt – vielleicht wird das dereinst möglich sein, doch noch ist die KI nicht hinreichend weit fortgeschritten, noch muss man dem Computer sagen was man will.

Eine andere nette Annekdote ist als ein Freund von mir vor Kurzem mit einer nach eigenen Angaben nicht allzu qualitativ hochwertigen Digitalkamera herumhantierte, um einen bestimmten Gegenstand zu fotografieren. Der Focus der Camera wäre zweifelsohne gut genug gewesen um den gewünschten Gegenstand scharf auf das Bild zu bringen. Doch diese Kamera hatte – wie viele, wie ich inzwischen las – eine nicht abschaltbare Autofokus-Funktion. Diese Autofokus-Funktion scheint auch in den meisten Fällen ganz passable Ergebnisse zu liefern. Nur eben in diesem einen Fall nicht. Wie schwer wäre es gewesen, die Autofokusfunktion – wenigstens mit etwas Aufwandt – abstellbar zu machen.

Benutzerfreundlichkeit ist es, dem Benutzer Werkzeuge anzubieten, nicht, sie ihm aufzuzwingen!

Damals als VHS noch modern war hatte ich einen Videorecorder und habe gerne mal irgendwelche TV-Sendungen damit aufgenommen. Die Programmierung eines Videorecorders war überaus schrecklich, eine einfache Einstellung „nimm Kanal X von Zeit A bis Zeit B auf“ war zum Beispiel zu viel verlangt, dafür gab es tolle niemals-durchgesetzte Standards wie ShowView. Hier wäre ein wenig mehr Benutzerfreundlichkeit durchaus nett gewesen. Nun, oft habe ich Sendungen aufgenommen während ich sie sah, das sollte ja eigentlich einfach sein, bei Werbeblöcken die sieben Minuten dauern kann dies aber auch gut und gerne mal eine Tortur sein. Vor Allem wenn der Videorekorder so schlau designed ist, dass er sich nach fünf Minuten Pause ausschaltet. Nun, dies mag generell recht gut sein, wenn ich mal vergesse, ihn zu stoppen. Aber bei einem siebenminütigen Werbeblock nach fünf Minuten abzuschalten (es dauert mindestens 3 Minuten bis der Schreibkopf danach wieder auf dem Band ist) ist nervig, und man sollte die Möglichkeit haben, diese Funktionalität abzuschalten. Zwischenzeitlich hackte ich mich um dieses Problem indem ich alle zwei Minuten mal kurz ein paar Sekunden aufnahm (irgendwann ging ich dazu über die Werbung einfach mit aufzunehmen).

Supermoderne Benutzerfreundlichkeit liefern auch die modernen neuen DNS-Defaultpages unter Anderem von T-Online. Bisher war es so, dass der Browser einem sagte, wenn er keine Webseite gefunden hat, die passt. Manch ein moderner Browser leitete einen dann eigens zu Gugel oder Vergleichbarem weiter. Das Gute daran war vor Allem, dass auch andere Software, aber eben auch der Browser, wusste, dass es einen Fehler gab. DNS-Defaultpages hingegen bringen nichts außer einer Werbefläche für das Unternehmen das sie anbietet, und Verwirrung. T-Online muss man wenigstens gutheißen, dass sie theoretisch die Möglichkeit geben, das abzustellen, wobei ich das nicht hingebracht habe, weil man irgendwelche Passwörter braucht, die ich nicht habe – meine Defaulteinstellung ist seitdem einfach 8.8.8.8. Bleibt die Frage, wozu überhaupt DNS-Defaultpages. Idiotenbrowser leiten ohnehin auf Google oder Bing weiter, alle anderen User werden die Fehlermeldung auch so kapieren. Es erzeugt Probleme, weil einige Software berechtigterweise davon ausgeht, zu merken, wenn DNS-Anfragen ins Leere gehen.

Nur um zu zeigen, dass es sich nicht auf die digitale Elektronik beschränkt, will ich von einer Heizung erzählen, ich kenne eine Heizung, die grundsätzlich zu kalt oder zu warm geschaltet wird. Es handelt sich dabei um ein Zimmer das ein etwas größeres Fenster hat, dementsprechend mehr Heizleistung bräuchte. Doch es scheint als würde der Thermostat irgendwie mit den anderen Thermostaten des Hauses zusammengeschaltet sein. Da hat sich wahrscheinlich irgendein Ingenieur stundenlang den Kopf über Thermodynamik zerbrochen, anstatt den User einfach entscheiden zu lassen, wie warm seine Heizung sein soll. Die Hacks damit umzugehen sind auch köstlich. Der Standardtrick im Winter immer wieder mal einen Eiswürfel unter den (am Boden angebrachten) Thermostat zu legen wirkt Wunder.

Ja, und dann gibts da noch die guten alten (bzw. neuen) Heuristiken beim Copypasten. Statt wie früher einfach den Benutzer entscheiden zu lassen ob er Text oder Design kopiert wird heute bei einigen Programmen eine Heuristik erzeugt, ob das Eingefügte eher formatierter Text ist, oder eher blanker Text.

Diese Heuristiken können ganz schön nerven, wenn man zum Beispiel HTML-Code umherkopiert. Sie liegen häufig falsch, aber selbst wenn sie richtig liegen, ich hatte niemals einen wirklichen Vorteil dadurch. Warum werde ich nicht einfach gefragt, als was ich meinen Text einfügen will. Ein Benutzer wird wohl unterscheiden können, ob er formatierten Text, den klartext aus dem formatierten Text, oder den Klartext aus dem Code  haben will. Und das besser als noch so viele Heuristiken.

Ich könnte weitere Beispiele bringen aber ich sehe gerade dass dieser Beitrag zu lang wird.

Nun, jetzt überlege man sich mal, wie viel Arbeit in Obige Benutzerfreundlichkeiten gesteckt wurde. Ich behaupte, viel zu viel. Anstatt dem Benutzer sinnfrei die Arbeit erleichtern zu wollen sollte man lieber gute neue Technik oder echte Benutzerfreundlichkeit entwickeln!

Es gibt ja auch durchaus sinnvolle Entwicklungen: Überlappende Fenster, und selbst Dinge wie Aero und Compiz, die ich ursprünglich für reinen Designschrott hielt, kann man für sinnvolle Dinge benutzen. Die automatische Zuordnung zwischen Dateityp und Defaultanwendung, entsprechende Icons und Vorschaubilder, sind ebenfalls etwas sehr gutes, was lange brauchte um sich durchzusetzen. Höhere Programmiersprachen erleichtern die Programmierung und sorgen so dafür, dass man erheblich schneller programmieren kann – zum Preis von Rechenleistung, dennoch durchaus rechtfertigbar. Journalling-Dateisysteme, Userlevel-Dateisysteme, all das ist im Grunde die reine Benutzerfreundlichkeit.


Die Unkultur des modernen Instant-Messaging

Thu, 27 May 2010 15:01:05 +0000

Instant Messaging ist eine sehr nette sache gewesen, inzwischen schon fast wieder veraltet, und gerade deshalb eines der wenigen wirklich dauerhaften Internetphänomene, die sicherlich bestehen bleiben. Und in den Anfangszeiten, als der Hauptstrom gerade begann, sich mit ICQ anzufreunden, war es noch von einer relativ relevanten Gesprächskultur begleitet. Man war Online wenn man bereit war angechattet zu werden, Away wenn nicht. Not Available wenn der Rechner merkte dass man seit einer halben Stunde nichts mehr tat. Zur Korrektheit kam dann noch ein Do Not Disturb hinzu, das man setzen konnte, wenn man zwar da war, aber nicht gestört werden wollte.

Ungefähr hier begann, soweit ich mich erinnern kann, aber bereits das Ende dieser Gesprächskultur. Nämlich, als man diesen Status einfach begann zu ignorieren. DND wurde als gleichbedeutend mit Away angesehen, und somit wurde man auch trotz des DND-Status angeschrieben. Clientseitig gab es aber zumindest bei den nichtkommerziellen Clients bald eine Möglichkeit, zumindest die Benachrichtigungen darüber auszustellen.

Das Ignorieren des Status wurde aber auch nicht unbeträchtlich durch die Unkultur gefördert, einfach immer auf Away zu schalten. Es ist nämlich zu schwer seinen Computer auf Auto-Away einzustellen, außerdem ist man wenn man Online ist so … „verwundbar“. Im Online-Status hat man keine Ausrede nicht zu antworten, im Away-Status konnte man immer sagen, man wäre gerade nicht da. Aussagen wie „schreib mich einfach an, ich bin nur Away dass mich die ganzen Nervensägen nicht anschreiben“ waren irgendwie allgemein akzeptiert.

Und das katapultiert uns dann schon fast in die aktuelle Zeit. Wir haben inzwischen Status-Messages. Inzwischen werden diese auch von den meisten Clients unterstützt. Als dies noch nicht so war hatte man als Ersatz kurz mal AutoReply-Bots, die einem so nette Sachen wie „I am not here right now but as soon as I come back I will read your message.“ sagten – zumindest gibt es diese Autoreply-Bots inzwischen kaum noch, weil die meisten Leute kapiert haben, wie nervig und nutzlos sie sind. Dafür hat sich eine andere Unsitte weiter verbreitet: Das Unsichtbar Sein.

Der Invisible-Status ist eine der schlimmsten Erfindungen des Instant Messagings. Es ist der Gedanke, für Andere ausgewählte Personen als Offline zu gelten. Gut, nur für bestimmte Personen Online zu sein ist eine Entscheidung. Doch statt dass die IM-Server im Gegenzug erzwingen, dass man dann auch nichts über den Status seines Gegenübers erfährt, kann man fröhlich den lieben langen Tag invisible sein, und den Online-Status seiner Mitmenschen verfolgen.

In der Realität ist es meist so dass man sein Gegenüber sieht. Man weiß, ob es anwesend ist, ob es einem zuhört. Kontexte in denen dies nicht so ist können theoretisch beim Telefonieren auftreten, ansonsten wären die einzigen Situationen die mir einfielen die in diversen Krimiserien dargestellten Verhöre hinter einer Spiegelwand, ich weiß aber ehrlichgesagt nicht, wie viel da dran ist. Invisible zu sein ist anmaßend, und ich hatte bereits eine Zeit lang die Policy, jeden, den ich dabei erwischte, dass er Invisible war, von meiner Kontaktliste zu kicken. Meine Argumentation war dabei immer, dass ich niemanden anschreibe, wenn er DND ist. „Das ehrt dich ja sehr, aber dann habe ich immernoch 20 andere Kontakte die sich nicht daran halten“ ist eine denkbare Antwort – nun, wer mich anschreibt ohne wirklich triftigen Grund während ich DND bin, der kann auch ziemlich schnell von meiner Kontaktliste fliegen. Im Gegenzug bin ich aber auch nur dann DND, wenn ich wirklich nicht gestört werden will, und nicht nur, wenn ich grad keine Lust habe zu Antworten, aber trotzdem jeden anschreiben können will.

Der Unsichtbarkeitsstatus hat natürlich seinen kleinen Bruder, ich nenne ihn liebevoll ATSSTMIM  für „Always The Same Status To Make It Meaningless“. Menschen, die es nicht fertig bringen, ihrem Rechner zu sagen, er soll nach 20 Minuten Inaktivität auf Away schalten, und somit stundenlang online sind, ohne da zu sein. Oder Leute, die immer Away sind, oder noch schlimmer, DND, denen ich damit also guten Gewissens garnichts schreiben kann. Nun bin ich zumindest bei gewissen Leuten dazu übergegangen, dies auch genau so zu tun, und auch bei wichtigen Dingen auf E-Mails zurückzugreifen und mich zu weigern mit ihnen zu chatten wenn sie nicht auf einen repräsentativen Status (Online oder DND) schalten. Doch bekanntlich setzt sich Unkultur mit allen Mitteln durch, solche Leute gingen bald in den Invi-Status über.

Es handelt sich hier wie gesagt um eine Unkultur. Ein perfides Verhalten, das Informationen konsumiert, ohne bereit zu sein, sie in gleichem Maße bereitzustellen. Aber sich über Google und die anderen bösen Großunternehmen beschweren. Ja – es handelt sich hier eher um eine Lappalie, aber gerade in Lappalien zeigen sich Denkmuster oft sehr gut, und meiner Meinung nach sehen wir in diesem Verhalten eine Facette des Problems, an dem unsere Hochkultur letztlich zugrunde gehen wird.


Portal und andere Spiele …

Sat, 22 May 2010 00:02:46 +0000

… werden jetzt ja dann wohl in größerer Zahl auf Mac OS Portiert, und damit bleibt zu hoffen, dass man sie dann leichter auf Linux portierbar beziehungsweise emulierbar/virtualisierbar sein werden, denn die Grundlagen beider Systeme sollten doch näher verwandt sein.

Jedenfalls stiefelte ich heute Windows auf meinem neuen Denkblock. Konfigurierte Ubuntu auch gleichzeitig so, dass es virtualisierbar ist unter ebendiesem Windows, sodass nicht nicht mehrere Logs und Feuerfuchsprofile maintainen muss. Lief auch alles wunderbar.

Steam startierte und brauchte lange um Portal herunterzuladen und nachdem es dieses endlich fertiggetan hatte stürzte es erstmal gepflegt ab. Nach einem Neustart und dem versuch, Portal zu starten, klärte es mich auf, dass es meinen Grafikchip nicht kennen würde. Durchaus möglich, es ist nicht der Neueste, und dementsprechend Überrascht war ich, als dann das Spiel doch loslief und ich mit relativ wenigen aber eben immernoch daseienden Rucklern anfangen konnte zu spielen.

Die Ruckler waren nervig, und so wollte ich die Bildqualität heruntersetzen, was zu einem prompten Absturz führte, und vor einem kompletten Systemneustart schaffte ich es auch nicht das Spiel wieder zu starten. Danach stellte ich alles wieder um, in der Hoffnung, danach würde das Spiel wenigstens wieder im vorherigen Zustand sein. Was soll ich sagen, das Spiel hängte sich auf und lastete einen Prozessorkern voll aus, sodass ich mich gezwungen sah, es zu keksen.

Erst dann wurde mir plötzlich klar, was ich da eigentlich gerade tue: Ich versuche ein Windows-Spiel unter Windows zum Laufen zu bringen. Ich, der ich garnicht Windows verwenden will, und Windows nur boote, weil ich ein Spiel spielen will, strenge mich an, damit dieses Spiel funktioniert. Überhaupt gibt es wenig Gründe für mich, ein Windows-System zu starten. Ich habe mein Ubuntu – und wenn mir das nicht mehr gefällt habe ich Arch Linux. Und wenn mir selbst das nicht gefällt werde ich auf Solaris oder ein BSD umsteigen.

Ich muss mich also auch noch anstrengen, damit ein Spiel, das ich zumindest theoretisch gekauft haben könnte, unter einem kooperativen System läuft. Interessant. Selbstverständlich überlege ich mir nun also zweimal, ob ich mir wirklich eines der kostenpflichtigen Spiele kaufe. Ich hatte schon mehrere Spiele im Sinne, oft auch ältere, nur ist bei denen nie so klar ob sie unter Wine wirklich gut laufen – und bei etwas älteren Modellen ist selbst nicht klar ob sie auf einem modernen Windows gut laufen.

Ok, bevor ich gleich damit anfange, was ich am Verhalten der Spielehersteller alles nicht verstehe, erstmal eine Liste mit Dingen die ich verstehe – nur des guten Willens wegen:

  • Ich verstehe, dass sie ihre Spiele – wenigstens am Anfang – nicht Opensourcen. Kopierschutzmaßnahmen werden durch Open Source nahezu unmöglich. Außerdem steckt in einem Spiel mehr Interesse als bloße Software. Es ist ein Gesamtkunstwerk und man will freilich nicht dass Leute es bereits umschreiben bevor sie es überhaupt sinnvoll gespielt haben.
  • Ich verstehe, dass sie DRM-Maßnahmen ergreifen wollen. Ich finde es nicht gut, vor allem, weil die ganzen DRM-Lösungen so beschissen implementiert sind, aber ich verstehe es.
  • Ich verstehe, dass den Spieleherstellern OpenGL ohne diverse Erweiterungen nicht ausreicht.
  • Ich verstehe, dass Spielehersteller nicht die Portierung auf Betriebssysteme bezahlen wollen, die nicht hinreichend verbreitet sind.

Ja, so viel kann ich verstehen. Jetzt kommt dann mal, was ich nicht verstehe:

  • Ich verstehe nicht, dass sie nicht wenigstens Teile ihrer Spiele oder der verwendeten Spieleengines soweit offenlegen, dass die Geeks sich das Spiel entsprechend selbst portieren können. Der Hauptanteil des Unportierbaren sind wohl die direkten Hardwarezugriffe auf den Grafikkartenspeicher, beziehungsweise die niedrigstufigen Aufrufe der Grafikbibliotheken. Diese kann man ersetzen. Man kann jedenfalls der Wine-Community (die immerhin für eine Portierung auf mindestens 4 zusätzliche Betriebssysteme arbeiten würde) die Arbeit erleichtern durch Zusatzangaben.
  • Ich verstehe nicht, warum die ganzen DRM-Maßnahmen so beschissen programmiert sind. Wie wärs mit: Der Maschinencode ist Verschlüsselt und kann nur mit einem entsprechenden Schlüssel entschlüsselt werden. Und das auch nur indem man ihn meinetwegen irgendwo in den heap speichert und dann an eine definierte Speicherstelle springt. Irgendwas von der Form „ich schau regelmäßig im Internet nach ob du mich spielen darfst“ sollte man jedenfalls leichter wegcracken können. Letztendlich kann man alle Kopierschutzmaßnahmen aber irgendwie umgehen, wenn man ein irgendwie offenes System haben will – und damit meine ich nicht Betriebssystem sondern schon sowas von Wegen nicht so einen komplettgeschlossenen Krampf wie das iPhone oder sowas (und selbst das wird gejailbreaked …).
  • Ich verstehe nicht, warum Spielehersteller und Hardwarehersteller Microsoft so dermaßen in den Arsch kriechen, dass sie sich auf DirectX einlassen. Ich sage nicht, dass DirectX irgendwie extrinsisch schlecht ist, aber es ist intrinsisch schlecht weil nicht Portabel. Als Spielehersteller will ich mich doch nicht Abhängig machen von der Grafikbibliothek eines bestimmten Unternehmens, und schon garnicht von dessen Betriebssystem, an dem dieses Unternehmen wild rumbasteln kann ohne mein Einverständnis. Gleichermaßen will ich das doch als Hardwarehersteller nicht. Im Grunde ist der einzige Sinn von 3D-Grafikkarten auf Heim-PCs, dass man mit ihnen Spiele spielen kann. Das heißt, die Spiele wollen im Wesentlichen an die Grafikkarte, die Grafikkarte will im Wesentlichen an die Spiele, Windows ist nur ein Kleber dazwischen, und die Schicht soll möglichst dünn sein. Wieso tun sich nicht die verschiedenen Spiele- und Grafikkartenhersteller zusammen und machen eine eigene Infrastruktur auf – ich meine, sie müssen doch eh Treiber schreiben, so viel mehr Aufwandt kann das doch nicht sein. Vor Allem das Ganze dann einigermaßen Portabel aufzubauen sollte doch gehen. Immerhin ist doch die Rechenleistung selber selten der Flaschenhals, sondern eher die Grafikleistung.
  • Ich verstehe nicht, wieso jemand Spiele auf Macs portieren will. Einen Mac kauft man sich nicht um Spiele zu spielen. Man kauft ihn sich um mit Mac OS X zu spielen.

Jedenfalls werde ich jetzt also weiterhin lieber versuchen, das Ganze unter Wine zum Laufen zu bringen. Ich glaube die Zeit ist sinnvoller investiert. Spielen kann ich eh vergessen im jetzigen Zustand.


„Entwicklungsland“ Indien

Wed, 19 May 2010 01:15:48 +0000

Das als Entwicklungsland bekannte Indien will offenbar ein eigenes Betriebssystem schreiben, um Unabhängig von speziellen Anbietern und Staaten zu sein.

Damit sind sie schon mal schlauer als unsere Helden mit ihren seltsamen Mautplänen und diversen Wahlcomputern oder dem Verschenken von Volkseigentum.


Steam für Mac OS X – da kommt zusammen, was zusammengehört …

Tue, 18 May 2010 16:10:15 +0000

… Software für eine ganz bestimmte Klasse von Leuten.

Ja, ich gebe zu, ich fand und finde Portal gut. Ich habe mir sogar schon mehrfach überlegt, es mir zu kaufen, aber mit meinem früheren MacBook war ich unzufrieden, drum hab ichs jetzt verkauft, und bei meinem jetzigen Rechner hatte ich andere Prioritäten, sodass das Spielen solcher Spiele unter Wine eher problematisch ist (nicht dass ich Portal jemals vorher so gut unter Wine zum laufen gebracht hätte wie jetzt).

Jedenfalls fand ich es durchaus erfreulich, dass Valve jetzt Portal kostenlos gemacht hat. Und so dachte ich mir, ich lade es mir mal runter. Nungut, man muss sich registrieren und Steam installieren – meinetwegen, das ging auch unter Wine ganz gut. Das Herunterladen dauerte sehr lange, aber auch das ging unter Wine sehr gut. Dass mein Rechner es nicht schafft, unter Wine Portal mit einer sinnvollen Framerate abzuspielen, nun, das ist auch nicht die Schuld von Valve oder sonst wem. Das muss man eben akzeptieren.

Also dachte ich mir, ich könne irgendwie einfach die heruntergeladenen Dateien rüber auf meine Windows-Partition kopieren und dort zum Laufen bringen. Weit gefehlt natürlich. Mit irgendwelchen Semi-Legal aussehenden Tools geht das zwar, aber es scheint keine vorgesehene Methode zu sein, dies zu tun. Nein, vielmehr sollte ich mir das Ganze unter Windows nochmal herunterladen. Nach einigen Gesichtspalmierungen deswegen habe ich ebendieses getan.

Nunja, dann funktionierte mein Passwort nicht. Ich tippe das Passwort normalerweise nicht direkt ein sondern Copypaste es aus einer Passwortgeschützten Datei – ich erzeuge die meisten meiner Passwörter mit pwgen. Dies schien jedenfalls plötzlich nicht zu gehen – naja, vielleicht ein Fehler im Copypasten, irgendwelche seltsamen Designheuristiken sind vielleicht gefailed. Was solls, also manuell abtippen. Auch das ging nicht.

Also Passwort zurücksetzen lassen. Trotz korrekter Antwort auf die „geheime Frage“ und bestätigungscode aus der E-Mail konnte ich auch dieses nicht. Quintessenz: Ich kann jetzt unter Linux theoretisch Portal spielen, allerdings ist die Framerate zu niedrig. Unter Windows kann ich nicht mal Steam starten, weil es mein Passwort nicht akzeptiert.

Kein Wunder, dass selbst die Spielehersteller gecrackte Versionen bevorzugen.

Wie dem auch sei, heute brachte mich jemand auf einen netten Grund, warum man es gut finden muss, dass man Spiele auf Mac OS X portiert: Der Grund warum Firmenkunden in Büros und auch einige Gamer Mac OS X benutzen ist wohl gerade weil man darauf keine Spiele spielen kann, sondern gezwungen ist, etwas einigermaßen produktives zu tun. Wenn es erstmal genug Spiele auf Mac OS X gibt, wird es damit seine Besonderheit verlieren. Also: Portiert mehr Spiele auf Mac OS X.


Artensterben stoppen – ein Aufruf zur Arten-Gerechtigkeit

Mon, 17 May 2010 01:57:10 +0000

Was meine geplagten Augen da mal wieder lesen mussten, im SZ-Artikel zum UN-Bericht ueber das Artensterben. Gleich der erste Satz ist treffend – „Die Weltgemeinschaft hat versagt“ – dann folgen einige Statistiken und Zahlen, die der geneigte Leser sich selbst zu Gemuete fuehren moege. Quintessenz: Mehr Arten wurden durch den Menschen ausgerottet als ausgerottet haetten werden sollen.

Auf wirtschaftliche und politische Probleme werden solcherlei Dinge gerne wegabstrahiert, denn aermere Laender kuemmern sich nicht um das Artensterben weil sie es nicht koennen weil sie ja so arm sind und erstmal an sich denken muessen und blafasel, und die einzige Loesung des Problems ist damit, solchen Laendern Geld in den Arsch zu schieben, damit sie einen genauso gut funktionierenden Kapitalismus aufbauen koennen, wie den unsrigen.

Das Problem ist aber meiner Meinung nach ein ganz anderes, und wird denke ich ziemlich gut im Schlusssatz des SZ-Artikels deutlich, der da lautet „Doch wenn die Menschheit so weitermacht wie bisher, wird es irgendwann alle treffen„, alle im Kontrast zu den armen Fischern, denen jetzt halt ihre Fische wegsterben. Artenschutz motiviert durch menschlichen Wohlstand – ich behaupte, das ist es, was das Problem verursacht. Der mangelnde Respekt vor dem, was anders ist als man selbst, die Haltung, die Welt als metaphorische Kuh zu sehen, der man immer genau so viel zu Fressen gibt, dass ihre Milchleistung nicht nachlaesst. Kurzum, das Problem ist der Speziesismus.

Warum interessiert sich keine Sau fuer die Millionen an Fischen mit denen wir unseren Kindern die Maeuler stopfen, die sich vielleicht auch nicht so gut dabei fuehlen, zu panierten Quadern verarbeitet und von haesslichen sabbernden fetten Monstern verschlungen zu werden? Weil es uns eigentlich egal ist. Und solange dies so bleibt ist das Artensterben nicht aufzuhalten.

Der Mensch hat die Macht, sich selbst und anderen beliebig zu schaden. Das Einzige, was ihn wirklich davon abhalten kann, ist seine Moralvorstellung. Erst wenn wir es als moralisch schlecht empfinden, dass Tiere und Pflanzen sinnlos getoetet werden, und ihnen sowohl eine Wuerde als auch einen Individualbegriff zusprechen, kann sich dies ueberhaupt aendern.

Die Betrachtung unterschiedlicher Menschentypen und deren essenziell unterschiedliche Behandlung hat auch niemals vorher aufgehoert, die Rassentrennung in den USA hat nicht aufgehoert weil ein paar Wissenschaftler gemeint haben, Gleichberechtigung koennte fuer die Armeekraft und Wirtschaft gut sein, sie hat aufgehoert weil die Moralvorstellungen der Gesellschaft sich langsam weiterentwickelt haben.

Moral ist letztlich doch nichts anderes als ein Mechanismus der Arterhaltung, erst die Moral hat dazu gefuehrt, dass wir uns nicht wie einige Primaten staendig die Koepfe einschlagen, sondern zumindest erst grosse Kulturen bilden bevor wir uns die Koepfe einschlagen – mir kann es, abgesehen von moralischen Bedenken, egal sein ob ein anderer Mensch gequaelt wird, solange ich nicht betroffen bin. Erst die Moral sorgt dafuer dass es mir nicht egal ist, und aus diesem Moralgefuehl heraus resultiert der Wille zu einer Gesellschaft die diesen Moralvorstellungen entspricht, und nur deswegen engagiere ich mich ueberhaupt in irgendeiner Weise politisch oder kulturell – ja, Moral hat den Willen, sich zu verbreiten, das macht sie zu einem vortrefflichen Werkzeug der Arterhaltung und -verbreitung.

Und so muessen unsere Moralvorstellungen sich auch endlich auf Tiere und Pflanzen beziehen. Dabei geht es garnicht darum, die Nutztierhaltung und das Essen von Fleisch sofort zu verbieten, auch wenn dies aus meiner Sicht sehr erstrebenswert waere, so ist es doch nicht realistisch, dass sich diese Moralvorstellungen in ausreichend kurzer Zeit durchsetzen wuerden. Viel mehr muss das Bewusstsein und das Interesse fuer einen wuerdevollen Umgang mit Nutztieren und Nutzpflanzen geweckt und gestaerkt werden, anstatt es mit anderen moralischen Vorstellungen zu relativieren.

Dass irgendwo ein Tier gequaelt wird und dass man sich nicht darum kuemmern muss weil anderswo ein Kind verhungert darf keine akzeptierte Argumentationsweise mehr sein, denn es wird immer hungernde Menschen geben, und immer Strukturen, die dafuer sorgen, dass irgendwer sich ueber andere erhebt und diesen Leid zufuegt. Die schwierigste Herausforderung in diesem Zusammenhang ist freilich zu akzeptieren dass einige Tierarten speziesistisch sind, und diesen dennoch ihr Recht zuzusprechen. Das ist ein aehnlich schwieriges Problem wie das Zusprechen von Menschenrechten gegenueber Menschen die sich selbst nicht an Menschenrechte halten wollen. Gerade hier wird wieder der pragmatische Charakter der Moral deutlich: Der Hauptgrund warum man allen Menschen ein unveraenderliches und unveraeusserliches Recht zuspricht ist, weil man verhindern will, dass irgendwer aus irgendeinem Grund dieses Recht bricht – und sei es nur aufgrund der Rechtbrechung selbst – zumal es Menschen gibt, deren Verstand nicht ausreicht, um ihr Fehlverhalten zu verstehen, oder die schlichtweg Geisteskrank sind. Tieren muss dasselbe Recht zukommen, sie sind Wesen die den Speziesismus dem sie unterliegen nicht eigenstaendig verstehen koennen, dennoch muessen die allgemeinen Rechte auch fuer sie gelten. Anders als Menschen haben andere Tierarten durch ihr speziesistisches Verhalten aber nicht die Faehigkeit so verheerenden Schaden anzurichten, zumindest unter natuerlichen Bedingungen (in der Folge eines ungewoehnlichen Eingriffes durch den Menschen natuerlich schon).


Kurierdienste …

Fri, 14 May 2010 15:23:44 +0000

… und die ganzen anderen Logistik-Fagottspieler regen mich langsam so auf. Heute habe ich mal wieder wegen einem dieser Neubienen zwei Stunden meiner begrenzten Lebenszeit geopfert, nur um dann – wie ueberraschend – festzustellen, dass er nicht kommt. Damit halten Kurierdienste den Rekord der Unzuverlaessigkeit bei mir noch vor Handwerkern – bei Handwerkern kam es zumindest vor, dass sie sich an vereinbarte Termine gehalten haben.

Bei Lieferunternehmen kam das bisher nie vor – zumindest kann ich mich nicht erinnern. Die Ausreden sind immer die gleichen. Kommt ein Kurier vor der abgemachten Zeit war er grundsaetzlich schon frueher fertig als erwartet, doch anstatt anzurufen ob man schon frueher Zeit hat, wird dies einfach vorausgesetzt, und wenn man zu dem Zeitpunkt noch nicht anwesend war, dreist eingetragen, dass das Paket nicht zustellbar war. Ich hatte gerade damit beim Kauf eines Computers Probleme – der Kurierdienst kam dreimal (laut eigenen Angaben) – jedes Mal war ich anwesend zu der Zeit die abgemacht war, jedes Mal hatte ich meine Telefonnummer angegeben, erst beim dritten Mal wurde dann das Problem klar: Wenn mir jemand sagt, er kaeme von 10.00-12.00, impliziert das nicht, das sich um 8.00 zu Hause sein muss. Kommt ein Kurier zu spaet (der Normalfall), dann normalerweise nicht eine Stunde, sondern mindestens drei Stunden. Dass er nicht angerufen hat liegt grundsaetzlich an irgendeinem „Fehler“, der verhindert hat, dass er die Telefonnummer hat. Das ist besonders laecherlich da meistens die Kontaktdaten auf den Zetteln stehen, die man unterschreiben muss.

Gut, ich kann verstehen, dass der Markt ziemlich gross ist, und man dementsprechend ziemlich effizient arbeiten muss. Ich kann also verstehen, dass Kuriere sehr gestresst sind und sehr viel zu tun haben, und dementsprechend nicht auf die Stunde genau sagen koennen, wann sie kommen. Dann sollten sie dieses Problem aber einfach dadurch loesen, dass sie dies nicht tun.

Wenn mir jemand sagt „halten Sie sich den Nachmittag frei“ dann kann ich das tun. Aber wenn mir jemand sagt „wir kommen zwischen 12 und 14 Uhr“, meine Telefonnummer hat, und dann nicht kommt, dann ist das unverschaemt. Ich habe naemlich auch Termine und Dinge zu tun. Und ich kann von Kurierdiensten erwarten, dass sie Professionell genug sind, um realistische Zeitangaben zu machen – immerhin gehoeren sie zur „Logistik-Branche“, und – sorry – zu spaet oder garnicht kommen zeugt nicht unbedingt von viel Talent dazu.